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05. September 2008
Posted in Internet News
Sony hat gestern in Großbritannien ein eigenes eBook-Gerät
vorgestellt, den Sony Reader. Da Amazon bisher nicht über Pläne
spricht, sein Kindle-Konzept nach Europa zu transferieren, könnte
Sony mit dem neuen Gerät eine Marktlücke zu besetzen. Auch
wenn dies vorläufig nur für das Inselkönigreich gilt.
Ein Vergleich zwischen beiden Geräten scheint jedenfalls auch für Festland-Europäer interessant. Das betrifft zunächst den Preis, der bei Sony mit 199 Pfund (245 Euro, o. Netzteil) etwas niedriger ausfällt, als das Kindle, für das in den USA 359 Dollar (251 Euro, m. Netzteil) verlangt werden.
Der Vergleich ist allerdings in mehrfacher Hinsicht müßig, denn er berücksichtigt die britische Mehrwertsteuer, nicht aber die amerikanische "Sales Tax". Sony verschifft das Gerät auch nur in Großbritannien und das Kindle wäre zudem in Europa mangels drahtlosem EVDO-Zugang zum Teil außer Funktion gesetzt.
Womit sich schon ein wichtiger technischer Unterschied ergibt, denn das Sony-Gerät kann nur über SD-Karte und USB-Schnittstelle mit neuen Büchern versorgt werden. Das Kindle dagegen kann (kostenpflichtig, ca. 0,10 Dollar/min) auch per EVDO (Amazon Whispernet) mit neuen Büchern von Amazon, Wikipedia-Artikeln, RSS-Feeds, aktuellen Zeitungen und Magazinen versorgt werden und beinhaltet dazu einen stark eingeschränkten Web-Browser.
Eigene PDF-Dateien können beispielsweise erst nach "experimenteller" Konvertierung in das Amazon-Format (.azw) wieder als kostenpflichtige Mails übertragen werden. Beim Sony-Gerät ist es dagegen möglich, eigene Dateien in verschiedenen Formaten per USB oder SD-Karte zu übertragen und im Original-Format zu lesen beziehungsweise anzuhören (PDF, RTF, DOC, JPG, GIF und MP3).
Beide Geräte verfügen über ein Display aus elektronischem Papier ohne Hintergrundbeleuchtung und sind entsprechend sparsam. Für das Sony-Gerät wird angegeben, man könne 6.800 (bzw. 7.500) Mal umblättern.
Einer der wichtigsten Punkte dürfte aber das Buchangebot für beide Geräte sein, und da steht das Kindle sicher besser da, denn Amazon kann inzwischen 160.000 Bücher im eigenen eBook-Format liefern, die häufig günstiger sind als die gedruckten Ausgaben. Bei Waterstone, dem britischen Vertriebspartner Sonys und seiner Ladenkette ist bisher von "tausenden" von Büchern die Rede. Wie viele tausend es sind, wird nicht angegeben. Die höhere Kompatibilität zu anderen Formaten dürfte hier allerdings Einiges wett machen.
Für (potentielle) Benutzer in Deutschland ist aber auch dieser Vergleich müßig. Das Angebot an eBooks ist hierzulande dürftig. Das liegt wahrscheinlich zum Teil daran, dass auch elektronische Bücher der Buchpreisbindung unterliegen. Weshalb ja auch die gedruckten Bücher in Großbritannien oder USA meist schon günstiger sind. Bei Ciando, nach eigenen Angaben dem "größten eBook-Händler im deutschen Sprachraum" heißt es dazu, dass die Partner-Verlage des Händlers "größtenteils" einen Preis festlegen, "der 15-20% unter dem Printpreis liegt".
Und selbst das Projekt Gutenberg, das in Deutschland unter der Ägide
des Spiegel online angeboten wird, ist keine wirklich kostenlose Alternative.
Hier liest man Goethen und andere nicht mehr an Tantiemen interessierte Autoren entweder von Spiegel-Werbung begleitet am PC,
oder zahlt 30 Euro für die Offline-Version. Zumindest, wenn man
den Weg zum echten Project Gutenberg nicht findet. Aber dazu muss man weiter lesen können als bis zum ersten Treffer bei Google.
Links:
- Sony Reader
- Waterstone Sony Reader
- Posting im Guardian
- Posting bei Wired
- Posting bei Gizmodo
- Ciando
- Project Gutenberg deutsch
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