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24. August 2011
Der Vergleich mag ein wenig derb klingen, doch er drängt sich bei der aktuellen Presseschau auf - und lädt zum Mitmachen ein.
Jüngster Höhepunkt der Google+-Berichterstattung: Das Konto der Sex-Autorin Blue Violet (Wikipedia) wurde am vergangenen Wochenende suspendiert, weil vermutlich ein namenloser und schlecht informierter Niemand bei Google den Verdacht entwickelt hatte, es könne sich dabei um ein waschechtes Pseudonym oder gar um einen Spitznamen handeln. Frau Violet wurde aufgefordert, innert drei Tagen ihre Identität zu belegen, oder ihr Konto dauerhaft zu verlieren. Nun besuchte die Dame aber am Samstag zum ersten Mal in der Woche ihr Google-Konto und die laufende Frist hatte bereits am Vortag begonnen. Ihre nun von etlichen US-Medien kolportierte Leidensgeschichte dauerte bis zum Montag, als sie ihr Konto wieder besuchen konnte und neben ihrem Namen ein Verifizierungs-Märkchen vorfand. Stunden später erhielt sie von einem Google Mitarbeiter "Michael", Nachname Nichtnötig, eine Art Entschuldigung für eventuell erlittene Unanehmlichkeiten. Weiterer Schaden entstand nicht.
Das Ganze ist aus Sicht der gefeierten Autorin verständlicherweise ein riesiges Ärgernis, das nach Veröffentlichung schreit. Schließlich hat sie bereits zweimal im Auftrag Googles Vorträge gehalten, es gibt einen umfangreichen Wikipedia-Artikel über sie, der auch ihren Namensstreit mit einem Porno-Star erwähnt und überhaupt ist sie im US-Sektor des Internet so bekannt, wie es ein violett-blau-bunter Hund nur sein kann.
Doch ihr Frust über das entzogene Konto - das sie nicht wirklich braucht und auch nicht wirklich gut findet - perlt an Google ab, wie jede andere Negativ-Kritik es bei dem Unternehmen zu tun pflegt. Tatsächlich reagiert man bei Google auf Kritik selten anders als mit logisch klingenden Erklärungen, die zeigen sollen, dass man sich an die selbst erstellten Regeln hält.
Ein einziges Mal nur zeigte Google bisher, dass Logik nicht alles ist, was den Motor der Suchmaschine antreibt. Damals im Jahr 2005 hatte eine CNet-Journalistin zeigen wollen, was man bei der Suchmaschine alles finden kann und ergooglete vielfältige Informationen über den damaligen Firmenchef Eric Schmidt. Eine Missachtung der Privatsphäre Schmidts, die sonst unbekannte Emotionen freisetzte, weshalb man über CNet eine monatelang eingehaltene Informationssperre verhängte.
Derart emotional reagiert man im Fall Violet Blue nicht. Hier scheint man die von Microsoft adaptierte Politik anzuwenden, das Kritiker-Geschmeiss so weit es geht zu ignorieren. Und wenn man reagiert, dann nur, um der Uninfomiertheit der Medien entgegen zu wirken. Wobei man in solchen Fällen oft nicht weiß, ob Google und die Mitarbeiter des Unternehmens die Wahrheit vielleicht ein wenig verbiegen.
Ein Beispiel gefällig? Seit dem Beginn der Kritik an Googles Echtnamen-Politik wurde immer wieder von Anwendern behauptet, dass mit der Suspendierung des Google+-Kontos auch andere Google-Dienste wie namentlich Google Mail oder Google Docs nicht mehr nutzbar seien. Die Guardian-Autorin GrrlScientist beschreibt das beispielsweise in einem von der britischen Zeitung veröffentlichten Text und auch in einem Kommentar dort wird das bestätigt.
Doch eine Produkt-Managerin von Google+ erklärt im CNet-Interview, dass eine Suspendierung des Google-Mail-Kontos in keiner Beziehung zur Suspendierung des Sozialkontos steht. Ein Widerspruch zwischen beiden Darstellungen, der letztendlich nicht geklärt wird.
Ungeklärt bleibt auch die eigentlich wichtigste Frage. Vielleicht, weil sie so selten beziehungsweise nie gestellt wird: Warum eigentlich müssen die Benutzer von Google+ ihren wahren Namen angeben, wenn sie eine virtuelle Online-Plaudergruppe mit ihren Freunden via Google+ bilden wollen? Google+ ist kein Shop und kein kommerzieller Service, es ist also nicht nötig, beispielsweise Zahlungsinformationen oder die zustellfähige Adresse für Mahnungen zu verfizieren.
Der Vergleich mit China, wo seit zwei Jahren zunehmend die Angabe des wahren Namens bei der Internet-Nutzung verlangt wird, ist ein billig und irreführend. Im demokratischen Südkorea wird auch auf vielen News-Websites die Nennung der wahren Identität verlangt. Und Google ist auch nicht so undemokratisch wie die chinesische Regierung. Was nicht heißen soll, dass das Unternehmen demokratisch oder liberal ausgerichtet ist. Man widersetzt sich zwar bisweilen Aufforderungen, Namen oder andere Informationen an Ermittler oder Kläger einfach so herauszugeben. Doch das geschieht nicht, um die Anwender zu schützen. Es geht eher darum, Unbefugten keinen Zugang zu gewähren.
Wenn überhaupt, dann ist Googles Philosophie die einer unpolitischen, sich zum Zweck der Gewinnerzielung in erster Linie an Logik und Fakten ausrichtenden Organisation. Die Erklärung, warum Google auf der namentlichen Identifizierung besteht, kann vermutlich auch nur vor diesem Hintergrund gefunden werden.
Eine mögliche Erklärung könnte es beispielsweise sein, dass man Komplikationen bei der Nutzung verschiedener Namen für verschiedene Konten einer Person vermeiden möchte. Erst recht, da ein einheitliches Login für alle Konten vorgesehen ist. Wer als "John Miller" seine Rechnungen mit Google Checkout bezahlt, soll sich nicht als "Purple Green" über sein Privatleben und seine eventuellen kommerziellen Interessen unterhalten. Das könnte die Funktionsweise von Googles komplexer Service- und Werbe-Maschine aus dem Ruder werfen.
Überhaupt wird jeder Bürokrat bestätigen, dass das Anlegen von Personalakten erschwert wird, wenn man zweideutige Angaben zum Namen einer Person hat. Sicher gibt es auch technische Möglichkeiten, diese Probleme zu meistern. Doch der einfachste Weg ist es, die Benutzung des wahren Namens durch einen Basta-Entscheid zu verlangen.
Dumm ist nur, dass Basta-Entscheidungen oft das Renitenz-Potential des Werbeempfängers Mensch zum Vorschein bringen. Wobei auch hier die Zahlen entscheiden werden: Wenn die Statistiken ergeben, dass die Kosten des Basta-Entscheids höher sind als sein Nutzen, wird man die Forderung nach Echtnamen aufgeben. "Wir haben verstanden" wird es dann heißen, denn Bedauern ist nicht logisch.
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