RäucherstäbchenRäucherstäbchen bei indilaya.de

Indische und tibetische Räucherstäbchen, Räucherkegel, Dhoop Sticks, Räucherwerk, Zubehör und vieles mehr...

 

Die New York Times hat am vergangenen Wochenende unter dem Titel "The iEconomy" eine neue Serie (Teil 1Teil 2) von Artikeln begonnen, die sich mit den Folgen der Globalisierung speziell in der High Tech-Industrie beschäftigen. Fast schon zwangsläufig steht dabei Apple als inzwischen bedeutendstes Unternehmen der Branche im Vordergrund.

Doch der Ansatz der New York Times ist es nicht, speziell auf der Diskrepanz zwischen den hohen Qualitätsansprüchen des Unternehmens und den miserablen Arbeitsbedingungen beim Apple-Hoflieferanten Foxconn herumzureiten. Man geht auch solchen Fragen auf den Grund, wie denn beispielsweise die Käufer der Apple-Geräte ihr Wissen über die Produktion in China rationalisieren. Und - das ist besonders bemerkenswert - man bezieht auch die chinesische Öffentlichkeit in die Diskussion mit ein.

In einer schon im vergangenen November durchgeführten Umfrage hat die Zeitung ihre Leser zu ihren Meinungen befragt und dabei die Bestätigung erhalten, dass den US-Verbrauchern die Herstellung im eigenen Land schon sehr wichtig ist: 52% aller Befragten meinten, es sei für sie persönlich sehr wichtig, dass die von ihnen gekauften Produkte in den USA hergestellt werden.

Bei den Besitzern von Apple-Geräten zeigte sich allerdings eine Abweichung von diesem Ergebnis. In dieser Gruppe hatten sich nur 42% für diese Antwortalternative entschieden. Gleichzeitig ließen sie anhand ihrer weiteren Antworten erkennen, dass sie besser als die Allgemeinheit über die Produktion der Apple-Geräte in China Bescheid wussten. Wobei es am Rande bemerkt schon interessant ist, dass nur 13% aller Befragten (Apple-Besitzer: 18%) sich bei der Frage nach dem Herstellungsort von Apple-Produkten für die Antwort "gänzlich in Übersee" entschieden haben. Der Großteil der US-Verbraucher scheint demnach im Glauben zu leben, dass nennenswerte Teile der Produktion weiterhin in den USA erfolgen.

Bei Apple selbst ist man inzwischen auch recht gut über die Zustände in China informiert. Das war nicht immer so. Als im Jahr 2006 die britische Zeitung Mail erstmals über die Arbeitsbedingungen bei Foxconn berichtete, waren die "Executives" des Unternehmens "schockiert". Viele wollten damals, dass sich das alles schnell ändert, meint ein von der Times befragter früherer Mitarbeiter Apples.

In Folge der schlechten Presse startete Apple schließlich seine jährlichen Audits der chinesischen Unternehmen, deren Ergebnisse seither jedes Jahr veröffentlicht werden. Diese Audits sollen zeigen, dass Apple die Einhaltung bestimmter Mindestanforderungen kontrolliert. Doch wie die Times zusammenfassend feststellt, haben mehr als die Hälfte der von Apple überprüften Zulieferer seit 2007 in jedem Jahr mindestens einen Aspekt des von Apple diktierten Code of Conduct verletzt - und teilweise auch das (chinesische) Recht.

Dabei kann Apples Code of Conduct kaum mit westlichen Maßstäben verglichen werden. Eine der Forderungen des Unternehmens ist es beispielsweise, dass die chinesischen Arbeiter maximal 60 Wochenstunden und maximal 6 Tage pro Woche arbeiten. Diese Forderung wurde laut em neuesten Bericht bei 188 Audits in verschiedenen Produktionsstätten in insgesamt 93 (Stundenzahl) beziehungsweise 90 (Arbeitstage) Fabriken verletzt.

Wobei diese Angaben sich nur auf Fabriken beziehen, bei denen der Verstoß jeweils mindestens 50% der Belegschaft betrifft. Die Ergebnisse werden aber nicht nur durch statistische Tricksereien geschönt, sondern auch durch den Umstand, dass die chinesischen Firmen ebenfalls an den Rädern drehen, um den Forderungen Apples gerecht zu werden.

Kurz: Die Arbeitsbedingungen in China sind dem Auftraggeber bekannt und die Audits dienen in erster Linie dem Zweck, dem Unternehmen eine gute PR zu verschaffen.

