Wellness Südtirol
In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken
02. Juli 2009
Dabei handelt es sich wohl insgesamt um Aussagen, die dem GGF-Chef Hans Pandeya zugeschrieben werden. Das Unternehmen, das verschiedene Internet-Cafes betreibt und Software für solche Cafes anbietet, hat ebenso wie sein Geschäftsführer eine etwas fragwürdige Vergangenheit.
Was nun die Pläne angeht, die von der Business Week zusammengefasst werden, so scheint es erst einmal um das Vorhaben zu gehen, "die Bandbreite der TPB kollektiv in ein gigantisches neues Peer-to-Peer Netzwerk zu bündeln und diese Bandbreite wiederum an die ISPs zu verkaufen". Das ist ein klarer Fall von Unfug und man fragt sich, ob das Wirtschaftsblatt hier vielleicht den GGF-Geschäftsführer falsch verstanden hat.
Doch der wird mit den Worten zitiert: "Die Technologie wird die Gemeinschaft der Daten-Tauschenden benutzen, um die Kosten für den Transport von Daten bei den ISPs um die mehr als die Hälfte zu kürzen (...) Die Benutzer werden durch die Teilnahme Geld verdienen, das sie für andere Dienste (zum Beispiel ein erwartbarer Musikhandel) von ThePirateBay ausgeben oder auf ihre Bankkonten überweisen können".
Mit dieser Darstellung wird ignoriert, dass "Bandbreite" tagtäglich in großem Umfang getauscht beziehungsweise gehandelt wird, und dass sich aus dem ursprünglichen Konzept des "Peering" - also des Austauschs von Daten unter Netzwerken von Gleichen - längst ein florierendes, der Börse ähnliches Geschäft entwickelt hat.
Mit der Bandbreite eines P2P-Netzwerks lässt sich dagegen kein Handel treiben, weil es sich um einen höchst heterogenen Austausch von Daten über verschiedenste Netzwerke handelt. Es wäre allenfalls möglich, auf Grundlage der P2P-Struktur eine weitere Ebene zu konstruieren, die der Datenübertragung dient. Doch das ist technisch wie wirtschaftlich einfach nur absurd.
Die Business Week versucht, die Äußerungen Pandeya so zu interpretieren, dass sich daraus vielleicht ein Geschäftsmodell ergibt, das auf dem verteilten Rechnen ("distributed computing") im Stile etwa des Seti@home Netzwerks beruht. Doch das ist es nicht, wovon Pandeya gesprochen hat. Pandeya hat aber noch weitere Möglichkeiten genannt, mit denen möglicherweise Geld zu verdienen ist.
Er erwähnt beispielsweise den Musikhandel beziehungsweise den Handel mit Unterhaltung und will Inhalte von Firmen wie Warner Brothers, Sony BMG und Vivendi Universal anbieten - hat aber noch mit keinem dieser Unternehmen Gespräche geführt. Außerdem sollen neben den Einnahmen aus dem P2P-Bandbreitenhandel bald schon monatlich 40 Millionen Euro Einnahmen aus dem Verkauf von Werbeplätzen fließen. Ein Wert, der von einem leitenden Forrester-Mitarbeiter schlicht als "verrückt" abgetan wird.
Man gewinnt durch diese ganzen Angaben zunehmend den Eindruck, dass es hier um reines Blendwerk geht, um die Verbreitung heißer Luft. Wobei selbst die Nutzer der Piratenbucht den Braten riechen und sich offenbart in Massen von TPB abwenden. Auch in Börsenkreisen wird der Unmut immer lauter, obwohl der Börsenkurs von GGF nach der Bekanntgabe der Übernahme kurzfristig um 170% gestiegen ist und das Unternehmen eigentlich als gefeierter Held dastehen sollte.
Doch stattdessen wittert der schwedische Börsenhändler Aktietorget Unrat. Schon vor einer Woche wurde der Handel mit GGF-Papieren ausgesetzt, weil ungewöhnlich große Volumen gehandelt wurden und der Kurs nicht nachvollziehbar anstieg. Man nimmt an, dass hier möglicherweise Insider-Informationen weitergegeben wurden, die das plötzliche Interesse an dem kleinen Unternehmen erklären. Und nicht nur das: Die Übernahme von TPB soll durch Aktietorget auch überprüft werden, weil es sich hier möglicherweise um illegale Geschäfte handelt, die auf diesem Weg an die Börse gebracht werden. Schließlich wurden die TPB-Betreiber in erster Instanz zu hohen Geld- und Haftstrafen verurteilt.
Von deren Seite war übrigens in den letzten Tagen auch wenig zu hören, was man als nachvollziehbar bezeichnen könnte. In den verschiedenen Postings und Tweets ist davon die Rede, dass der "Kampf" weitergeht, dass die in der Vergangenheit angekündigten Projekte wie etwa ein Art YouTube für Piraten kommen werden, und dass die Benutzer Anteile an TPB erhalten sollen.
Das ist bisher aber nur ein krudes Informationsgemenge. Man wird sehen, wie sich diese Kommunikationspolitik ändert, wenn sich der GGF-Aktienkurs weiter so entwickelt, wie jetzt schon auf der Kurve bei Finanztreff absehbar. Immerhin wird die Hälfte der 60 Millionen Kronen Kaufpreis auch in Aktien ausgezahlt. Wobei es schon ein wenig auffällig ist, dass die verbleibenden 30 Millionen just dem Schadensersatz entsprechen, zu dem die Betreiber der Piratenbucht vom Gericht verurteilt worden waren.
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