Räucherstäbchen bei indilaya.de
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10. August 2009
Betrachtet man parallel zu der Darstellung der ComputerWorld eine aktuelle Diskussion des IT-Blogs techCrunch, so können an dieser Darstellung Zweifel aufkommen. Wie bei intern.de schon vor Wochen hat man auch dort die Oberfläche "Blind Search" (entwickelt von einem Microsoft-Mitarbeiter) für die gleichzeitige Benutzung der drei Suchmaschinen Bing, Google und Yahoo entdeckt.
Und auch bei techCrunch erkennt man an der Diskussion, dass der auf 70% bis 80% geschätzte Marktanteil Googles sich nicht so eindeutig in der von den Testpersonen wahrgenommenen Qualität der Suchergebnisse niederschlägt, wie man es von der "besten Suchmaschine" erwarten würde. In der Blindsuche kommen die Testpersonen in der Summe vielmehr zu einem eher ausgewogenen Ergebnis.
Es scheint, dass Faktoren wie der Gegenstand der Suche oder auch die Erwartungen der Suchenden maßgeblich dazu beitragen, die Ergebnisse als "gut", "richtig" oder "hilfreich" einzustufen. Es wäre sicher für einen Marktforscher eine reizvolle Aufgabe, in Tests herauszufinden, welche Variablen bei dieser Bewertung von Interesse sind. Doch generell könnte man nach der Benutzung der Blindsuche die Hypothese aufstellen, dass die Suchmaschinen und ihre Ergebnisse an sich austauschbar sind, und dass eine Bewertung der Suchergebnisse vermutlich anders ausfällt, wenn man bei diesen Ergebnissen jeweils die Namen der Suchmaschinen einblendet.
Google-Fans würden also beispielsweise erwartbar jenen Ergebnissen den Vorzug geben, über denen das Google-Logo prangt. Das würde der Vorstellung entsprechen, dass eine Marke mit bestimmten Einstellungen und Erwartungen verbunden ist, und dass diese Einstellungen sich auch in den Bewertungen der Produkte widerspiegeln. Wettbewerber wie Bing oder Yahoo müssten also auch gegen die starke Marke Google antreten, wenn sie erfolgreich sein wollten.
Ein weiterer gewichtiger Punkt, der Google einen Vorteil verschafft, ist die Allgegenwärtigkeit der Suchmaschine. Google hat es geschafft, seine Suchschlitze über das gesamte Web zu verbreiten, sich in Browsern wie Firefox oder Opera einen mehr oder weniger festen Platz zu verschaffen und die Benutzer gleichzeitig mit sanftem Zwang zu einem Dauer-Login bei den vielfältigen Diensten und Anwendungen der Suchmaschine zu bringen.
Das Alles bringt den Vorteil, die Omnipräsenz der Suchmaschine noch weiter zu erhöhen und zugleich die Möglichkeit, die jeweils in abweichender Form gelieferten Suchergebnisse aufgrund der besseren Kenntnis des Individuums zu perfektionieren. Ein Umstand, der in der ober erwähnten Blindsuche übrigens nicht berücksichtigt werden kann, aber das nur am Rande.
Bing und Yahoo als Wettbewerber stehen also vor zwei massiven Problemen: Zum Einen hat sich Google im Laufe der Jahre eine übermächtige Marke aufgebaut und zum anderen hat die Suchmaschine das Web mit einem eigenen Netz von Suchschlitzen, Anwendungen (online und offline), Messmöglichkeiten (z.B. Google Analytics), Browser-Erweiterungen (z.B. Google Toolbar) etc. überzogen, das den Benutzer wie ein schwarzes Loch ständig in das eigene Gravitationsfeld zieht.
Gegen diese Vorteile haben Microsoft und Yahoo einen schweren Stand. Doch man muss zugeben, dass sich die Ausgangssituation der Wettbewerber jetzt verbessert, wenn beide - ansonsten ebenfalls austauschbaren - Suchmaschinen künftig an einem Strang ziehen. Das beginnt schon damit, dass sie künftig unter der neuen, noch unbelasteten Marke "Bing" auftreten, die sicher weniger Altlasten mit sich schleppt, als "Microsoft" und "Yahoo".
Hinsichtlich der Omnipräsenz Googles darf man wiederum nicht vergessen, dass Microsoft ("Live") und Yahoo in der Vergangenheit ebenfalls ihre Netze ausgeworfen haben. Benutzer des Microsoft Internet Explorers - immer noch der am häufigsten genutzte Browser, finden in ihrem Browser sicher überdurchschnittlich viele Wege, die bisher zur Live-Suche führten.
Auch Yahoo konnte in den vergangenen Jahren seinen Toolbar auf Explorer-Installationen im Huckepack-Verfahren einschleppen. Das etwa durch die Kooperation mit Sun, denn bei jedem Java-Update wird die Installation des Yahoo Toolbars nahe legt. Man darf sicher sein, dass alle Yahoo-Suchschlitze in Zukunft ebenfalls dem Bing-Deal unterworfen werden.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass Microsoft mit dem Abkommen die Ausgangsposition der Bing-Suche hinsichtlich der starken Marke und der Omnipräsenz Googles eindeutig verbessert hat. Man sollte auch nicht vergessen, dass der Quasi-Monopolist in Sachen Betriebssysteme seine eigene Stärke in der Vergangenheit häufig auszunutzen wusste und viele Ziele erreichte (z.B. Netscape-Vernichtung), noch ehe beispielsweise die Wettbewerbshüter reagieren konnten.
Daher scheint es wohl nicht angebracht, den Deal Microsoft-Yahoo von vornherein als ungefährlich darzustellen. Doch man kann sicher sein, dass Google die Herausforderung nicht so sorglos betrachten wird, wie es der Kommentar der ComputerWorld tut.
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