18.02.2004

Totgesagte sterben länger

Der Verein Freedomforlinks hat jahrelang für Unruhe gesorgt. Für sonst leider nichts, wie man aus heutiger Sicht sagen muss. Der WWW-Auftritt wurde nun auch aufgegeben, nachdem der Verein schon vor Monaten gelöscht wurde.

Diese Meldung dürfte vor allem "Oldies" unter den Lesern von intern.de interessieren. Der vor Jahren mit einer eigentlich sehr wichtigen Aufgabe angetretene Verein "Freedomforlinks" existiert nicht mehr. Laut dem Vereinsregister am Amtsgericht Hamburg wurde der Vereinseintrag bereits am 13. August 2003 gelöscht.

Die einst sehr wechselhaft aber immer mit (tageszeitabhängig) recht redegewandten Charakteren besetzte Organisation hat im Verlauf der letzten drei Jahre kaum mehr von sich hören lassen. Der im Jahr 2001 von der "Restmannschaft" versprochene Neuanfang blieb leider aus. Die Chance, den Verein in irgend einer Form zu Kanalisierung von Interessen der oft beschworenen Internet-Gemeinschaft zu nutzen, wurde damit vertan.

Wahrscheinlich waren es die zu unterschiedlichen Interessen der Beteiligten, die das Projekt scheitern ließen. Vielleicht war aber auch die - zumindest bei einigen Mitgliedern feststellbare - Diskrepanz zwischen der nach außen getragenen Zielsetzung und ihrer eigentlichen Motivation, die das Projekt scheitern ließ.

Der Todesstoß für den Verein kam dabei schon im Jahr 2000, als drei der eher altruistisch gesinnten Mitglieder den Verein (damals noch i.Gr.) verließen. Danach wurde zwar ein Neuanfang von den Verbliebenen - fast nur noch Anwälte- mehrfach angekündigt, doch bei diesen Ankündigungen blieb es auch.

Ganz leicht wäre dieser Neuanfang wohl auch nicht gefallen, denn der damals schon als "Leichnam" bezeichnete Verein trug zu viele Probleme aus seiner Entstehungsgeschichte mit sich herum. Dazu zählten unter anderem der etwas unklare Verbleib einer ersten Spendenaktion (Fall "Best") sowie der noch heute bestehende Markeneintrag "Freedom for Links", den die Vereinsgründerin auch nach ihrem Weggang nicht aufgeben wollte und der zwangsläufig den Verein zur Kooperation mit ihr zwang.

So kam es wohl, wie es kommen musste. Im Sommer letzten Jahres wurde der Leichnam per Löschung des Vereins endgültig entsorgt. Nur online, im WWW, hielt man den Schein noch aufrecht. Erst seit den letzten Tagen führt der Aufruf der Adresse auf eine Seite des Providers.

So stellt sich das Ende des Vereins ebenso traurig dar, wie fast seine gesamte Existenz. "Traurig" vor allem, weil der Verein eigentlich wie geschaffen dafür war, als Sprachrohr für die oft berechtigten Anliegen der Internet-Nutzer zu dienen. Die von diesen Nutzern investierte Energie ist leider größtenteils verpufft.

Was die finanzielle Seite angeht - gemeint sind vor allem die bei verschiedenen Aktionen gesammelten Spendengelder-, so herrscht inzwischen weitgehend Klarheit. Die verbliebenen Reste aus der ersten Spendenaktion, als es um das heute oft zitierte Link-Urteil im Fall Michael Best ging, dürften noch auf irgend einem Festgeldkonto des Vereins schlummern. Dieses Geld wird aber vermutlich peu à peu von den Kontenkosten aufgezehrt.

Die für den Fall Stefan Münz (SelfHTML) gespendeten Gelder - eine weit größere Summe - werden dagegen schon längere Zeit von diesem (mit-) verwaltet. Dieses Geld wurde also von dem Verein abgezogen. Es soll - in Absprache mit den Spendern - teilweise zur Unterstützung geeigneter anderer Rechtsstreitigkeiten dienen.

So kann man die ganze Angelegenheit zumindest finanziell als geklärt bezeichnen. Schade nur, dass der Vereinsleichnam schon so lange die wirklich sinnvollen Aktionen des deutschen Internet in den Schatten gestellt hat. Und möglicherweise auch noch in Zukunft stellen wird.

Auch dazu eine kurze Gegenüberstellung: Google weist derzeit für die Domain freedomforlinks.de noch 742 Links aus. Obwohl der Verein seit Jahren keinerlei Aktivitäten mehr zeigt. Der Verein Abmahnwelle.de dagegen, der die von (ungerechtfertigten) Abmahnungen Betroffenen mit Rat und Tat unterstützt, wird gerade mal von 145 Seiten verlinkt. Undank scheint nun einmal der Welten Lohn.

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