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08. November 2011
Die Spracherkennungs-Software Siri ist die herausragende Neuerung des iPhone 4s, das steht jetzt schon fraglos fest. Doch Journalisten begnügen sich nur selten mit Neuerungen alleine. Wenn etwas Neues auf den Markt kommt, dann muss der Logik der Massenmedien folgend zur gleichen Zeit etwas anderes sterben. Und als bevorzugtes Opfer der Siri-Geburt scheint sich für die Pressevertreter die Suchmaschine Googles anzubieten, die Haupteinnahmequelle von Apples größtem Rivalen also.
Ein besonders schönes Beispiel für diese These hat der Ingenieur Nigam Arora in einem Posting für das Forbes-Magazin geliefert, wo er über die Ergebnisse einer eigenen Mini-Studie berichtet. Diese Studie will Arora selbst nicht überbewerten, weil sie eine viel zu kleine Stichprobe von nur 40 Siri-Benutzern berücksichtigt und keiner wissenschaftlichen Methodik folgt. Aroras Ansatz ist damit aus wissenschaftlicher Sicht bestenfalls explorativ - aber trotzdem überzeugend.
Der Grund: Die Probanden lassen in ihren Antworten erkennen, dass Apples Spracherkennung für sie die Nutzung von Googles Weboberfläche ersetzen kann und dies oftmals auch tut. In der Stichprobe des Autors benutzten 27 der 40 Teilnehmer die Suchmaschine Googles auf dem iPhone 4s überhaupt nicht und der verbleibende Rest gab an, Google im Durchschnitt nur zweimal genutzt zu haben. "Vor Siri" sollen es im Durchschnitt (nach Selbsteinschätzung der Teilnehmer) zehn Suchen im gleichen Zeitraum gewesen sein.
Das scheint für viele ein überzeugendes Ergebnis, um Googes nahen Tod leichter herbeireden zu können. Doch Siri alleine ist noch nicht Googles Untergang. Wenn überhaupt, dann ist Siri ein Menetekel für Googles Ende, aber damit steht Apples Spracherkennung nicht alleine. Googles Tod kann durch Siri schon alleine deshalb nicht erfolgen, weil die Spracherkennung in dieser Qualität für die überschaubare Zukunft ein Ausnahmefall bleiben wird.
Die sprecherunabhängige Spracherkennung Siris ist nicht nur wegen der Qualität bei der Erkennung bemerkenswert, sondern (vielleicht sogar in erster Linie) wegen des "Charakters", den die Software erkennen lässt. Die Antworten Siris sind nicht nur sachlich richtig, sondern sie treffen oftmals den Nerv des Benutzers, weil sie schlichtweg "human" erscheinen.
Dieser Effekt wird sich - nebenbei prognostiziert - in den kommenden Monaten vermutlich sogar noch steigern. Denn das iPhone liefert nicht nur die Siri-Fragen des Benutzers an die Datenzentren Apples, sondern auch die Reaktionen des Benutzers auf Siris Antworten. Man möchte fast wetten, dass Reaktionen wie "cool!" umgehend zu einer weiteren Analyse des Kommunikationsvorgangs führen.
Diese soziale Komponente ist extrem wichtig, denn sie macht die Benutzung von Siri zum Spaß. Und ja, wer Siri gerne benutzt, wird Siri auch gerne Fragen stellen, die sonst Google beantworten würde. Doch Apple-Fanboys werden ebenfalls gerne bestätigen, dass Apple-Technologien häufig kopiert aber selten in Apples Qualität erreicht werden.
Diese Einschätzung betrifft inbesondere Google Android als Apples Hauptkonkurrent. Es wird zwar nicht lange dauern, biss Android eine ähnliche Spracherkennung enthalten oder unterstützen wird. Doch mit Siri wird sich das zunächst nicht vergleichen lassen. Bei Microsoft als weiterem Apple-Konkurrenten wiederum hat man zwar wesentlich mehr Erfahrungen mit Spracherkennungs-Software gesammelt. Doch bei Microsoft muss man befürchten, dass aus einer Siri-Kopie eine besserwisserische Büroklammer wird.
