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29. November 2010
Das war er also, der seit Wochen herbeigeredete und von vielen befürchtete Termin der neuesten Wikileaks-Veröffentlichung. Gestern Abend, an einem schweizerischen Kiosk nahm das Event seinen Auftakt, weil dort ein Kiosk-Betreiber vom Spiegel-Embargo nichts wusste und eifrige Twitter-User erste Kopien der Print-Berichte vorzeitig online stellten. Vorab soll es aber auch schon zu versehentlichen Online-Veröffentlichungen des Spiegel gekommen sein.
Was nebenbei gesagt den Verantwortlichen des Verlagshauses in Hamburg vermutlich gar nicht ungelegen kam. Denn so war es möglich, auch den sonntäglichen Fernsehabend in Deutschland noch mit dem Thema "Wikileaks" und mit Kaufanreizen für den Montags-Spiegel zu füllen. Auch die anderen von Wikileaks bedachten Medien, die New York Times, der Guardian, Le Monde und El País haben inzwischen über ihre Einblicke in die Riesenmenge von "Cables" berichtet.
Allen anderen Internet-Nutzern bleibt ein Zugang zur Primärquelle dagegen noch verwehrt. Wikileaks will einerseits über die kommenden Wochen etappenweise Zugang gewähren. Andererseits wird für heute angekündigt, dass auch andere Medienvertreter sich um Zugang bemühen können. Dazu soll eine Anweisung veröffentlicht werden, wie man sich dem Großwesir der gestohlenen Daten zu nähern hat, um dieses Recht zu erhalten.
Was ansonsten bisher an die Öffentlichkeit gedrungen ist, lohnte die Aufregung kaum. Berlusconi mag Partys, Gaddafi mag blonde Ukrainerinnen, Merkel ist stur, aber berechenbar, Westerwelle dagegen hat wenig Tiefgang, was er mit Aggressivität ausgleicht. Stürzt die Welt jetzt ein? Bisher nicht.
Gut, bisher steht nur zu lesen, was die fünf "Gatekeeper" aus dem Fundus von ca. 250.000 "Telegrammen" heraus gesiebt haben. Wobei die Dokumente siebenmal umfangreicher sind (mehr Worte enthalten) als die 400.000 Irak-Dokumente von Wikileaks. Es gibt sicher auch einige sehr interessante Details, wie etwa ein Cable, wonach Chinas Regierung hinter den Angriffen auf Google steht. Außerdem soll sich den Telegrammen entlocken lassen, dass die US-Geheimdienste die Vereinten Nationen belauschen, dass die Türkei Al Quaida unterstützt hat, oder dass Iran Raketen aus Nordkorea besitzt. Aber, sind das nun Beweise, oder werden hier einfach nur Gerüchte bestätigt, die ohnehin schon kursieren? An die Beweiskraft der Dokumente will man nicht glauben, wenn man sich noch erinnert, mit welchen Beweisen die Notwendigkeit der Irak-Invasion untermauerten.
Eine andere Frage: Welche Konsequenzen wird es haben, wenn man nun aus den US-Telegrammen weiß, dass die US-Geheimdienste die UN-Diplomaten belauschen? Nun, vermutlich die gleichen Folgen, wie sie die Bekanntwerden der NSA-Abhöraktion beim UN-Sicherheitsrat (außer Großbritannien) vor Jahren hatte. Damals, im Jahr 2003 war unter anderem ein streng geheimes Dokument des Geheimdienstes NSA an die Öffentlichkeit gekommen und die Welt war entrüstet - aber nur für kurze Zeit. Irgendwie vermutet man wohl sowieso, dass am UN-Hauptquartier in New York wenig gesprochen wird, was der US-Regierung verborgen bleibt.
So wird es sich vermutlich auch bei allen anderen Informationen verhalten, die von Wikileaks verbreitet wurden oder noch werden. Womit sich aber die Frage aufdrängt, wie es um Wikileaks nun bestellt ist. Gegen Wikileaks-Sprecher Assange liegt weiterhin ein internationaler Haftbefehl vor, er dürfte daher abgetaucht sein. Die US-Cables sollen von Wikileaks wie gesagt in den kommenden Monaten in immer weiteren Happen veröffentlicht werden. Offenbar will man auf Zeit spielen. Was sich hinter der verschlüsselten Insurance-Datei verbirgt, zu deren Download Wikileaks beziehungsweise Assange am Wochenende aufriefen, ist weiterhin unbekannt. Wobei es nicht unwahrscheinlich ist, dass sich dahinter das bereits verschossene Wikileaks-Pulver verbirgt.
Wenn das so ist, stellt sich ernsthaft die Frage nach der weiteren Zukunft von Wikileaks. Das spektakuläre Material, das mutmaßlich der vor Gericht stehende Soldat Bradley Mannings liefern konnte, dürfte allmählich aufgebraucht sein. Die Frage ist nun, ob Wikileaks aus weiteren Quellen mit Informationen versorgt wird und seine Position als unerwünschtes Gucklock in die Welt der Geheiniskrämerei behalten kann, oder ob das Kapitel "Wiki-Leck" damit nun geschlossen ist.
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