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10. Juli 2006
Posted in Internet News
Wissenschaftler der Cornell University geben in einer Pressemitteilung bekannt, dass sie den "geheimen Code von Euopas Galileo Satelliten geknackt" haben. Damit sollen Verbraucher nun "freien Zugang" zu den Daten haben, die sie zum Betrieb ihrer Navigationsgeräte benötigen. Eine in mehrfacher Hinsicht sehr fragwürdige Mitteilung.
Zunächst scheint es erwähnenswert, dass Verbraucher diesen freien Zugang ohnehin erhalten sollen, wenn Galileo (Wikipedia: Galileo) erst einmal die für die globale Positionierung notwendigen Daten liefert. Denn es ist keineswegs vorgesehen, in diesem Bereich kostenpflichtige Dienste anzubieten, wie die Cornell-Pressemitteilung es nahe legt. Dort heißt es, die GPS-Daten seien kostenfrei, weil sie vom US-Verteidigungsministerium bezahlt werden. Bei Galileo dagegen müsse eine Refinanzierung erfolgen. Und das "mutmaßlich" durch Erhebung einer Gebühr für die verschlüsselten Daten.
Warum die Cornell-Experten für globale Positionierung eine derart falsche Information ausstreuen, ist unklar. Es ist zwar vorgesehen, dass auch kostenpflichtige, zusätzliche Dienste im Rahmen von Galileo angeboten werden, bei denen auch Verschlüsselung zum Einsatz kommen mag. Doch das wird vermutlich nur in Bereichen der Fall sein, in denen ein hohes Maß an Sicherheit verlangt wird (z.B. Luftfahrt). Es ist höchst unwahrscheinlich, dass in solchen Bereichen ein Hack zum Einsatz kommen wird, der diese Sicherheit gefährdet.
Überhaupt scheint die Entdeckung der Wissenschaftler zweifelhaft, denn was sie entschlüsselt haben, ist das Signal des bisher einzigen Galileo-Satelliten "Giove-A") der derzeit im Testbetrieb um die Erde kreist. Europa und die USA haben sich aber bereits im Jahr 2004 vertraglich darauf geeinigt, dass Galileo und das US-System GPS kompatibel zueinander sein sollen. Das heißt auch, dass eine Verschlüsselung der Positionsdaten nicht gestattet ist, wenn Galileo erst einmal die Produktionsphase erreicht.
Auch das scheint den Wissenschaftlern bekannt, denn sie erwähnen es in ihren Texten. Die Botschaft der GPS-Experten lautet daher im Grunde genommen, dass Europa sich vertragsbrüchig verhält, dass aber dieser Regelverstoß Dank ihrer Erkenntnis ohne Folgen bleibt. Worin die Motivation für diese Behauptung liegen mag, bleibt absolut offen.
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