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24. Januar 2011
Der Tweet verlinkt ein fast zwei Wochen altes Posting eines Bloggers, der einen Beitrag der NY Times über den US-Gefreiten Bradley Manning kritisch unter die Lupe nimmt. Das Posting wirft der Zeitung unter anderem vor, den Fall Manning in den letzten Monaten vollständig ignoriert zu haben und Wikileaks beziehungsweise Assange mit den immer gleichen Stereotypen zu bedenken. Manning, der einen Großteil der von Wikileaks in den letzten Monaten veröffentlichten Daten als Soldat auf einer gebrannten CD "mitgehen" ließ, befindet sich seit letztem Juli in Isolierhaft.
Wie es in verschiedenen Berichten heißt, wird er mit unnötiger Härte behandelt und es wird vermutet, dass man ihn auf diesem Weg zu einer Aussage gegen Assange bringen will. Denn solange Assange nicht nachgewiesen werden kann, an dem Datendiebstahl beteiligt gewesen zu sein, kann gegen ihn kaum eine Anklage in den USA erhoben werden. Doch diese Vermutungen aus dem Wikileaks-Umfeld sind nicht der Tenor der Times-Berichterstattung.
Die Zeitung interviewte für den Bericht in erster Linie das US-Militär und erfährt von dort, dass Manning nicht schlechter behandelt wird als die anderen Insassen des Gefängnisses. Die Frage warum das Verfahren so lange Zeit in Anspruch nimmt, wird ebenfalls vom Militär beantwortet: Weil Computer-Straftaten immer lange Untersuchungen nach sich ziehen, weil Mannings geistige Gesundheit untersucht werden muss, weil die Sicherheit beachtet werden muss und weil die Verteidigung um einen Aufschub gebeten hat. Eine Behauptung, der Mannings Anwalt widerspricht, doch die NY Times geht dem nicht weiter nach.
Ob diese und ähnliche Beispiel der Berichterstattung genügen, um die Zeitung als irreparablen Fall eines Regierungs-Sprachrohrs abzustempeln, scheint fraglich. Im Zeitalter der bezahlten Spin Doctors müsste klar sein, dass man auch ohne objektiv nachweisbare Fehldarstellungen der Berichterstattung einen bestimmten Dreh geben kann. Ebenfalls klar sollte nach der Regierung von George W. Bush sein, dass US-Medien sich nationalen Zielen in einem Maß verbunden fühlen, dass es teilweise zu schweren Objektivitäts-Defiziten kommen kann. Unübersehbar wurde das im Fall der US-Berichterstattung vor dem Einmarsch in den Irak.
Doch das ist ein fester Teil der Medienrealität und man kann auch in anderen Ländern (z.B. Deutschland) ähnliche Probleme erkennen - sofern man das will. Problematisch ist allerdings - das macht die Sache erwähnenswert - wie feindselig Wikileaks der einzigen US-Zeitung gegenübersteht, die von den Enthüllern in der Vergangenheit mit Informationen bedacht wurde.
Wobei die NY Times von Wikileaks selbst keines der diplomatischen "Cables" des Cablegate-Lecks erhalten haben soll. Die US-Zeitung hat zwar auch die Daten, über die El País, Guardian, Le Monde und Spiegel exklusiv berichten dürfen. Doch die New York Times hat ihre Kopien vom Guardian erhalten - und nicht von Wikileaks. Dass auch keine andere US-Zeitung das Vertrauen der Enthüller genießt, sollte nachdenklich machen. Sei es, weil das Misstrauen gegenüber den Medien begründet ist, oder weil kein anderes US-Medium den Kontakt zu Wikileaks sucht.
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