Wellness Südtirol
In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken
14. November 2011
In dieser Woche soll es endlich soweit sein: Google hat für Mittwoch zu einem Medien-Event geladen und die US-Presse geht davon aus, dass es bei diesem Ereignis um den lange erwarteten Start von Google Music geht. Doch die Euphorie hält sich im Vorfeld in Grenzen. Vor allem, weil erwartet wird, dass Google nur mit Universal Music als Partner an den Start gehen wird.
Die Teilnahme möglichst aller vier großen Labels an Musik-Projekten wird von der Presse oft als extrem wichtig eingestuft. Eine nachvollziehbare Annahme, denn die vier Labels kontrollieren den weitaus größten Teil der verfügbaren Musiktitel. Die Teilnahme aller Labels bedeutet daher, dass die Nutzer beziehungsweise Kunden sich praktisch jeden Musikwunsch erfüllen können.
Doch eines der Labels, das britische EMI, steht derzeit möglicherweise vor dem Verkauf an Universal Music, weshalb sich keine klare Aussage bezüglich der Teilnahme an Google Music treffen lässt. Mit den verbleibenden Labels von Sony und Warner wiederum scheint es Google laut CNet bisher nicht gelungen, Lizenzverträge auszuhandeln. Ist Google Music damit nur auf das Musikangebot von Universal (und vielleicht auch EMI) beschränkt?.Droht deswegen möglicherweise das Aus des Dienstes, noch bevor er an den Start gegangen ist?
Vermutlich nicht, denn sonst hätte Larry Page das Projekt im Rahmen des Herbst-Frühjahrsputzes leicht einstellen können. Wenn es Google nun aber genügt, das Musikprojekt mit nur einem Label als Partner zu starten, dann kann das auch einfach daran liegen, dass man diese Partnerschaften nicht für unbedingt nötig hält.
Hinweise, dass dem so sein kann, lieferten schon im vergangenen Monat diverse Presseberichte. Dort hieß es, dass Google+ das kommende Musikangebot ergänzen wird, und dass die Nutzer von Google+ Musikempfehlungen austauschen können. Nun liegt der Gedanke nahe, dass damit folgender Zusammenhang gemeint ist: Die Anwender von Google Music können eigene MP3-Stücke in einem Online-Schließfach ("Locker") deponieren und ihre "Empfehlungen" an die Freunde könnten darin bestehen, diese Musik als MP3-Download oder als Stream zu übertragen.
Die rechtliche Situation wäre für Google in diesem Fall unkritisch, denn auf eine Verletzung von Rechten müsste das Unternehmen jeweils im konkreten Fall aufmerksam gemacht werden. Für die Labels wäre das zwar ein klarer Fall der "Beihilfe zur Piraterie", doch das könnte Google gelassen wegstecken. So, wie man sich zu Zeit auch in anderem Zusammenhang der rechtlichen Situation voll bewusst zeigt. Ganz aktuell verweigert Google dem Interessen-Verband der US-Musikindustrie (RIAA) die Entfernung einer "Piraten-Software" ("MP3 Music Download Pro") aus dem Android Store.Warum sollte Google auch den Zensor spielen, wenn der Urheber der Software für mögliche Missbrauchsfälle verantwortlich ist?
Es würde sich überhaupt in Googles bisherige Linie fügen, wenn das Unternehmen den gesetzlichen Rahmen so weit auslegt, dass der Musikindustrie ein weiteres Ignorieren der Realität unmöglich gemacht wird.
Diese Ignoranz beinhaltet unter anderem die Vorstellung, Firmen wie Google vom Musikhandel ausschließen zu können. Denn es war unmissverständlich, dass Google Music keine Lizenzrechte erhält, weil der Dienst einen nicht lizenzierten "Locker Service" (Cloud Hosting) enthalten soll. Dass solche Dienste gar keine Lizenz benötigen, wurde inzwischen sogar gerichtlich festgestellt.
Ganz allgemein werden die Musik-Bosse damit rechnen müssen, dass der Indiviual-Handel mit Musik ein Auslaufmodell ist. Den Musik-Abos und vergleichbaren Diensten wie etwa Spotify oder Pandora gehört absehbar die Zukunft. Sich in dieser Situation dem Handel mit einem führenden Internet-Unternehmen wie Google zu verschließen, kann nur als Selbstüberschätzung bezeichnet werden. Vielleicht hilft der Start von Google Music dabei, diesen Wahrnehmungsdefekt zu korrigieren.
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