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10. Dezember 2010
Wie in den letzten Wochen häufig, fällt auch jetzt im Zusammenhang mit dem "Openleaks" genannten Projekt der Name des Deutschen Daniel Domscheit-Berg. "Er und seine Mitstreiter – ehemalige Wikileaks-Aktive oder solche, die es eigentlich einmal werden wollten" stehen hinter dem Projekt. Ob es sich wirklich um Wikileaks-Abtrünnige handelt, ist dabei nicht zu überprüfen, denn nur Domscheit-Berg wird namentlich genannt.
Er war es auch, den Assange schon einiger Zeit für einen Monat suspendierte. Der Darstellung einer Journalistin, es habe sich um mehrere Personen gehandelt, widersprach Assange in einem CNN-Interview vor Wochen entschieden. Er forderte sie auf, die anderen Personen neben "Domscheit-Schmitt" zu nennen, ehe er das Interview endgültig abbrach, weil die Journalistin immer wieder auf das Thema der in Schweden angezeigten Sexualdelikte kommen wollte.
Um ein grundsätzlich anderes Modell der Enthüllungen soll es bei Openleaks allerdings nicht gehen. Sieht man davon ab, dass es bei Openleaks weniger "offen" zugeht, als es der Name verspricht. Denn bei der neuen Enthüllungs-Website werden die eingereichten Dokumente nicht jedem zur Verfügung gestellt. Vielmehr sollen die Whistleblower selbst bestimmen, welchem "Partner im Netzwerk" (Medium, Journalisten etc.) die Informationen zur Verfügung gestellt werden. Stoßen die Dokumente dort auf kein Interesse, können auch andere Partner Zugriff nehmen. Nur Dokumente, die wie das sprichwörtliche "sauer Bier" liegen bleiben und niemanden interessieren, gehen an alle.
Exklusiv-Partner wie Spiegel, Guardian und Co. soll es dort aber nicht geben. Wobei der Unterschied zwischen dem aktuellen Wikileaks und dem künftigen Openleaks gerade in diesem Punkt nicht ganz klar wird. Denn wenn der Enthüller das Medium bestimmt, handelt es sich doch wieder um eine exklusive Partnerschaft. Nur entscheidet hier eben nicht ein Herr Assange darüber, wer dieser exklusive Partner ist.
Womit wohl der eigentliche Hintergrund dieser neuen Leckstelle angesprochen ist: Es geht in erster Linie um die umstrittene Person des Wikileaks-Sprechers beziehungsweise -Gründers, wie er sich inzwischen auch schon selbst bezeichnet hat. Dessen angeblicher Machtanspruch, sein oft auch öffentlich gezeigter Mangel an Kritikfähigkeit, seine teilweise unverkennbar emotionalen Reaktionen, aber vermutlich auch seine Omnipräsenz in der Medienberichterstattung sind den (oder doch eher dem?) Ex-Wikileakianern ein Dorn im Auge. Was menschlich ist und damit mehr oder weniger verständlich.
Doch die Kritiker müssen sich auch Eines vor Augen halten: Assange war es, der Wikileaks zu der "großen Sache" gemacht hat, die sie jetzt ist. Es gibt Vieles an dem zu kritisieren, was er getan hat. Dazu zählt nicht zuletzt die Exklusiv-Partnerschaft mit den großen Medien, die sich nun als Gatekeeper betätigen und vermutlich auch nach wirtschaftlichen Kriterien auswählen, welche Informationen peu à peu mit jeder neuen Auflage an die Öffentlichkeit dringen.
Doch ohne diese und andere Entscheidungen wäre es möglicherweise gar nicht erst gelungen, etwa die Geheimnisse der US-Regierung in die Öffentlichkeit zu bringen. Mit den Exklusiv-Partnerschaften hat er fünf führende Publikationen zu Verbündeten gemacht, die das Wikileaks-Material nur zu gerne publik machen und damit auch die Rolle und Funktion von Wikileaks.
Um es ganz plump zu sagen: Wäre Wikileaks als Nischen-Website nur einigen Polit-Extremisten bekannt gewesen, dann hätte der Soldat Bradley Mannings die (vermutlich) von ihm entwendeten Irak-, Afghanistan und Cablegate-Dokumente für sich behalten, oder gar nicht erst an seinem Arbeitsplatz im Irak auf CD gebrannt. Hätte ein weniger bekanntes und mit weniger PR-Können ausgestattes Wikileaks die Dokumente dennoch erhalten, so wäre es den Feinden der Website leichter gefallen, diese Dokumente zu vernichten, die Enthüller kaltzustellen.
Das Alles sollte bedacht werden, wenn nun ein neues, besseres Openleaks mit einer neuen, besseren Gallionsfigur Domscheit-Berg an den Start geht und möglicherweise die Wikileaks-Unterstützung spaltet. Auch die Openleaks-Gründungswilligen sollten ihre Schritte gut überlegen. Wenn es zutrifft, dass in der Hauptsache die Person Assange das Problem darstellte, dann sollte es jetzt ja wieder möglich sein, zu Wikileaks zurückzukehren. Denn Assange als Stein des Anstoßes sitzt zur Zeit in Haft.
Ob er je wieder in Freiheit kommt, ist tatsächlich ungewiss. Doch seine Chancen auf einen fairen Prozess, bei dem nicht der US-Wunsch auf Auslieferung mit einem offensichtlich dubiosen Strafverfahren in Schweden verquickt werden, werden auch dadurch beeinflusst, wie viel Unterstützung Wikileaks weiterhin erfährt.
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