Siri wird also in absehbarer Zukunft nur auf einem Teil der aktiven iPhones benutzt werden können und bleibt damit vom Marktanteil her eine Randerscheinung. Dennoch muss man bei Google von Siri beunruhigt sein. Nicht nur, weil dieser Marktanteil den besonders begehrten mobilen Markt betrifft.
Ein weit allgemeines Problem ist es, dass Siri wie etliche andere Mensch-Maschine-Schnittstellen die Nutzeroberfläche Googles im Web überflüssig macht. Und damit Google die Möglichkeit genommen wird, Werbung einzublenden. Oder, wie es im Fall von Siri ebenfalls schon geschieht, wird dem Benutzer die Möglichkeit genommen, sich bei der Suche für Google zu entscheiden.
Siri fragt nicht, ob etwas "bei Google" gesucht werden soll. Siri will "im Internet" suchen und vermeidet dabei Google auffällig. Googles enorm großer Index, die verzwickten Algorithmen der Suche sowie das im Laufe der Jahre in zahllosen Experimenten auf Hochglanz polierte User Interface werden durch Phänome wie Siri überflüssig gemacht. Was eben nicht nur diese konkrete Form der Spracherkennung betrifft, sondern zahllose andere Entwicklungen der Zukunft auch.
Sei es die um Online-Schnittstellen für Orts- und Geschäftsinformationen erweiterte Navigation in Fahrzeugen, oder sei es die Vernetzung von Wissen bei Lesegeräten wie dem Kindle. Google wird in beiden Beispielen nicht wirklich benötigt. Tankstellen- und Geschäftsempfehlungen des Navis können auch von Empfehldiensten geliefert werden. Für Links zu Wikipedia-Artikeln aus Kindle-Büchern wird Google ebenfalls nicht gebraucht.
Die Suchmaschine mit den bunten Buchstaben, deren Werbeanzeigen sehr den Suchergebnissen ähneln, ist heute schon ein Relikt aus den Anfangszeiten des Internet. Zu Zeiten, als die Euphorie der Internet-Nutzer noch an jene der Kurzwellenfunker erinnerte und ein "Desktop" nötig war, um "das Web" zu erkunden, waren solche Oberflächen unverzichtbar. Doch das ist Geschichte. In Zukunft werden Menschen das Internet benutzen, ohne dass ihnen diese Anfänge noch gewärtig sein müssen.
Siri ist ein gutes Beispiel dafür, denn bei dieser Software stellen die Menschen ihre Frage an eine soziale, künstliche Intelligenz. Wer die Fragen im Hintergrund beantwortet, wird diesen Benutzern gleich sein, solange die Antworten halbwegs relevant bleiben.
Das Konzept, den Benutzern zusammen mit den Antworten eine Werbebotschaft vor die Nase zu halten, ist bei dieser Form der Interaktion aber nur noch schwer möglich. Siri liest keine als Werbung gekennzeichnete Blöcke vor. Wenn schon, wird Siri bei der Ausgabe der "Suchergebnisse" bezahlte Verzeichniseinträge bevorzugen oder sogar das Product Placement unterstützen ("...möchtest Du an der Tankstelle vielleicht ein Coca Cola trinken?").
Doch die kontextspezifische Werbung Googles wird durch Siri und Co. mittelfristig ebenso überflüssig gemacht, wie Google einst die überwuchernde Banner-Werbung kastriert hat. Banner-Werbung gibt es noch heute. Vor allem, seitdem Google selbst solche Banner verkauft. Doch das ist Resteverwertung. Die Zukunft ist eine neue Form von Werbung, die von Siri und anderen Innovationen noch geformt werden muss. Ist diese neue Werbung ist da, dann ist Googles Kontext-Werbung Geschichte. Vorher nicht.
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