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In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken

 

Das Wired Magazine berichtet über eine kleine sozialwissenschaftliche Studie der TH Zürich, deren Ergebnisse aber in Zusammenhang mit dem Phänomen der "Wisdom of Crowd" (Wikipedia) gestellt werden.

Auf einen Satz eingedampft, ist es die Aussage der Studie, dass solche Schätzungen - hier objektiv messbarer Größen - durch eine Vielzahl von Menschen in der Summe zu schlechteren Ergebnissen führt, wenn diese Menschen Informationen über die Schätzungen der anderen erhalten.

Im Experiment wurden 144 Studenten aufgefordert, die Länge der schweizerischen Grenze zu Italien, die Bevölkerungsdichte der Schweiz und andere messbare Daten zu schätzen. Dies wurde über insgesamt fünf Runden wiederholt und die Probanden erhielten jeweils eine kleine finanzielle Belohnung, die mit der Genauigkeit ihrer Schätzung anstieg. Damit wurde ein individueller Lerneffekt unterstützt.

Die eigentliche Experimentalbedingung war es aber, dass eine Gruppe nach jeder Runde über die Entscheidungen der Gruppe informiert wurde, die andere dagegen nicht. Der Effekt dieser Informations-Rückkopplung auf die Ergebnisse war erstaunlich. Während die Gruppe ohne Informationen auch aufgrund der individuellen Lernleistung zu immer besseren Durchschnittsergebnissen bei den Schätzungen kam, lieferte die informierte Gruppe nach der letzten Runde die schlechteste Schätzung ab.

Die Wissenschaftler erkannten dabei drei verschiedene Effekte. Einen "sozialen Einfluss" sahen sie darin, dass in der informierten Gruppe die Meinungsvielfalt sank. Die abgegebenen Schätzungen unterschieden sich deutlich weniger, bildeten einen Tunnel. Ein zweiter Effekt wird als "Range Reduction" bezeichnet, womit gemeint ist, dass die individuellen Schätzungen zur Cluster-Bildung bei Werten am Rande des gesamten Spektrums führte. Ein dritter Effekt verstärkt die beiden zuvor beschriebenen Probleme und besteht in einem wachsenden Vertrauen der Probanden in die eigenen Schätzungen - auch wenn die Schätzungen tatsächlich nicht genauer wurden.

Eine kleine Studie wie gesagt, die man mit etlichen anderen Untersuchungen zur Gruppe, zur Meinungsildung oder auch zur Entstehung und Beeinflussung der öffentlichen Meinung vergleichen könnte. Wobei der Bezug zum Internet gerade bei dieser Studie nur durch den Bezug auf die dort gerne unterstellte "Weisheit der Vielen" hergestellt wird.

Doch es ist sicher richtig, dass solche Phänomene im Internet eine Rolle spielen können. Eine Beobachtung, die man beispielsweise häufig machen kann, ist die, dass Umfragen auf Websites mit polarisierender Ausrichtung in ihren Ergebnissen die dort vertretene Meinung widerspiegeln. Was verständlich ist, denn Menschen bevorzugen Informationen, die ihre eigene Meinung bestätigen. Also werden Websites, die eine bestimmte Meinung vertreten, auch in erster Linie von Personen besucht, die diese Meinung teilen.

Bei Umfragen auf diesen Websites kommt es dann zu dem vielleicht überraschenden Ergebnis, dass die Mehrheit der Befragten diese Meinung teilt, obwohl es sich vielleicht um eine extreme Position handelt. Nur ein Beispiel: Eine Umfrage zum Thema "Ist Gott existent?" würde auf einer Islamisten-Website erwartbar zu einem ganz anderen Ergebnis kommen als auf dem Blog Pharyngula (vgl. Archiv) und in beiden Fällen würden die Umfrageteilnehmer durch die Ergebnisse jeweils in ihren Meinungen bestärkt.

Doch das ist ein banales Ergebnis.

Interessanter wird es, wenn Gruppenmeinungen vorgetäuscht werden, um beispielsweise kommerzielle Entscheidungen zu beeinflussen. Und dieses Problem ist leider real und greifbar, wie jeder weiß, der schon einmal nach "Erfahrungsbericht +Produktname" bei Google gesucht hat. Nur zu oft handelt es sich bei diesen angeblich authentischen Berichten um die Machwerke bezahlter Schreiber, von Händlern oder im Fall von Büchern von Autoren.

Aber die Wirkungen bei den Nutzern ähneln möglicherweise jenen der schweizerischen Studie. Was insbesondere die Überzeugung der Nutzer betreffen dürfte, nach einer Durchsicht der Erfahrungsberichte die objektiv richtige Entscheidung getroffen zu haben.

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