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In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken

 

In Party-Stimmung ist Google-Boss Eric Schmidt offenbar gesprächiger als auf Pressekonferenzen. Anlässlich einer Party in Hollywood, "auf der ein einziger Selbstmord-Attentäter genügt hätte, um der filmischen Unterhaltung dieser Dekade ein Ende zu setzen", plauderte Schmidt mit einer freien Journalistin über die Pläne Googles. Es ging dabei um die Zukunft der Zeitungswelt beziehungsweise um die Auswirkungen die Google auf diese Welt hat.

Die Frage der Journalistin, ob etwas an dem Gerücht "dran sei", wonach Google möglicherweise bald selbst für die Produktion von Inhalten sorgen könnte, verneinte er deutlich. Google ist kein Content-Unternehmen und wird sich auch nicht in diese Richtung entwickeln. Eine klare, aber im Grunde wenig überraschende Aussage, denn wozu sollte Google eigene Inhalte erstellen, wo andere - wie beispielsweise die Nachrichtengenturen und Zeitungen - notgedrungen diesen Content im Web bereitstellen?

Doch wie Schmidt weiter erklärt, hat man das Dilemma der Online-Medien durchaus erkannt, die von den durch Google News erzeugten Klicks alleine nicht leben können und von Google selbst (meist) kein Geld dafür erhalten, dass ihre Inhalte auf den Google-Seiten verkürzt übernommen werden. Google will in sechs Monaten sogar eine Lösung des Problems vorstellen, wie Schmidt weiter erklärt. Um eine neue Einnahmequelle für Zeitungen handelt es sich bei dieser Lösung aber nicht wirklich.

Vielmehr soll ein neuer Algorithmus dafür sorgen, dass die Benutzer der Suchmaschine automatisch die Nachrichten präsentiert bekommen, die sie interessieren. Google will hier mit gewohnter Treffsicherheit die richtige Auswahl treffen. Die Benutzer müssen nur Google aufrufen und nicht einmal nach bestimmten News oder Themen suchen. Die Suchmaschine weiß schon, wonach die Benutzer verlangen.

Und weil diese Benutzer somit Premium-Inhalte vorgesetzt bekommen, will Google im gleichen Umfeld auch Premium-Werbung einblenden. Die Zeitungen bleiben von den damit verbundenen Premium-Einnahmen zwar erst einmal unbehelligt. Doch sie erhalten damit mehr Traffic und gleichzeitig die Möglichkeit, höhere Werbepreise zu verlangen.

Was wohl insbesondere dann zutrifft, wenn Google den Zeitungen zugleich Informationen über die Besucher überlässt, die ihnen via Google einen Besuch abstatten. Das wäre angesichts der Einführung des Tracking-Systems eine durchaus denkbare Vorgehensweise. Erst recht, wenn Google zugleich die Vermarktung der Zeitungsanzeigen übernimmt und die Anzeigen über seine eigenen Werbe-Netzwerke einblendet.

Allerdings macht dann in diesem Zusammenhang eine weitere Anmerkung Schmidts nachdenklich. Er meint, die ersten beiden Unternehmen, die "diese Behandlung erfahren", seien die New York Times und die Washington Post. Was, wenn Google überhaupt nur eine handverlesene Auswahl von Zeitungen in diesem Programm aufnimmt? Dann wird diese "Lösung" auch nur diesen Auserwählten zugute kommen.

Eine Beteiligung aller Zeitungen scheint schon alleine aus Raumgründen ausgeschlossen. Schließlich soll das Projekt die Startseite Googles einbeziehen und dort verweigerte die Suchmaschine noch vor Monaten die Aufnahme eines Links auf eine Datenschutzerklärung, weil das die Zahl von maximal 28 Worten auf der Homepage überschritten hätte.

Unter diesen Bedingungen könnten für den Benutzer wohl nur die "Super-Wunsch-Nachrichten" weniger Medien eingeblendet werden. Und Google würde nicht nur über die Auswahl der Nachrichten entscheiden, sondern auch über die Zeitungen beziehungsweise Medien, die sie liefern dürfen.

Die Verlage, Agenturen und auch die Journalisten werden von Googles Lösung begeistert sein. Oder?

 

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