07.06.2004

Reed Elsevier gestattet Online-Verwertung

Wissenschaftler dürfen zukünftig eine Online-Version ihrer Forschungsarbeiten veröffentlichen. Auch wenn diese von dem Wissenschaftsverlag zur Veröffentlichung angenommen wurden.

Im immer noch währenden Kampf der Wissenschaftsverlage gegen die "Unsitte" der Online-Publikationen machen sich erste Erschöpfungserscheinungen bemerkbar: Reed Elsevier, der Platzhirsch unter den Verlagen, gestattet es den Autoren gnädig, ihre eigenen Artikel im Internet zu veröffentlichen.

Auch das darf wohlgemerkt nur unter Auflagen geschehen: Nur eine Textversion ist gestattet und die darf nur auf der eigenen Homepage des Wissenschaftlers oder seiner Forschungseinrichtung veröffentlicht werden. Doch das ist mehr, als bislang möglich war. Texte, die zur Veröffentlichung in den Fachzeitschriften angenommen wurden, durften bisher keinesfalls über einen weiteren Distributionsweg verbreitet werden.

Das steht zwar eigentlich dem Gedanken des freien wissenschaftlichen Gedanken- und Erfahrungsaustauschs entgegen. Doch das Geschäft mit der wissenschaftlichen Literatur ist lohnend und darf keineswegs durch das Internet behindert werden.

Die offizielle Begründung für die Zurückhaltung gegenüber dem Open Source- beziehungsweise Open Content-Gedanken ist freilich eine andere: Die Fachzeitschriften treffen eine sorgfältige Auswahl des Materials und ihre Qualitätsansprüche fördern eben auch die Qualität der Wissenschaften. Dass "Wissenschaft" ein Milliardengeschäft ist, wird dagegen schamhaft verschwiegen.

Wenn Reed Elsevier nun den Autoren die eingeschränkte Freiheit der Zweitverwertung ihrer Inhalte gibt, mag das ein Hinweis darauf sein, dass "offene" Projekte wie die Public Library of Science" (PLoS) allmählich ihre Wirkung entfalten und zu alternativen Publikationskanälen werden.

Doch vielleicht ist die Begründung auch viel banaler. Vielleicht will der Verlag nur den Google Page Rank seiner Publikationen erhöhen. Denn als zusätzliche Forderung wird verlangt, dass die Text-Version des Autors einen Link auf die Homepage jener Publikation enthält, in der der Text gedruckt wurde. Bei 200.000 täglich im Reed Elsevier-Imperium erscheinenden Beiträgen ist das ein durchaus interessanter Aspekt.

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