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In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken

 

Wer geglaubt hat, das auf der "Deep Packet Inspection" beruhende Werbeverfahren Phorm sei gestorben, sieht sich getäuscht. Die British Telecom hat sich nach Protesten zwar von ihrem dubiosen Partner getrennt. Doch das in die USA umgezogene Unternehmen hat sein Verfahren angeblich etwas geändert und wirbt weiter bei Providern um Unterstützung. Zusätzlich hat mit Kindsight ein weiteres Unternehmen in diesem Bereich etabliert. Und das Interesse der Provider an solchen Dienstleistungen scheint nach wie vor groß.

Was wiederum verständlich ist, denn die Deep Packet Inspection wäre ein ideales Mittel, um den Anwender permanent zu überwachen, ihm jeden Wunsch von den Lippen abzulesen und sofort entsprechende Werbeinhalte vor die Nase zu halten. Googles Überwachungsmaßnahmen mag man sich im Verbund von Suche, Adwords, Adsense, Analytics und Perma-Login so dicht gestrickt vorstellen, wie man möchte, an die von Phorm und vormals Nebua geplanten Verfahren reicht diese Werbekontrolle nicht heran. Ein verlockendes Angebot für die Provider also. Sie gewähren Phorm oder Kindsight den Zugang zum Datenverkehr ihrer Kunden, injizieren die geeigneten Werbemittel in den Datenstrom und erhalten zum Ausgleich und über die Gebühren für die Internet-Nutzung hinaus eine Beteiligung an den Werbeeinnahmen.

Noch dazu steht es ihnen frei, dieses System zu optimieren, indem sie im Rahmen des Traffic Management nur solchen Datenverkehr zulassen, der werberelevant ist. Wodurch sich ganz elegant das Schnüffelverfahren legitimieren ließe, denn durch die Deep Packet Inspection ließe sich problemlos auch der unerwünschte Datenaustausch über P2P-Netze verhindern.

Das mag zynisch überspitzt klingen, doch die bisherige Phorm-Genese lässt solche Spekulationen zu. Ohne die Kunden zu informieren, wurde Phorm beispielsweise bei den Kunden der British Telecom zum Einsatz gebracht. Das britische Innenministerium wiederum stellte sich derart schützend vor das Unternehmen, dass man fast schon eine Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten vermuten konnte. Doch dann kam der Einspruch der Europäischen Gemeinschaft, nachdem Kundenproteste in Großbritannien schon ihr übriges getan hatten. Als dann auch noch der US-Kongress dem amerikanischen Phorm-Pendant Nebuad mit einer Untersuchung drohte und dieses Unternehmen lieber gleich aufgab, schien das Phorm-Ende besiegelt. Die British Telecom verzichtete auf die weitere Zusammenarbeit und alle weiteren interessierten Provider tauchten ab.

Doch jetzt taucht Phorm plötzlich auf und zieht mit Kindsight auch gleich noch einen neuen Konkurrenten im Schlepptau hinter sich her. Beide Unternehmen beteuern, ihr Verfahren verletze in der überarbeiteten Form den Datenschutz nicht. Man liest die Daten gewissermaßen nur oberflächlich, um eine grobe Einteilung in Zielgruppen vorzunehmen und es sei vorgesehen, vor dem Einsatz die Zustimmung der Verbraucher einzuholen.

Was man von diesem Versprechen soll, zeigt die weitere Angabe von Kindsight, dass das Verfahren bereits von sechs führenden Providern in den USA, Kanada und Europa bei Gruppen von jeweils bis zu 200.000 Kunden getestet werde, dass man dort lediglich auf die Darstellung von Werbung verzichte. Irgendwo in Europa wird also jetzt schon der Datenverkehr der Provider-Kunden überwacht. Sicher mit vollem Wissen und Einverständnis dieser Kunden. Wer hätte auch schon was dagegen?

Die Verbraucher offenbar nicht, glaubt man den Marktforschungsergebnissen, die Kindsight präsentiert. Laut diesen Ergebnissen würden 60% der Verbraucher das Verfahren akzeptieren, wenn es relevante Werbung liefert. 10% würden angeblich sogar dafür bezahlen. 

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