11.11.2002

Domain weg? Na und?

Vermutlich, weil eine Aufforderung von Network Solutions nicht beachtet wurde, hat der WDR die Domain wdr.com verloren.

"Der Westdeutsche Rundfunk und seine Domain-Affairen", so könnte der Titel einer abendfüllenden Schmonzette lauten. Gerade entsteht auf wundersame Weise ein neues Kapitel, denn die Domain wdr.com scheint der öffentlich-rechtlichen Anstalt aus Nachlässigkeit entsprungen zu sein.

Noch in der vergangenen Woche konnte man unter diesem Domain-Namen die neuesten Online-Nachrichten des WDR sowie weitere Informationen aufrufen. Ein Service, für den WDR-Intendant Fritz Pleitgen den Gebührenzahlern nur zu gerne noch ein wenig tiefer in die Tasche greifen würde.

Doch nun ist damit unter dieser Domain erst einmal Ende. Die Domain wdr.com liegt bei Network Solutions auf Eis. Im WWW findet man eine "Under Construction" Seite und in der Whois-Datenbank erscheint unter "Registrant" noch nicht einmal ein Eintrag. Nur die Angaben "Appelhofplatz 1" und "Koeln" weisen darauf hin, dass diese Domain einmal dem WDR gehörte.

Über die Ursachen dieses etwas ungewöhnlichen Zustandes kann man nur spekulieren. Wie ein Informant intern.de berichtet hat, wurde die Domain bei der InterNIC-Meldestelle für falsche Whois-Angaben gemeldet, weil der WDR fehlerhafte Angaben über den Domain-Inhaber gemacht hatte.

Diese Meldestelle wurde von der ICANN eingerichtet, um falschen Domain-Eintragungen ein Ende zu machen. Üblicherweise wird nach einer solchen Meldung der Domain-Inhaber kontaktiert und dazu aufgefordert, die notwendigen Änderungen wahrheitsgemäß vorzunehmen.

Tut er das nicht, so wird die Domain gelöscht. Oder - wie hier vermutlich der Fall - von Network Solutions übergangsweise konnektiert, bis ein Snapname-Kunde die Domain übernehmen kann. Denn Snapnames wurde mittlerweile von Network Solutions bzw. VeriSign übernommen.

Die Reaktion der Online-Redaktion des WDR auf diesen Vorgang, sinngemäß zitiert: "wdr.com? Hamm wir nicht, brauchen wir nicht. Nehmen Sie doch die wdr.de". Auch der Hinweis, dass die Domain ursprünglich dem WDR gehörte und nun plötzlich den Besitzer gewechselt hat, bringt den Redakteur nicht aus der Ruhe: "ach ja, Danke für den Hinweis, da kümmern sich dann unsere Anwälte drum".

Eine etwas befremdliche Einstellung, nachdem man schon für die Domain wdr.org die Gerichte bemühen musste. Das Resultat der damaligen Aktion: 40.000 Mark Kosten für den Journalisten Wolf-Dieter Roth, der sein Namenskürzel als Domain benutzen wollte. Und eine Domain, deren Registrierung der WDR dann noch nicht einmal für nötig hielt.

Aber wie sich der aktuellen Reaktion der Redaktion entnehmen lässt, spielt das auch keine Rolle. Die Juristen kümmern sich um die (Rück-) Beschaffung von Domains, auch wenn man diese gar nicht braucht.

Noch Fragen, Kienzle?

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