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12. Januar 2010
Posted in Internet News
Die Tragweite des Vorfalls wird deutlicher, wenn man sich an die Ereignisse des Jahres 2007 erinnert und das Verhalten beider Registries vergleicht. Damals setzte die Anti-Spam-Organisation Spamhaus.org das österreichische NIC.at unter Druck und forderte dringlich die Löschung von Domains, die bekanntermaßen von Phishern für kriminelle Zwecke missbraucht werden. NIC.at weigerte sich dennoch, ohne richterlichen Beschluss gegen die Domains und ihre Inhaber vorzugehen.
Im Fall Nominet handelte es sich angeblich ebenfalls um einen kriminellen Hintergrund. Nach Darstellung der Polizei handelte es sich um Sites, auf denen asiatische Banden gefälschte Markenartikel zum Verkauf brachten. Nach anderer Darstellung sollen diese Banden sogar bei Google für ihre Fälschungen geworben haben.
Die von Nominet verlangte Löschung erfolgte allerdings nicht wegen der angeblich nachgewiesenen Produktpiraterie, sondern wegen formaler Fehler im Domain-Vertrag. Die bei den Domain-Eintragungen gemachten Adressangaben waren falsch. Auf der Grundlage mutmaßlicher Vertragsfehler wurden also 1.219 Domains gelöscht.
Wie es jetzt heißt, war die Maßnahme erfolgreich und gerechtfertigt, denn "nur 20 Domain-Inhaber beschwerten sich und gerade zwei Domains wurden wieder in Betrieb genommen". Doch genügt das als Rechtfertigung für einen derart massiven Eingriff der Polizei in das Domain-System?
Möglicherweise sind auch nicht alle Beteiligten bei Nominet von der Richtigkeit der Maßnahme überzeugt. Kurze Zeit nach der Sperrung der Domains (03.12.09) kündigte die Rechtsberaterin der Registry am Heiligabend ihren Dienst. "Nach einer turbulenten Periode für Nominet" wie The Register schreibt, in deren Folge die britische Polizei ihre Machtbefugnisse bezüglich der Registry und des Domain-Systems deutlich ausgeweitet hat.
Jetzt also kann die Polizei ohne weitere Prüfung
britische Domains abschießen, ohne die Jurisdiktion um Genehmigung zu
bitten. Man möchte meinen, dass damit der Polizei ein wenig zu viel
Macht in die Hände gelegt wurde.
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