Wellness Südtirol
In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken
02. Februar 2012
Posted in Internet News
Forbes-Autor Paul Tassi lässt sich in einem aktuellen Beitrag zum wiederholten Mal über das weit verbreitete Phänomen der Nachahmung bei Online-Spielen aus, das vor allem im mobilen Bereich bei Android und iOS Apps zu beobachten ist. Und dort wiederum nach Ansicht des Autors insbesondere bei Zynga, einem der erfolgreichsten Unternehmen der Branche.
Dieses Trittbrettfahrer-Verhalten ist eigentlich sehr bemerkenswert, denn es kontrastiert zu den oft unmäßigen Ansprüchen, die US-Firmen hinsichtlich ihres geistigen Eigentums entwickeln. Während einige Unternehmen waghalsige Software-Patente und extrem weit gefasste Gebrauchsmuster durchsetzen wollen, deren Schutzbereich selbst Experten ein Rätsel ist, wird bei den Spieleherstellern auf Teufel komm raus abgekupfert.
Zynga steht dabei in jeder Hinsicht in der ersten Reihe und wie Tassi es anhand eines internen Memos des Firmenchefs belegt, ist man sich dieser Tatsache wohl bewusst. Doch man sieht strikte Unterschiede zwischen dem eigenen Verhalten und dem der Konkurrenz. Laut dem Memo ist das, was Zynga praktiziert, ein in der Branche absolut übliches Vorgehen. So, wie Google nicht die erste Suchmaschine war und Apple weder den ersten MP3-Player noch das erste Tablet entwickelt hat, übernimmt Zynga Spielideen von anderen Entwicklern, die oft ihre Ideen selbst bei anderen entliehen haben.
Das ist laut Zynga-Chef Marc Pincus absolut normal und in Ordnung. Andere aber, wie etwa der Konkurrent Vostu, überschreiten dabei die Grenzen und verletzen geistiges Eigentum, meint Pincus weiter. Was er dann auch mit einem Video demonstriert, das Szenen aus Zyngas Petville und Vostus Pet Mania nebeneinanderstellt.
Kurz: Wenn Zynga kopiert, so folgt das den Regeln. Wenn Firmen wie Vostu kopieren, so ist das eine ungerechte Übernahme geistigen Eigentums. Das Rundschreiben ist dabei als Reaktion auf einen Artikel Tassis von vergangener Woche zu sehen, in dem er die auffälligen Ähnlichkeiten zwischen dem Spiel Tiny Tower der kleinen Entwicklergruppe Nimblebit und dem zeitlich später entstandenen Zynga-Spiel Dream Heights aufs Korn nimmt.
Tassi hatte dazu in seinem Text ein sarkastisches Glückwünschschreiben von Nimblebit übernommen, in dem eine Gegenüberstellung beider Spiele die extreme Ähnlichkeit belegt.
Gut, aber warum ist das überhaupt erwähnenswert? Einerseits, weil diese Praxis des Kopierens aus einer "Entwicklungsgebung" stammt, in der hinsichtlich der Gestaltung keine rechtlichen Ansprüche auf geistiges Eigentum erhoben werden. Es wird wild kopiert, es gibt eine Menge Unzufriedenheiten, aber es werden auch Spiele immer weiter und immer besser entwickelt, was man als Vorteil für den Verbraucher ansehen könnte.
Andererseits zeigt der Fall jedoch, dass der wirtschaftliche Erfolg die Trittbrettfahrer bevorzugt. Wenn Firmen wie Zynga erst einmal erfolgreich wurden und womöglich (wie Zynga) einen Börsengang hinter sich bringen, gelangen sie in eine praktisch unbesiegbare Position. Mit Geld üppig ausgestattet, können sie eine bessere Ausarbeitung der Kopien finanzieren und im Fall eines Streits ihre Gegner mit Hilfe von Anwälten an die Wand drücken.
Dabei hat gerade Zynga inzwischen eine extrem starke Position erreicht. Facebook weist beispielsweise in seiner gerade erstmals öffentlich gemachten Bilanz (Formblatt S-1) auf Zynga als möglichen Risikofaktor beim bevorstehenden Börsengang hin. Denn Firmen wie namentlich Zynga sind für praktisch alle Einnahmen verantwortlich, die durch direkte Zahlungen der Anwender erfolgen. Und weil Zynga gleichzeitig als Werbepartner Facebooks agiert, ist der Spielehersteller für 12% der gesamten Einnahmen Facebooks verantwortlich. Wobei Facebook nur eine Arena darstellt, in der Zynga gegen andere Spielehersteller antritt.
Welche Folgen es weiter für die Bindung der Facebook-Nutzer hätte, wenn Zynga dort nicht mehr partnerschaftlich agieren würde, ist nochmal eine andere Frage. Zynga, ein Unternehmen das keinen Wert auf Innovation legt, wie der Firmenchef schon sehr deutlich erklärte ("I don’t fucking want innovation (...) Just copy what they (die Wettbewerber) do and do it until you get their numbers"), ist damit einer der wichtigsten Erfolgsgaranten Facebooks.
Das passt zwar irgendwie ins Bild, wenn man die Entstehungsgeschichte Facebooks bedenkt. Aber wirklich zufriedenstellend ist diese Situation nicht. Vor allem nicht für Facebook.
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