10.08.2005

10. Planet 'ergoogelt'?

Als vor wenigen Tagen die Entdeckung eines "10. Planeten" bekannt wurde, war teilweise vom Erpressungsversuch eines Hackers die Rede. Die Wahrheit scheint etwas banaler und das betrifft auch den in Folge entstandenen Streit.

Noch ist dieser Streit zwar noch gar nicht richtig ausgebrochen. Doch es erscheint nach jetzigem Kenntnisstand wahrscheinlich, dass es früher oder später zum offenen Eklat kommen wird. Vor allem, weil bisher noch gar nicht klar ist, ob die allgemein diskutierte Entdeckung wirklich den Status eines "Planeten" erhalten wird.

Insgesamt scheint es derzeit mehrere Himmelskörper zu geben, die als "Planet" anerkannt werden könnten. Der von den Medien derzeit am häufigsten diskutierte Körper 2003 UB313 ist nur einer dieser Kandidaten. Seine Entdeckung wurde vor wenigen Tagen von Mike Brown vom California Institute of Technology (Caltech) bekannt gegeben. 2003 UB313 hat Brown bereits am 8. Januar entdeckt, doch diese Entdeckung eines Himmelskörpers, der "definitiv größer als Pluto ist", wurde von ihm zunächst geheimgehalten.

Doch nicht nur diese Entdeckung behielt er für sich. Auch über die Körper 2003 EL61 und 2005 FY9 informierte er die Fachwelt zunächst nicht. Sein Zuwarten führte allerdings dazu, dass ein spanisches Forscher-Team die Lorbeeren für 2003 EL61 einheimsen konnte. Dieses Team um José Luis Ortiz gab am 29. Juli seine Entdeckung bekannt. Wenige Stunden später folgte Brown mit der Bekanntgabe von 2003 UB313 und 2005 FY9.

Allerdings scheinen beide Ereignisse in einem gewissen Zusammenhang zu stehen. Brown hat seinen spanischen Kollegen zwar zu ihrer Entdeckung gratuliert und sein eigenes Warten als Fehler bezeichnet. Doch gleichzeitig scheint ihm dieses Ereignis klar gemacht zu haben, dass seine früheren Entdeckungen möglicherweise auch anderen Personen zugänglich waren.

Das kommt so: Als sein Teleskop 2003 EL61 am 6. Mai 2004 (2004/05/06) erstmals aufzeichnete, wies die Software dem Objekt das Kennzeichen K40506A zu. Diese Kennzeichnung erwähnt Brown auch im Abstract eines Vortrags, der erst im September erfolgen sollte. Mit diesem Abstract wollte er bei seinen Kollegen ein wenig Spannung erzeugen.

Was er aber nicht wusste: Die Log-Dateien seiner Software werden von Google gespidert und öffentlich gemacht. Und da sein Abstract wenige Tage vor der Entdeckung der Spanier im WWW veröffentlicht wurde, war es praktisch jedermann auf diesem Planeten möglich, mit Hilfe des Suchbegriffs "K40506A" auf seine Entdeckung zu stoßen, ihren Standort zu erfahren sowie die weitere Bewegung am Himmel zu berechnen.

Nun beeilt sich Brown zwar, seine spanischen Kollegen von jedem Verdacht zu befreien. Doch Kollegen hätten ihn auf diesen fragwürdigen Zufall aufmerksam gemacht. Als er dann noch einen Mitarbeiter des "Minor Planet Center" (MPC) kontaktierte und erfahren musste, dass auch eine seiner weiteren Entdeckungen aufgrund der Aktivitäten auf dem MPC-Server vermutlich nicht mehr länger geheim ist, wurde in aller Schnelle eine Pressekonferenz anberaumt.

Und nun scheint sich zwischen Ortiz und Brown ein mehr oder weniger wissenschaftlich motivierter Streit anzubahnen. Denn Brown behauptet zwar nicht, dass der Spanier seine Entdeckung insgeheim "ergoogelt" hat. Doch er trägt durchaus dazu bei, dass dies auch nicht ausgeschlossen werden kann.

Ortiz wiederum geht auf das Google-Gerücht zwar nicht allzu sehr ein. Doch er macht seinem Kollegen aus den USA unverblümt den Vorwurf, dass dieser sich unwissenschaftlich verhalten habe. Es sei mit den etablierten Regeln der Wissenschaft unvereinbar, eine solche Entdeckung zurückzuhalten. Wobei auch nicht versäumt wird darauf hinzuweisen, dass dem Amerikaner wesentlich mehr Mittel zur Verfügung stehen, und dass er in früheren Fällen die Veröffentlichung so lange hinausgezögert habe, bis "seine" Himmelskörper in Konjunktion zur Sonne stehen. Denn dann können andere diese Entdeckungen erst einmal nicht untersuchen.

Derweil spricht das Magazin InternetNews schon von einem neuen Forschungszweig: "Astronomie im Google-Stil". Das dürfte die Diskussion noch etwas mehr anheizen.



zum Seitenanfang