Wellness Südtirol
In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken
26. Januar 2012
Posted in Internet News
Das Wall Street Journal serviert ein halbes Jahr nach Abschluss einer für Google sehr teuren Schlichtungsvereinbarungen einige schmackhafte Details zu diesem Fall. Im August vergangenen Jahres willigte Google in die Zahlung von 500 Millionen Dollar an die US-Staatskasse ein, um so ein gerichtliches Verfahren zu vermeiden. Der Suchmaschine war im Rahmen einer verdeckten Ermittlung nachgewiesen worden, dass rechtswidrige Werbeaufträge für pharmazeutische Produkte angenommen worden waren. Obwohl Google auf seine Richtlinien und Kontrollen verweisen konnte, die das unmöglich machen sollten.
Der aktuelle Beitrag des Finanzblatts beschreibt nun in der Hauptsache die Aktivitäten eines vorbestraften Betrügers, der damals von den staatlichen Ermittlern eingesetzt wurde, um Google einen Rechtsbruch nachzuweisen. Der Mann hatte nach einer bereits ausgiebig kriminellen Vita im Jahr 2006 in Mexiko ein Online-Unternehmen gegründet und von dort aus Steroide und Wachstumshormone in die USA verkauft. Dabei sammelte er erste Erfahrungen mit Googles Werbesystem.
Als er dann im Jahr 2008 wegen früherer Straftaten verhaftet und an die USA ausgeliefert wurde, erzählte er den Ermittlern von seinen Erfahrungen mit Google. Die Beamten schenkten seinen Angaben Glauben, richteten eine Task Force ein und instruierten den Informanten, als Lockvogel bei den Ermittlungen gegen Google zu dienen.Ihm wurde offenbar ein Strafnachlass in Aussicht gestellt.
Eine für diesen Zweck eingerichtete Website (SportsDrugs.net) wurde so gestaltet, als habe "ein mexikanischer Drogenbaron" eine Online-Apotheke aufgebaut. Den Geschäftspartnern bei Google sollte unmissverständlich klar gemacht werden, dass es um illegalen Handel geht. Doch die von dem Strohmann bei Adwords angemeldeten Werbeaufträge wurden abgelehnt. Erst als der Spitzel einen Weg fand, das Online-Bestellsystem zu umgehen und einen direkten Kontakt zu einem Verkäufer bei Google fand, funktionierte die Falle wie gewünscht.
Die "Ad Executives" der Suchmaschine erklärten demnach ihrem Kunden, was er zu tun hat, um die Werbeaufträge zu platzieren. So mussten etwa die direkten Links in den Anzeigen zum Kauf der Pharmazeutika durch ein Formular ersetzt werden. Derart umgebaut passierten die Anzeigen das System. Es wurden dann ständig neue Anzeigen geschaltet und die Ermittler testeten, wie weit sie gehen konnten. Es wurden beispielsweise rezeptpflichtige Medikamente zur Gewichtsreduktion frei angeboten. Auch die "Abtreibungspille" (RU-486; korrigiert, s. Kommentar) wurde ins "Sortiment" aufgenommen. Obwohl diese in den USA (wenn überhaupt) nur abgegeben werden darf, wenn die Einnahme noch beim Arzt erfolgt.
Nachdem die Ermittler etwa 200.000 Dollar an Werbegeldern ausgegeben hatten, folgte im Sommer 2009 der Besuch im Googleplex, wo die Ermittler auf Grundlage gerichtlicher Verfügungen Mails und Dokumente im Umfang von 4 Millionen gedruckten Seiten einforderten.
Soweit die Darstellung des Wall Street Journal. Eine sehr detaillierte und sicher nicht unspannende Erzählung aus Sicht der Ermittlungen. Doch die Botschaft des Beitrags ist es, dass Googles Werbesystem nicht wie behauptet immun gegen die rechtswidrige Nutzung ist. Das wird man bei einem Unternehmen von der Größe Googles auch nie ausschließen können.
Doch die Kritik des Wall Street Journal geht weiter. Das Blatt wiederholt Vorwürfe, die es auch schon im vorigen Jahr äußerte. Es gibt demnach den begründeten Verdacht, dass der oberste Führung des Unternehmens und insbesondere dem heutigen Firmenchef Larry Page rechtliche Probleme mit den Pharma-Anzeigen mitgeteilt worden sind. Belege hierfür hat das Wall Street Journal allerdings keine.
Womit sich Zeitung selbst für US-Verhältnisse sehr weit aus dem Fenster lehnt. Denn es wird zusätzlich angedeutet, Google habe die Strafe nur akzeptiert, um die in den Mails versteckten Hinweise auf eine Mitwisserschaft der Unternehmensleitung zu vermeiden. Das ist schon starker Tobak, zugegeben.
Vor allem, weil es außer den vielleicht illustrativen aber ansonsten unwesentlichen Angaben zu den Ermittlungsarbeiten keinen Grund gibt, diesen Vorwurf zu wiederholen. Es sei denn, man wollte das Thema "einfach mal warmhalten".
So etwas kann schon einmal passieren, wenn der Verleger einer Zeitung Rupert Murdoch heißt und wenn ein Unternehmen wie Google es gerade gewagt hat, die politischen Ziele dieses Verlegers durch eine gut sichtbare Protestaktion zu behindern. Von Googles Teilnahme an den Anti-SOPA-Protesten war Murdoch jedenfalls nicht begeistert - er bezeichnete Google öffentlich als "Piraten-Führer".
Und jetzt stellt seine vielleicht bedeutendste Zeitung Google als unmoralisches Werbeunternehmen dar, das neben verbotener Werbung für Medikamente vielleicht auch Werbeaufträge von Piraten und Online-Betrügern annimmt. Es gibt schon Zufälle...
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