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24. Juni 2008
Posted in Internet News
Gestern verbreitete das Wall Street Journal die Mitteilung, dass sich Googles Android-Pläne verzögern und man vielleicht erst nächstes Jahr mit ersten Android-Geräten rechnen darf. Heute verbreitet Nokia eine Mitteilung, die Googles Mobilfunk-Pläne sehr viel stärker gefährdet: Nokia kauft Symbian auf und will das bisher proprietäre mobile Betriebssystem "frei" machen.
Schon jetzt kontrolliert Nokia knapp die Hälfte der Symbian-Anteile, doch mit einer Investition von weiteren 264 Millionen Euro sollen auch die anderen Anteilseigner zur Annahme der Nokia-Pläne gebracht werden. Das ist selbst für den führenden Gerätehersteller eine beträchtliche Summe, aber es geht auch um ein großes Ziel. Denn die Kontrolle über das Betriebssystem bedeutet auch die Kontrolle über viele weitere Bereiche der mobilen Funktionen und ihrer Vermarktung.
Schließlich entsteht auch Googles "mobile Plattform Android" vor diesem Hintergrund und die Suchmaschine schart aus diesem Grund seine Partner in der "Open Handset Alliance" um sich. Ähnlich geht auch Nokia vor und partnert mit vielen Branchengrößen in der neu gegründeten "Symbian Foundation". Wobei die Kampfansage Nokias mit der Ankündigung eines neuen und offenen Systems erst recht deutlich wird.
Zwar wird es beiden Seiten auch darum gehen, die mächtiger werdende Konkurrenz des Apple iPhone und seines proprietären Systems zu bekämpfen. Doch das iPhone klammert weite Teile der Verwertungskette aus, die Nokia und insbesondere Google anstreben. Es geht diesen beiden nicht nur um Geräte und Mobilfunkkosten. es geht beispielsweise Google ganz konkret um die mobile Navigation und die damit verbundenen Werbemöglichkeiten.
Genauso, wie es Nokia darum geht, die Nutzungsmöglichkeiten seiner Geräte besser zu vermarkten. Wozu sonst sollten die Finnen - wie gestern berichtet - einen Dienst wie das (mobile) soziale Netzwerk Plazes.com übernehmen?
Dabei dürfte allerdings Google wesentlich mehr unter Druck stehen als der Gerätehersteller oder seine ihn beim Symbian-Kauf unterstützenden Konkurrenten. Firmen wie Nokia entscheiden mit, wie gut Google auf ihren Geräten genutzt werden kann. Die Suchmaschine dagegen muss sich ihren Platz in der mobilen Welt erst noch erobern. Und wenn Google dabei scheitert , könnte dies die Existenz der Suchmaschine gefährden.
Denn nach wie vor ist Google trotz der grandiosen Erfolge der vergangenen Jahre ein "one trick Pony" geblieben: Die bei den Suchergebnissen eingeblendeten Werbeanzeigen sind mit Abstand die wichtigste Einnahmequelle, des "Pferdchens einziger Trick". Doch das gilt nur für eine Umgebung mit stationären Rechnern oder mit bestenfalls (er-)tragbaren Notebooks und anderen Notlösungen.
Der Trend zu mehr Mobilität, zu kleineren und leichteren Internet-Begleitern ist unübersehbar. Nicht ganz erkennbar ist dagegen, wie Google an dieser Entwicklung teilhaben will.
Links:
- Nokia Pressemitteilung
- Bericht des Wall Street Journal
- Posting bei VentureBeat
- Open Handset Alliance
- Symbian Foundation
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