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Wie nicht anders zu erwarten war, sorgt der vom Wall Street Journal "aufgedeckte" angebliche Datenschutzverstoß Googles bei Apples mobilem Safari-Browser für einen ganzen Tross von Folgeberichten. Wie prognostiziert haben die ersten Politiker aus dem US-Kongress ihre unvermeidlichen "kritischen Fragen" gestellt. Microsoft wiederum nutzt den Vorfall ebenfalls für seine Zwecke, und stellt den Internet Explorer als Schutzschild gegen solche Übergriffe dar.

Derweil war auch das Wall Street Journal fleißig und hat den ursprünglichen Beitrag mehrfach überarbeitet. Dass dabei nun auch Google zu Wort kommen darf und die Fehldarstellung des Finanzblatts kritisiert, ist gut und richtig. Doch in einem Punkt wurde der Beitrag nicht nachgebessert: Er lässt fälschlich den Eindruck entstehen, Google habe mit seinem Vorgehen Datenschutzeinstellungen umgangen, die der Benutzer zum Schutz der eigenen Privatsphäre selbst vorgenommen hat. Dieser Eindruck entsteht etwa durch Formulierungen wie diese:

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Dieser mehrere tausend Mal reproduzierte Satz des Finanzblatts wurde hier bei intern.de aber auch bei anderen Diensten so interpretiert, dass die Anwender explizit Änderungen an den Privacy-Einstellungen vorgenommen haben. Bei 9to5Mac heißt es beispielsweise "(Google umging Datenschutzeinstellungen der Anwender)...even after they explicitly set Safari’s privacy controls to disable such tracking.

Doch diese Darstellung ist ebenso sensationslüstern wie falsch. Der SEO-Blogger John Battelle stellt klar, dass es hier zunächst einmal um die Voreinstellungen des Safari-Browsers ging. Und er behauptet weiter, dass damit nicht Google vom Standardverfahren abgerückt ist, sondern Apple. Denn durch diesen Schritt des iPhone-Herstellers wird es Firmen wie Google verwehrt, mit den Nutzern wie im sonstigen Web üblich zu interagieren.

Ein Punkt, den auch Google in seiner Klarstellung erwähnt, denn dort heißt es, man habe "Funktionalitäten des Safari-Browsers genutzt, um Features bieten zu können, die der User durch sein Login ermöglicht (und angefordert) hat".

Damit wird die Sache viel schwerer zu beurteilen, als man nach der Fehldarstellung des Finanzblatts glauben möchte. Denn nach dieser Darstellung hat Apple zunächst einmal für seine Kunden bestimmt, wie sich Privatsphäre zu definieren hat – obwohl das nach der gängigen Datenschutzpraxis eine Privatsache der Anwender wäre.

Doch wie Battelle dazu spitz anmerkt, hat Apple ja auch bestimmt, dass Adobe Flash nicht gut für den Anwender ist. Ohne dem Benutzer ene Wahlmöglichkeit zu lassen. Eine fragwürdige Vorgehensweise, auch wenn Steve Jobs mit seiner Behauptung, Flash sei irreparabler Schrott, richtig gelegen haben mag. 

Im Fall der aktuellen Google-Schelte muss man aber auch bedenken, dass die Entscheidung zwar letztlich beim Verbraucher liegt, der das Gerät erwirbt und sich damit Apples Weltsicht unterwirft. Doch es ist schon ein Unterschied, ob ein Anwender sich bewusst gegen Flash entscheidet, oder ob er in die Default-Werte eines Standard-Browsers einwilligt.

Dazu kommt, dass Apple mit diesen Privacy-Einstellungen auch in den Wettbewerb mit Google eingreift. Denn Googles Werbeeinblendungen basieren auf der Cookie-Annahme und eine Verweigerung der Cookies kann dieses Geschäft nachteilig beeinflussen. Apple aber möchte selbst auf dem iPhone auch Werbung vermarkten können und ist somit ein Konkurrent zu Google, wenn es um die Einwerbung von Aufträgen geht.

Womit sich Googles Umgehung der Datenschutzeinstellungen dann doch etwas anders darstellt, als vom Wall Street Journal beschrieben.

Google soll damit in diesem Fall ausdrücklich kein Persilschein ausgestellt werden. Es ist durchaus denkbar, dass die Entscheidung eines Kunden für sein iPhone von der strikteren Datenschutzpolitik Apples beeinflusst war. Oder, dass ein Benutzer die Default-Werte des Browsers bewusst akzeptierte. In diesem Fall hat Google sicher die Privatsphäre verletzt.

Was dagegen die vom Wall Street Journal beschriebene Ausnutzung einer technischen Lücke im Safari-Browser angeht, so stellen sich schon ganz andere Fragen auch zur Ethik: Ist es legitim, eine Maßnahme zu umgehen, die gezielt der Benachteiligung der Geschäfte eines Wettbewerbes dient? Ohne auf diese Frage eine Antwort geben zu können steht nur Eines fest: Der Kampf zwischen Apple und Google bezieht immer stärker die Kunden mit ein und das kann nicht zu deren Vorteil sein.



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