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In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken

 

Mozilla Corp., der Unternehmensarm der Firefox-Entwickler, konnte auf der Mobilfunkmesse in Barcelona wie erhofft eine Partnerschaft mit einem Mobilfunkunternehmen bekanntgeben (vgl. CNet). Telefonica wird Mozillas mobiles Betriebssystem B2G ("Boot to Gecko") unterstützen und Smartphones auf Basis des Systems an den Mann bringen. Gleichzeitig konnte Mozilla mit Qualcomm offenbar erste Absprachen treffen, die Hardware für ein B2G-Smartphone betreffend.

Noch klingt alles sehr vage und unverbindlich, doch die Mozilla-Pläne sind eine ernstliche Bedrohung – für Apple, für Google und für Microsoft.

Alles ist wie gesagt offen und die sich abzeichnenden Partnerschaften mit Telefonica und Qualcomm sind die ersten greifbaren Hinweise auf das, was noch kommen könnte. Es müssen noch viele Hürden überwunden werden, bis die ersten B2G-Geräte auf den Markt kommen und ein eigener Anwendungsmarkt für diese Geräte entsteht. Doch was die Realisation angeht, ist man vergleichsweise realistisch und rechnet noch in diesem Jahr mit ersten B2G-Smartphones.

Deren herausragendes Merkmal soll es erst einmal sein, dass sie sehr viel billiger sind als alle anderen Smartphones. CNet fasst das in der Schlagzeile: "Mozillaphone is 'ten times cheaper than an iPhone" zusammen. Eine Aussage, die auf der Ankündigung beruht, dass die Komponentenkosten der Geräte bei 50 Dollar liegen werden. Bei diesem Preis kann man kein Retina-Display erwarten, sondern muss vielmehr hoffen, dass ein Retsina das 480x320 Pixel große Display schöner erscheinen lässt.

Aber der Vorstoß in dieses Marktsegment wird zunächst einmal Microsoft/Nokia wuschig machen, denn es ist ein Preis, der auf die sich entwickelnden Märkte abzielt, wo Smartphones noch weniger verbreitet sind als in den Industrienationen. Was übrigens auch die Partnerschaft mit Telefonica bestätigt, denn sie fasst den südamerikanischen Markt ins Auge.Die Strategie von Nokia - ein ganz klein wenig von Microsoft fremdgesteuert - ist es, teure hochwertige Smartphones auf den entwickelten Märkten anzubieten und in den ärmeren Ländern mit Feature Phones den Umsatz zu machen, der Nokia am Leben hält. Ein wirklich billiges Smartphone von Mozilla gefährdet diese Pläne.  

Der B2G-Angriff "von unten" bringt aber auch Googles Android in Bedrängnis, denn bisher konnte Googles System in Verbindung mit den teilweise sehr günstigen Android-Einsteigermodellen punkten. Und zwar gerade gegen Apples iPhone, das aber nach der Einführung eines Mozillaphone noch mehr Schwierigkeiten haben wird, die eigenen Preisansprüche zu verteidigen. Werden doch die Billig-B2Gs absehbar in den gleichen Werkshallen gefertigt, wie die voraussichtlich zehnmal teureren iPhones.

Und noch etwas wird Apple, Google und Microsoft gar nicht gefallen: Das etwas andere App-Konzept des B2G-Biotops, das im Grunde auf reinen HTML5/JavaScript-Anwendungen basiert und damit auf Websites mit Funktionen. Auf HTML5 basierend werden sich nicht alle Anwendungen reproduzieren lassen, die man von Android- oder Apple-Markt her kennt. Doch von rund 80% geht Mozilla-Vizepräsident Jay Sullivan im Interview mit der New York Times schon aus.

Die Apps und ihre Entwickler könnten dabei eine höchst bedeutende Rolle im gesamten Mozilla-Plan spielen. Denn es ist auch schon vorgesehen, dass ein App Market für B2G entstehen wird, auf dem auch kostenpflichtige Anwendungen angeboten werden. Wenn Mozilla es hier schafft – etwa durch großzügige Beteiligungen für die Entwickler – schnell ein reichhaltiges Angebot zu schaffen, dann wird es für das neue System viel leichter, sich zu etablieren.

Vermutlich erklärt im Übrigen das, wieso es im vergangenen Jahr dann doch noch zu einer überraschenden und extrem großzügigen Einigung zwischen Google und Mozilla gekommen ist. Google hat in diesem Deal, den die Suchmaschine Dank des eigenen Browsers gar nicht mehr benötigte, das Vertragsvolumen auf 300 Millionen Dollar verdreifacht. Und damit die B2G-Pläne erst möglich gemacht.

Doch Google wird auch keineswegs aus reinem Altruismus gehandelt haben. Wahrscheinlicher ist, dass eine Ende des Firefox-Vertrags mit Mozilla den bisherigen Partner und B2G-Entwickler zu einem Vertrag mit einem anderen Unternehmen gezwungen hätte. Gleichzeitig verspricht die Unterstützung der B2G-Pläne eine spätere Kooperation im Bereich der Online-Werbung. Etwa zur Refinanzierung von HTML5-Apps. Denn man darf nicht vergessen, dass Google kein Mobilfunkunternehmen ist, sondern die größte Werbeagentur der Welt. Eine Betrachtungsweise, die die Mozilla-Ankündigungen nicht weniger spannend macht.



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