Wellness Südtirol
In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken
10. Januar 2008
Posted in Internet News
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Internet-Verwaltung ICANN Anfang Januar ein historisches Ereignis vermeldet: Zum ersten Mal wurde eine schriftliche Vereinbarung mit einem Root Server-Betreiber getroffen. In dem Vertrag werden "wechselseitige Verantwortlichkeiten" definiert zwischen der ICANN und dem Betreiber des "F Root Servers", dem Internet Systems Consortium (ISC).
Der Vertrag beinhaltet allerdings lediglich einen groben Rahmen der jeweiligen Aufgaben und Zugeständnisse. Sanktionen für die Nichterfüllung werden keine genannt, es wird nur die Möglichkeit einer Vertragsaufhebung erwähnt. Wobei beide Seiten selbst nach der Terminierung dazu verpflichtet werden, ihren beschriebenen Aufgaben nachzukommen.
Die eher lose Vereinbarung überrascht aber nicht, denn in den vergangenen Jahrzehnten gab es auch ohne Verträge keine Probleme mit dem Betrieb der 12 bzw. 13 (incl. "A") Root Server. Einzig der verstorbene Jon Postel, der bis zu zu seinem Tod als personifizierte IANA galt, hatte den Aufstand gewagt und einige Root Server-Betreiber auf seine Seite gezogen. Diese Root Server bezogen ihre Daten zur Root Zone nicht mehr vom "A Root Server" des damaligen Monopolisten Network Solutions (NSI), sondern von IANA direkt - und damit von Postel.
Das Resultat dieser Änderung war ein Internet gewesen, das keine ICANN (damals erst in Planung) und damit keine US-Aufsicht benötigt. Hintergrund der Aktion war es, dass der Vertrag mit NSI eigentlich abgelaufen war und nun eine Delegation der Kontrolle über die CNO-Domains (.com, .net, .org) an eine andere Organisation notwendig gewesen wäre. Eine Organisation, die das Vertrauen der "Community" genoss und die NSI-Aufgaben übernehmen sollte, war mit CORE entstanden. Und dieser internationale Provider-Verband wurde auch von Postel unterstützt.
Die US-Regierung aber wollte die Kontrolle über das Internet erhalten, die über das US-Unternehmen NSI beziehungsweise über eine Non-Profit Organisation wie ICANN wahrgenommen werden konnte.
Es kam wie es kommen musste: Postels Widerstand gegen die Machtentfaltung der US-Regierung brach in sich zusammen. Der Berater Bill Clintons, Ira Magaziner, forderte ihn telefonisch "entschieden" zur Zurücknahme der Root Server-Änderungen auf. Postel gab nach und starb wenige Monate (1998) später an einem Herzleiden.
Damals (1997/1998) war das ein in der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommenes Ereignis. Heute würde eine solche "Rebellion" für Schlagzeilen in allen Tageszeitungen weltweit führen. Auch damit sich solch ein Aufstand nicht wiederholen kann, hat ICANN seit Jahren darauf gedrängt, Verträge mit den Betreibern der Root Server zu schließen.
Das Interesse dieser Organisationen war aber nie sehr groß, wie man an der Tatsache erkennt, dass es erst jetzt zu einem solchen "Agreement" kommt. Wozu sollten die Betreiber, die kostenlos, freiwillig und zuverlässig ihren Aufgaben nachkommen sich auch zu einem solchen Vertrag verpflichten?
Doch das Interesse der ICANN an solchen Abkommen ist nach wie vor groß, denn eine Insubordination eines Root Server Betreibers könnte die Stabiltät des Internet beziehungsweise die Kontrolle der ICANN über das Internet in Frage stellen. Allerdings gibt es auch andere, nachvollziehbare Szenarien, die für eine vertragliche Verpflichtung sprechen.
Ganz aktuell wird beispielsweise spekuliert, ob Russland sich für den Aufbau eines eigenen Root Server-Netzes entscheidet. Vordergründig geht es dabei darum, die Internationalisierung der russischen Top Level Domain zu erleichtern. Doch angeblich besteht auch ein Interesse, eine Abkehr vom US-dominierten Root Server-System als Druckmittel oder als Mittel der Isolierung Russland zu benutzen. Ähnliche Ziele wurden auch schon China unterstellt.
Wobei es immer schwer ist, die die jeweils von den betroffenen Seiten genannten Argumente von den Interessenlagen der jeweiligen Parteien zu trennen.
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