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23. November 2009
Posted in Internet News
Der Anstoß zu diesen Gesprächen ging nach Angaben der Zeitung von Murdochs News Corp. aus und die Gespräche befinden sich noch in einer sehr frühen Phase. Allerdings soll Microsoft von seiner Seite aus ebenfalls Kontakt zu großen Verlagen aufgenommen haben, um diese davon zu überzeugen, ihre News nicht mehr von Google spidern zu lassen.
Nun ist es eine Sache, Google bei Verlegern madig zu machen und eine Andere, für die (exklusive?) Indexierung von News in der eigenen Suchmaschine zu zahlen. Was wäre es Microsoft wohl wert, die Murdoch-Zeitungen in einer News-Suchmaschine zugänglich zu machen? Einige Kommentatoren erwähnen in diesem Zusammenhang den 900 Millionen-Dollar-Deal, den Google im Sommer 2006 mit Murdochs MySpace geschlossen hat.
Doch dabei ging es um Online-Werbung und einen Suchmaschinenschlitz auf den MySpace-Seiten, jedoch nicht nur um die Indexierung der MySpace-Seiten. Außerdem wurde der Deal nie in vollem Umfang verwirklicht, denn die Entwicklung bei MySpace verlief leider nicht so erfolgreich, wie erwartet. Weshalb Google-Chef Eric Schmidt sich später auch unzufrieden äußerte.
Bei einem Deal zwischen Microsoft und Murdoch dagegen ginge es vermutlich nur um das Recht, News-Inhalte von Murdoch zu spidern und über die News-Suche bei Bing zugänglich zu machen. Womit sich dann allerdings auch die Frage erhebt, wie man im speziellen Fall des Wall Street Journal verfahren würde. Denn das Wirtschaftsblatt zählt ja 1 Million zahlender Abonnenten. Eine Zahl, die übrigens seit vielen Jahren unverändert kolportiert wird.
Wenn es diese Abonnenten tatsächlich noch gibt, würden sie nicht eine Kündigung des Abos erwägen, sobald Bing die Nachrichten kostenlos zugänglich macht? Oder würde Bing nur auf die WSJ-Artikel verlinken, wo der Besucher dann von einer Login-Aufforderung erwartet wird? Das würde die Bing-Suche nicht sehr viel attraktiver machen.
Wie würde Google es wiederum bewerten, wenn Murdoch seine Nachrichten aus dem News-Index entfernt? Vermutlich würde sich das Entsetzen der Suchmaschine in diesem Fall sehr in Grenzen halten. Der britische Google Direktor Matt Brittin meint dazu jedenfalls nur, dass die Nachrichten aus wirtschaftlicher Sicht keinen großen Anteil an den Einnahmen Googles haben.
Und für den pragmatisch denkenden Business Insider steht es fest, dass Nachrichteninhalte sich von einer Murdoch'schen Google-Sperre nicht aufhalten lassen. Tatsächlich beschwert sich der Medien-Tycoon beispielsweise regelmäßig über die vermaledeiten Blogger, die seinen Zeitungen das Wasser abgraben. Doch auch ohne Blogs bliebe die Gefahr die Gleiche. Schon seit jeher werden berichtenswerte Inhalte des Wall Street Journal von anderen Medien zitiert, beziehungsweise übernommen.
Das Gleiche würde wohl geschehen, wenn Murdochs Boulevard-Blätter ebenfalls kostenpflichtig eingezäunt würden.Die Nachrichteninhalte wären also mit dieser Politik kaum zu schützen und andere Medien würden Werbeeinnahmen produzieren, weil Google ihnen die notwendigen Besucher liefert.
Wobei sich die Frage anschließt, wie groß diese Werbeeinnahmen denn eigentlich sind. Zu diesem Thema liegen nur Schätzungen vor, doch die sind eher ernüchternd. Der Medienwissenschaftler Ryan Chittum geht beispielsweise davon aus, dass das Wall Street Journal Dank Google jeden Monat knapp 1 Million Dollar an zusätzlichen Werbeeinnahmen erzielt.
Würde Murdoch mit Bing in der beschriebenen Form kooperieren, dann müsste Microsoft für diese Einnahmenausfälle wohl Kompensationszahlungen leisten. Das gilt nicht nur für das Wall Street Journal, sondern auch für alle anderen Zeitungen der News Corp. Zusätzlich würde sich vermutlich das Problem stellen, dass im Fall eines solchen Vertrages auch bei anderen Medienhäusern und Content Providern Begehrlichkeiten entwickeln würden.
Wollte Microsoft wahre Exklusivität müsste sich der Software-Konzern also zu einer caritativen Einrichtung für die Verlagswelt entwickeln. Sonst könnte Google den Deal leicht torpedieren und eigene Absprachen mit anderen Content Providern treffen. Wobei man immer bedenken muss, dass weder Google noch Bing Werbeanzeigen auf den News-Seiten einblenden.
Kurz: Auch der neueste Bericht der Financial Times über einen möglichen Deal zum Schaden Googles kann nicht überzeugen. Microsoft hat sicher ein Interesse, Google Schaden zuzufügen. Doch dieses Interesse ist kaum so groß, dass Microsoft sich auf ein Verlustgeschäft einlässt. Es mag zwar sein, dass eine gute News-Suche bei Bing die Nutzung der Suchmaschine allgemein erhöhen könnte. Doch dieses Ziel wäre auch ohne Zahlungen erreichbar, die man als Spende und nicht als Investition bezeichnen muss.
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