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Microsoft baut sein bisheriges Windows Live-Konzept um. Aus einem Sammelsurium verschiedener Dienste und Angebote mit einheitlichem Login wird jetzt ein hippes, zeitgemäßes, soziales Netzwerk, eine Zentrale für das Leben der Live-Benutzer. Soweit die Hoffnung des Software-Riesen.

Einen ersten Blick auf das, was die Live-Nutzer künftig erwartet, findet man unter home.live.com, wo die ersten Neuerungen bereits umgesetzt wurden. Doch der eigentliche Umbau steht erst noch bevor, denn laut deutscher Pressemitteilung werden die neuen Windows Live Services in den kommenden Wochen zunächst in den USA umgesetzt und dann ab Anfang Dezember 2008 auch weltweit.

In den US-Medien bezeichnet man dabei den bevorstehenden Umbau gerne als eine Annäherung an Facebook oder auch an Google. Dies vor allem, weil das neue Windows Live die einzelnen Kommunikationskanäle wie den Messenger und HotMail stärker miteinander verbindet.

Doch eine andere erkennbare Strategie scheint fast von größerer Bedeutung: Microsoft hat wohl erkannt, dass die verschiedenen Online-Identitäten, Foto- und Film-Sammlungen, Freundes- und Adresslisten für den Benutzer oft ein Hemmnis darstellen. Und so hat der von Google in seinen Online-Aktivitäten bedrängte Riese sich wohl mit bis jetzt schon 50 verschiedenen Firmen (u.a. Flickr, LinkedIn, Pandora, Photobucket, Twitter, WordPress und Yelp) an einen Tisch gesetzt und eine Kooperation vereinbart. Sobald ein Live-Benutzer bei Flickr ein Bild hochlädt oder bei Twitter ein SMS-Posting absetzt, werden auch die Informationen bei Live.com auf den neuesten Stand gebracht.

Gleichzeitig können die Nutzer dann mit den Windows Live Groups in Gruppen zusammenfinden, um dort ebenfalls ihr Online-Leben zu teilen. Das etwa in Gestalt eines gemeinsamen Kalenders, von Fotosammlungen beziehungsweise anderer hochgeladener Dateien, für die ein Speicherplatz von 25 GB kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Ein weiterer Hinweis auf die zentrale Rolle, die Microsoft in diesem neuen Angebot sieht, besteht in der Bündelung von Pop3-Mail-Konten, die alle im Hotmail-Konto des Benutzers zusammengefasst werden können. Der Abruf der Mails kann mit dem Messenger geschehen und zwar auch mit mobilen Geräten und ohne jedwede Begrenzung des Speicherplatzes.

Wie techCrunch es formuliert, scheint Microsoft auf dem Weg, Live.com zu einer beeindruckenden persönlichen "Produktivitäts Suite" umzuwandeln. Denn zu den sozialen Angeboten kommen ja noch die Software-Downloads Mail, Instant Messaging, Movie Maker, Photo Gallery etc.) die den Live-Nutzern beziehungsweise den Windows-Nutzern zur Verfügung stehen.

Von daher sollte man Microsofts Einstieg in das soziale Web vielleicht besser nicht zu sehr belächeln. Vielmehr sollte man sich eher fragen, was noch alles geschehen könnte, wenn Microsoft die beim Nicht-Kauf von Yahoo gesparten über 40 Milliarden Dollar in den Ausbau von Live-Partnerschaften stecken sollte.

Etliche der "social Networks" pfeifen bereits jetzt aus dem letzten Loch, weil sie von der Werbewirtschaft nicht akzeptiert werden und weil man an der Qualität ihrer Werbeoberflächen zweifelt. Doch diese ganzen Dienste können ein Publikumsbeschaffer für Microsoft und seine Suchmaschine sein.

Immer noch geht es um nichts anderes als diese Suchmaschine, die im Zentrum des Interesses steht. Dort sind die Werbeoberflächen, die von der Werbewirtschaft nachgefragt werden. Denn wer nach einem Produkt oder Dienstleistung sucht, der will mit hoher Wahrscheinlichkeit auch etwas kaufen. Das ist die einfache Formel, die erklärt, warum die Suchmaschinen heute das zentrale Element der Online-Werbewirtschaft sind.


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