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Yahoo, inmitten einer globalen als auch einer höchst individuellen Krise, muss Ausgaben einsparen. Das bedeutet, dass noch einmal 5% der Mitarbeiter gefeuert werden, und dass man sich allmählich auch von Altlasten trennt, die sich selbst überholt haben. So wird jetzt auch bei Geocities der Lichtschalter umgelegt.

Der Name Geocities dürfte dabei vor allem Internet-Veteranen noch ein Begriff sein und das nicht unbedingt nur in positivem Zusammenhang. Der Dienst, einer der ersten Webhoster für den schmalen Geldbeutel, war gewissermaßen ein Vorläufer des Mitmach-Internet. Zunächst als eine Art virtuelles Abbild der Erde für Inhalte mit regionalem Bezug gedacht, wandelte es sich schnell in einen der ersten Freehoster.

Mit dem Ergebnis, dass sich unter Geocities.com ein Gebirge vorwiegend unbrauchbarer und dubioser Inhalte auftürmte, wobei die "Betreiber" der Sites meist anonym blieben. Zum Image des Dienstes trug auch bei, dass Mail-Adressen von geocoties.com nur zu oft im Zusammenhang mit Spam und anderen Problemen auftauchten. Und sei es, weil die Spammer Mail-Adressen fälschten, um Spam-Filter zu umgehen.

Nichtsdestotrotz wuchs Geocities über die Maßen und war schließlich die (nach Besuchern) drittgrößte Site des WWW, als Yahoo sich im Januar 1999 zur Übernahme entschloss. Der Kaufpreis, soweit er sich bei einem Aktientausch festlegen lässt, betrug etwa 3,5 Milliarden Dollar. Das war "etwas" mehr als der Marktwert des seit einigen Monaten börsennotierten Unternehmens, der auf 2,3 Milliarden Dollar geschätzt wurde. Doch ein Verlust von nur noch 8 Millionen Dollar im 4. Quartal 2008 stimmte die Yahoo-Verantwortlichen hoffnungsfroh.

Wenige Monate später platzte die Börsenblase und jedem war plötzlich klar, dass man die ganze Zeit auf Luftnummern gesetzt hatte. Geocities, inzwischen im Yahoo-Imperium eingegliedert, startete damals mit Yahoo seinen langsamen Sinkflug. Mit der Übernahme hatte Yahoo beispielsweise auch alle Inhalte in Besitz nehmen wollen und war dann überrascht, dass die Benutzer damit nicht einverstanden waren. Sie wanderten in Scharen ab. Also wurde diese Entscheidung wieder revidiert.

Aber die Abwärtsspirale konnte damit nicht mehr gestoppt werden. Auch die Einführung von Kosten für das Hosting führte zu keinem Erfolg. Obwohl man damals allmählich feststellte, dass "frei" beziehungsweise "umsonst" oft auch mit schlechter Qualität einhergeht. Der Zug war für Geocities aber abgefahren und es war nicht mehr möglich, auf die nächste Welle der Blogs und anderer Mitmach-Angebote aufzuspringen. Blog-Hoster und -Software sowie die allmählich aufkommenden sozialen Netzwerke lenkten die "Kreativität" in Bahnen und band die Ressourcen der Mitmachenden auf offenbar wohltuende Art und Weise. Da konnte ein einfacher Hosting Service wie Geocities nicht mehr mithalten. 

Nun scheint für den Hoster das letzte Ziel erreicht, denn unter geocities.yahoo.com heißt es jetzt lapidar, dass man nach reiflicher Überlegung beschlossen hat, den Dienst im Laufe des Jahres einzustellen. Die Trauer scheint sich auf allen Seiten in Grenzen zu halten.

 

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