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11. Juni 2010
Twitter half weder dabei, die Proteste zu organisieren, noch sich vor Zugriffen der Basij-Milizen zu schützen, noch um die Kommunikation mit dem Ausland in bedeutsamem Ausmaß aufrecht zu erhalten. Doch so wie Esfandiari es darstellt, wollten das Teile der Presse gar nicht hören. Sie sei vor einem der Proteste im letzten Jahr beispielsweise von einer deutschen Journalistin nach drei prominenten Twitter-Konten befragt worden.
Die hinter den Konten stehenden Personen berichteten nach damaliger Vorstellung unmittelbar über die Geschehnisse in Teheran. Doch die deutsche Kollegin schien enttäuscht, als Esfandiari ihr mitteilte, dass einer der Autoren in den USA und der andere in der Türkei beheimatet ist. Der dritte Twitterer, der immer dazu auffordere, die Sache "auf die Straße zu tragen", lebe in der Schweiz. Und das waren keine Ausnahmen.
Trotz des immer wieder aufgenommenen Themas in der Presse habe sich niemand gefragt, wieso die Twitter-Berichte zur iranischen Wahl in erster Linie in englischer Sprache verfasst waren. Unklar blieb beispielsweise auch die Rolle des vom Guardian interviewten "Oxfordgirl", dem eine wichtige Rolle bei der Organisation der Proteste zugesprochen wurde - obwohl ihre Darstellung in der Zeitung einen logischen Knick enthielt: Sie konnte gar nicht wie von ihr beschrieben mit den Protestanten mobil kommunizieren, weil die Regierung den Mobilfunk in Teheran an Tagen des Protests komplett abgeschaltet hatte.
Doch Oxfordgirl erreichte 10.000 Follower, während ein von Esfandiari genannter echter Aktivist außerhalb des Stadtgebiets nur 300 Follower zählt. Obwohl dieser häufig wertvolle Informationen liefere - aber eben in persischer Sprache, was westliche Berichterstatter jedoch eher selten verstehen.
Dafür hat Twitter laut Esfandiari eine nicht unwesentliche Rolle bei der Verbreitung von Gerüchten und Unwahrheiten gespielt. Etwa die Berichte aus den ersten Tagen, wonach Polizeihubschrauber Säure und kochendes Wasser auf die Protestanten versprühen. Oder die Verhaftung von Saeedeh Pouraghayi, die auf dem Dach ihres Hauses "Allah Akbar" gerufen hatte und dafür vergewaltigt, entstellt und getötet wurde.
Die Geschichte von der Märtyrerin erwies sich später als unwahr, denn Pouraghayi selbst erklärte im staatlichen Fernsehen, dass sie in der fraglichen Nacht vom Balkon gesprungen war und gar nicht verhaftet werden konnte. Stattdessen sei sie einige Zeit untergetaucht. Was allerdings auch wieder zu der Behauptung führte, dass die Regierung diese Geschichte selbst aufgebracht hatte, um Zweifel an Berichten über Vergewaltigungen Inhaftierter zu erwecken.
Das Resümee der Journalistin Esfandiari lautet daher, dass die Rolle Twitters bei den Unruhen im Iran nichts mit einer "Twitter Revolution" zu tun hatte. Twitter und die Twitter-Autoren, die über die Ereignisse berichteten, haben fraglos schon eine Rolle gespielt. Doch das war nicht von einer derart übergeordneten Bedeutung, wie es damals dargestellt wurde.
Womit sich die Frage stellt, warum die US-Politik der Rolle Twitters so große Bedeutung beimaß. Wieso forderte beispielsweise US-Außenministerin Clinton Twitter dazu auf, anstehende Wartungsarbeiten zu verschieben, um die Kommunikation nicht zu behindern? Warum wollte ein Berater des früheren Präsidenten Bush Twitter gar für den Nobelpreis nominieren - was nebenbei gesagt eine sehr einfache Übung ist.
Wie es scheint, spielte sich die Twitter-Berichterstattung über den Iran hauptsächlich unter US-Anwendern ab, die nur wenige originäre Informationen aus Teheran erhielten. Doch diese Kommunikation beziehungsweise die Aufmerksamkeit für das Ereignis war den Politikern wohl auch sehr wichtig - so wie es für die Menschen im Iran wichtig war, dass man von ihren Anstrengungen hörte.
Die Rolle Twitters war also weniger spektakulär als dargestellt, aber auch nicht irrelevant. Eben so, wie Twitter auch in anderer Hinsicht einzuordnen ist.
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