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Facebooks "Data Team" hat gestern in einem Posting auf ein Ergebnis der eigenen Forschung hingewiesen und dieses Ergebnis scheint die Medienwelt zu begeistern. Kein Wunder, denn die Welt rückt demnach durch das soziale Netzwerke zusammen, die Welt wird noch kleiner als sie es schon ist.

Das Data Team hat herausgefunden, dass sich bei Facebook zwei beliebige Personen durch eine noch kürzere Kette von Bekanntschaftsbeziehungen verbinden lassen als es der Sozialwissenschaftler Stanley Milgram mit seinem "small World Phenomenon" (Wikipedia) belegen wollte.

Während Milgram in seinen Experimenten eine durchschnittliche Pfadlänge von sechs Kontakten ermittelte, waren es bei Facebook im Jahr 2008 5,2 "Hops" und aktuell sind es sogar nur noch 4,7 Kontakte. Eine Entwicklung, die eigentlich zu der Annahme führen könnte, dass man bei einem weiteren Wachstum Facebooks bald jede Person auf diesem Planeten direkt kennt. Doch leider (oder zum Glück) ist das nicht so.

Die Welt wird durch Facebook und Co. nicht kleiner, zumindest wird das durch die Zahlen des Data Teams nicht belegt. Die Zahlenkünstler des Unternehmens haben zunächst einmal vergessen, dass für das oft als "Six Degrees of Separation" (Wikipedia) bezeichnete Modell eine Grundvoraussetzung gilt: Die Personen, für deren Bekanntschaftsbeziehungen man diese Aussage trifft, müssen zufällig ausgewählt sein.

Alle Personen, deren Kontakte in der Facebook-Studie berücksichtigt wurden, waren aber Facebook-Mitglieder. Was bedeutet, dass sie die Nutzer eines Dienstes sind, dessen Geschäftszweck darauf gründet, soziale Beziehungen abzubilden, beziehungsweise die Entstehung sozialer Beziehungen zu fördern. Das Data Team beweist also, dass Facebook die für Werbeeinnahmen notwendige Grundaufgabe erfüllt. Man ist begeistert.

Ein anderes bedeutendes Problem der Studie besteht darin, dass "Bekanntschaft" bei Milgrams Experimenten etwas anderes meinte als ein "Freund" bei Facebook zu sein. Bei Milgram waren damit soziale Kontakte gemeint, Menschen, "die sich mit dem Vornamen ansprachen". Bei Facebook dagegen werden "Friendships" zugrunde gelegt, was alles mögliche bedeuten kann.

Die 721 Millionen aktiven Facebook-Nutzer sind lauf Facebook durch 69 Milliarden Freundschaftsbeziehungen verbunden. Das Posting des Data Team lässt sich dagegen darüber aus, dass die Facebook-Mitglieder im Median über 100 Freundschaften verfügen - das heißt, 50% der Facebook-Nutzer haben mehr als 100 Freunde. Das arithmetische Mittel dagegen beträgt (laut Data Team) aufgrund der Schiefe der Verteilung 190. Was bedeutet, dass ein Teil der Facebook-Nutzer extrem viele Freunde haben muss.

Nun könnte man hier zusätzlich einwenden, dass 69 Milliarden Freundschaften geteilt durch 721 Millionen Nutzer einen Durchschnittswert von 95,7 ergibt, und dass die Studie offenbar andere Zahlen als die im Posting angegebenen verwendet, doch das wäre kleinlich.

Auch so schon dürfte es jedem klar sein, dass "Freundschaft" bei Facebook eine sehr euphemistische Bezeichnung sein kann. Wie viele Freundschaften bei Facebook es wohl gibt, bei denen sich die Freunde noch nicht einmal vage kennen? Das Data Team zeigt selbst, dass einige der Facebook-Nutzer 5.000 und mehr Freunde haben. Was womöglich bedeutet, dass in die Studie nicht nur die Daten von Menschen, sondern auch beispielsweise die Firmenauftritte Eingang gefunden haben.

Womit es sich zusammenfassend erübrigt, sich noch weitere Gedanken zu dieser Studie zu machen. Wer möchte, kann das Ergebnis so interpretieren, dass die Welt durch Facebook ein bisschen kleiner und vielleicht sogar ein bisschen besser wird. Wer möchte, darf sich jetzt auch mit einem beliebigen Dungan in der kasachischen Steppe näher verbunden fühlen, schließlich ist das ein nettes Völkchen.

Doch die Facebook-Ergebnisse sind unter den genannten Bedingungen nichts anderes als ein Artefakt. Unter Freunden darf man die Studie sogar als "Bullshit" bezeichnen. Es kommt darauf an, wie nahe man sich steht.



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