Einer der von Zeitung befragten Ex-Mitarbeiter Apples, der wie die meisten anderen wegen seiner vertraglichen Schweigeverpflichtung nur anonym Auskunft gibt, fasst die Situation wie folgt zusammen: "Wir haben in einigen Fabriken über vier Jahre hinweg vom Missbrauch gewusst und diese Zustände halten bis heute an (...) Warum? Weil das System für uns arbeitet. Die Zulieferer würden schon morgen alles ändern, wenn Apple ihnen sagen würde, dass sie keine andere Wahl haben".

Dabei unterliegt das Unternehmen auch seinen speziellen Zwängen. Die im Audit oder auf anderem Wege festgestellten Verstöße der chinesischen Firmen können zur Beendigung des Vertragsverhältnisses führen. Doch es ist zeitaufwändig und teuer, neue Zulieferer zu finden. Speziell im Fall Foxconn, wo die Teile der Zulieferer zum Endprodukt zusammengesetzt werden, wäre es extrem schwer, einen Ersatz zu finden. Zumindest, wenn die Kosten sich nicht erhöhen sollen.

Überhaupt ist da natürlich auch das Problem des Profits. Wenn Apple mit Zulieferern über neue Verträge verhandelt, wird typischerweise danach gefragt, wie viel jedes Teil kostet, wie viele Arbeiter dafür benötigt werden, und wie hoch die Löhne sind. Die Unternehmensführung in den USA will alle finanziellen Details in Erfahrung bringen und berechnet dann, wie viel man für jedes Teil zu zahlen bereit ist. Den meisten Zulieferern werden dabei nur hauchdünne Profite zugestanden.

Was diese Firmen dann wieder dazu bringt, beispielsweise teure Chemikalien durch billigere aber auch gefährlichere zu ersetzen und die Mitarbeiter zu schnellerer Arbeit bei gleichzeitig längeren Arbeitszeiten anzuhalten.

Das alles wäre wie gesagt zu ändern. Doch Apple steht unter Druck, neue Produkte auf den Markt zu bringen und würde durch Änderungen am Produktionsprozess dieses Ziel vermutlich verfehlen, meint die Times. Daher wird das bestehende System mit Erfolg fortgesetzt. Auch das letzte Quartals-Ergebnis, das einen neuen Rekord in der Firmengeschichte darstellt, hätte noch besser ausfallen können, wenn die chinesischen Fabriken in der Lage gewesen wären, noch mehr zu produzieren.

Auch dem verstorbenen Apple-Chef Steve Jobs muss das alles bestens bekannt gewesen sein, als er im Jahr 2010 auf einer Konferenz eine Frage nach den Arbeitsbedingungen bei Foxconn mit dem Satz beantwortete: "(...) es ist eine Fabrik, aber, mein Gott, ich meine, sie haben dort Restaurants, Kinos, Krankenhäuser und Swimming Pools, und ich meine, für eine Fabrik ist es eine hübsche Fabrik”.

Doch wie sehen die Chinesen dieses Thema? Um hier eine Diskussion zu ermöglichen, hat die New York Times den zweiten Teil ihrer Reihe dem chinesischen Wirtschaftsmagazin Caixin in chinesischer Sprache überlassen und veröffentlicht nun im Gegenzug eine ganze Reihe der von den Chinesen abgegeben Kommentare. Hunderte solcher Kommentare wurden geschrieben und es ist keinswegs klar, nach welchen Kriterien die Zeitung ihre eigene Auswahl traf.

Doch viele der Kommentare machen nicht Apple für die Zustände verantwortlich, sondern vielmehr die eigene Regierung beziehungsweise das eigene Land. Was speziell die Arbeitsbedingungen bei Foxconn angeht - die Times hatte in dem Bericht exemplarisch die Folgen einer Explosion in einem Werk beschrieben -, so wird mehrfach darauf hingewiesen, dass es bei anderen Firmen, Zulieferern und OEM-Herstellern noch weit schlimmer zugeht als bei Foxconn. Namentlich genannt werden unter anderem ASUS, Hewlett Packard, HTC, Lenovo und Samsung sowie die von diesen Firmen in China beschäftigten OEM-Hersteller.

Den chinesischen Lesern ist allen klar, dass die schlechten Arbeitsbedingungen in erster Linie eine Folge fehlender staatlicher Aufsicht sind, und dass mit Änderungen nicht zu rechnen ist, weil der Staat das seit Jahrzehnten anhaltende starke Wirtschaftswachstum erhalten will. Im Grunde sehen die Chinesen also bei Staat und Unternehmen ähnliche Antriebe und eine vergleichbare moralische Verantwortung. Die Chinesen bewerten die Situation unterm Strich also ganz ähnlich wie die Apple-Käufer in den USA. Man weiß zwar schon von den unschönen Details der Produktion. Aber man arrangiert sich mit den Verhältnissen.



Du musst Dich anmelden oder registrieren, um einen Kommentar zu schreiben.

am häufigsten aufgerufen...