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Microsoft scheint gelungen, was viele andere große Unternehmen als auch Regierungen weltweit bisher noch nicht geschafft haben: Cryptome.org, der mit Wikileaks vergleichbare Server des New Yorker Architekten John Young, wurde vom Provider des Dienstes dekonnektiert, die Domain auf "Hold" gesetzt.

Aktueller Hintergrund der Maßnahme ist eine DMCA-Beschwerde Microsofts bei WoldNIC (Network Solutions), dem Provider des Dienstes. Der Verstoß gegen das US-Urheberrechtsgesetz (DMCA) soll darin bestehen, dass Cryptome ein Microsoft-Handbuch veröffentlicht hat, das ausschließlich für Strafverfolgungsbehörden gedacht ist.

In dem 22 Seiten starken Handbuch wird in einfachen Worten beschrieben, welche Informationen (IP-Adressen, LogIn-Zeitpunkte etc.) von welchem der verschiedenen Microsoft-Dienste im Fall von Ermittlungen angefordert werden können. Das Handbuch enthält dabei keine wirklich überraschenden Informationen. Wie es Wired ausdrückt, ist "Scheinheiligkeit bei den großen Internet-Unternehmen wie Yahoo, Microsoft und Google der Name des Spiels", denn gegenüber den Kunden präsentieren sie sich als vertrauenswürdige Helfer, denen man alle privaten Daten anvertrauen kann. Aber wenn es um die konkrete Zusammenarbeit mit den Behörden geht, werden die Firmen sehr verschwiegen. Dann greifen sie zur Hilfe von Anwälten, missbrauchen rechtliche Verfahren und wenden die gewohnte "double-talk" Rhetorik an, mit der negative Dinge in neutralerer Form ausgedrückt werden.

Die rechtmissbräuchliche Nutzung des DMCA-Verfahrens ist dabei in diesem Fall offensichtlich. Microsoft muss keinen wirtschaftlichen Schaden (z.B. Einnahmenausfall) durch Piraterie befürchten, nur weil das Handbuch veröffentlicht wurde. Dennoch wird der Verstoß gegen das Urheberrecht als Begründung genutzt. Da sich der Architekt aber auch in der Vergangenheit als sehr streitbar erwiesen hat, wird er sich wohl auch gegen diesen Angriff zur Wehr setzen. Unter cryptomeorg.siteprotect.net entsteht jedenfalls jetzt schon ein Mirror des Dienstes und im Laufe der nächsten Stunden sollen dort wieder alle Informationen zu finden sein, die schon in der Vergangenheit für Aufsehen sorgten.

Seien es die Namen verdeckter Ermittler, Stasi-Daten, Bilder von toten US-Soldaten aus dem Irak-Krieg oder Listen mutmaßlicher MI6-Agenten. Wahrscheinlich wird auch das Microsoft-Handbuch dort bald wieder erscheinen. Doch das hat jetzt weniger Brisanz. Denn weil es sich bei diesem Dokument um Informationen handelt, die für die Öffentlichkeit von Interesse sind, kann es problemlos auch von Wired und anderen US-Medien veröffentlicht werden. Ohne den DMCA-Missbrauch wäre das vermutlich nicht passiert.

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