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22. Februar 2011
Peter W. Galbraith, früher US-Diplomat, heute politischer Berater und Buchautor, beleuchtet die von Wikileaks veröffentlichten Cables der US-Dipolmatie aus einem anderen Blickwinkel. Man mag seine Darstellung als eine Art versteckte Entschuldigung für manche der unschönen "Enthüllungen" aus der Hand amerikanischer Diplomaten verstehen.
Doch seine Darstellung gibt die Wahrnehmung eines Diplomaten wieder, der die Cables nicht als Offenbarung, sondern als sorgfältig und hintergründig erstellte Botschaften versteht, deren Verfasser eine gewisse Erwartungshaltung bei den Empfängern voraussetzen. Galbraith hat während seiner Dienstzeit selbst solche Cables verfasst und er weiß, dass die Autoren in der diplomatischen Maschinerie duchaus auch ihre eigenen Agenden verfolgen. Vor allem muss es den Diplomaten darum gehen, dass ihre Botschaften nach Hause dort auch wirklich gelesen werden und nicht in einer Flut von tausenden anderer Cables untergehen.
Der Ex-Diplomat fasst diese in der Maschinerie gewonnene Erkenntnis in einer Art Kochrezept zusammen, deren Goldene Regeln beispielsweise lauten: "Sei aus strategischen Gründen fies!" Die "Clientities" - die Wahrnehmung, dass ein Botschafter sich mehr für die Wahrnehmung der Sachlage aus Warte des jeweiligen Gastlandes interessiert, als für die Wahrung der US-Interessen - kann sich fatal auf seinen Ruf auswirken. (...) Das einfachste Gegenmittel zur Vermeidung der Clientitis ist es, lokale Persönlichkeiten wie etwa Landespolitiker in den Cables mit unvorteilhaften Kommentaren zu bedenken. So, wie etwa die deutsche Kanzlerin in einem der Cables als "risiko-aversiv und selten kreativ" bezeichnet wurde.
Eine weitere von Galbraiths Regeln lautet "Ein Teelöffel 'ukrainische Krankenschwester' kann helfen". Exotische Details sind demnach immer ein Hilfsmittel, die Leserschaft bei Laune zu halten. Ein typisches Beispiel dafür ist nach Ansicht des Ex-Diplomaten das ansonsten wenig bedeutsame Cable, in dem die Vorliebe des lybischen Staatsführers Gaddafi für eine "üppige, ukrainische Krankenschwester" erwähnt wird.
Galbraith selbst will im Jahr 1993 ein Cable aus Sarajevo abgesetzt haben, in dem es um die Gefahr einer Cholera-Epidemie geht, nachdem die Serben die Gasversorgung der Stadt abgeschnitten hatten. Um mit dieser Nachricht durchzudringen, hat Galbraith das Cable mit einem Witz "gewürzt", der damals in der Stadt kursierte "Was ist der Unterschied zwischen Sarajevo und Auschwitz? In Auschwitz hatten sie wenigstens Gas". Der Autor meint, dieser schlechte Witz habe dazu beigetragen, dem Cable soviel Bedeutung zu verleihen, dass man es dem damaligen Präsidenten Clinton vorlegte. Der verlangte von den Serben ultimativ die Öffnung der Pipeline.
Eine der wichtigsten Regeln von Galbraiths "How to Write a Cable" ist aber ein Punkt, der die Pressevertreter besonders interessieren sollte. Die Regel lautet "Tu so, als seist du ein Auslandskorrespondent - in der guten alten Zeit". Was er damit meint ist kurz zusammengefasst, dass die diplomatischen Cables sich nicht an den gleichen Kritierien orientieren müssen, wie etwa Zeitungen.
Bei den Cables bestimmt kein diffuser, selbst wahrgenommener Nachrichtenwert oder gar die Verkaufszahlen des Blatts, über was berichtet werden soll: "Der gestürzte tunesische Präsident Zine el-Abidine Ben Ali und seine Familie erwiesen sich als Kleptokraten von Weltklasse, aber Leser der New York Times hätten das nicht gewusst und konsequenterweise auch nicht vorausgesehen, wie schnell die Ereignisse verlaufen, die zu seiner Entmachtung führen".
Hier hat Galbraith sicher recht, wenn er meint, dass die Nachrichtenwerte der Medien die Ignoranz der Leserschaft teilweise befördern. Recht hat er sicher auch damit, dass die in den Wikileaks-Cables gefundenen Informationen der US-Diplomaten die (zweite) Jasminrevolution Tunesiens unterstützten, weil die Berichte über das Fehlverhalten der eigenen Regierung dem Zorn der Bevölkerung Nahrung gaben.
Doch die andere Frage ist es, was diese von Galbraith empfohlene Korrespondentenrolle der US-Diplomaten bewirkte, als die Cables noch geheim gehalten werden konnten. Die US-Regierung - und nicht nur sie - war demnach ja schon lange bestens über die Missstände in Tunesien infomiert. Doch aus den Verlautbarungen der US-Regierungen ging ebensowenig wie aus den Berichten der New York Times hervor, dass diese Misstände existieren. Es ist auch nachträglich nicht zu erkennen, dass die Regierung der USA oder eines anderen Landes trotz aller Informationen die revolutionären Unruhen in Tunesien, Ägypten oder Libyen vorhergesehen hätten.
Kurz: Die US-Regierung mag von ihren Diplomaten bestens unterrichtet sein. Doch das Ergebnis ist dennoch eine Art kurzsichtige und hochgradig von Eigeninteresse geleitete Weltpolitik der Flickschusterei, die das globale SNAFU ("Situation normal, all fucked up") toleriert. Ob das wirklich das Wahre ist?
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