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Die Veröffentlichung der Afghanistan Logs hat der Whistleblower-Site Wikileaks vor allem in den USA eine Menge Kritik eingebracht. Selbst AllThingsDigital, das betont jugendlich aufgemachte IT-Magazin von Rupert Murdochs Wall Street Journal gibt den Lesern Hilfestellung bei der "richtigen" Einordnung des Ereignisses.

Die Veröffentlichung ist demnach als frustrierter Versuch des heimlichtuerischen Site-Betreibers Julian Assange zu sehen, dem die letzten Leckagen des Dienstes zu wenige Medienaufmerksamkeit gebracht haben. Jetzt will sich Assange mit führenden Medienorganisationen zusammentun, um mehr Publizität zu erhalten und gab zum Auftakt dieser neuen Strategie eine seiner sonst seltenen Pressekonferenzen.

So ziemlich alles an dieser Darstellung ist zwar falsch, denn Assange ist lediglich geheimnistuerisch, wenn es um seine Quellen geht, Wikileaks konnte sich in den letzten Monaten über mangelnde Popularität nicht beklagen und wer alleine bei YouTube den Namen Assange eingibt, findet schon Dutzende Videos über den Mitbegründer des Dienstes, beziehungsweise seine öffentlichen Auftritte.

Doch mit dieser Art der Berichterstattung steht das Jugendmagazin des Finanzblatts nicht alleine. Selbst die New York Times gibt in ihrem Meinungsteil einem Mitglied des "Center for a New American Security" Gelegenheit, über Wikileaks und Assange herzuziehen. Einem konservativen "Think Tank" also, der dem Militär nahesteht.

Und so, wie es für AllThingsDigital "schändlich" war, dass Wikileaks im April das Video eines Hubschrauberangriffs auf Zivilisten zeigte, sieht auch dieser Kommentator in zivilen Opfern kein Problem. Wörtlich meint der Kommentator "Es scheint, dass der Tode eines jeden Zivilisten in einem Krieg, also ein unvermeidbares Ereignis, (für Assange) ein 'Verbrechen' darstellt". Genau das dürfte die Einstellung von Assange ziemlich genau treffen, denn für ihn ist jedes Opfer ein Opfer zu viel.

Für viele US-Bürger ist die Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente jedoch ein Geheimnisverrat, ein Dolchstoß in den Rücken der kämpfenden Truppe. Von daher wundern die vielen eher nachteilig formulierten Berichte in der US-Presse nicht. Auch von Seiten der US-Regierung wurde Kritik an der Veröffentlichung geübt, wobei man bei dieser Kritik betonte, dass ein Großteil der Dokumente eine Zeit betrifft, die vor der Regierungszeit von Barack Obama liegt.

Dennoch macht man sich auch jetzt wieder auf die Suche nach dem "Leck", wobei nicht auszuschließen ist, dass diese Suche auch Maßnahmen gegen Assange beinhalten können. Der meinte vor wenigen Wochen auf die Frage, ob er vom US-Auslandsnachrichtendienst CIA verfolgt wird, nur trocken "Wir haben von Zeit zu Zeit Überwachungserscheinungen" ("We have surveillance events from time to time").

Man muss nach dem letzten Wikileaks-Coup hoffen, dass es dabei bleibt. Erst recht, nachdem Assange auf die Frage nach seinen Motiven im Spiegel-Interview meinte, dass es ihm Spaß macht, hilfsbedürftigen Menschen zu helfen und "Bastarde zu zermalmen". Sein bester Schutz dürfte es jetzt sein, dass Wikileaks.org auch ohne ihn Bestand haben wird. Und sollte doch etwas gegen die Site unternommen werden, so haben sich inzwischen schon einige Mirror entwickelt.

Wobei auch diese gestern heftig in Anspruch genommen wurden, wie man an den Statistiken etwa von Wikileaks.info erkennen konnte. Dass es diese Mirror gibt, werden inzwischen viele gutheißen. Nicht zuletzt, nachdem Wikileaks erst vor wenigen Monaten dokumentierte, wie die deutsche Öffentlichkeit gezielt im Sinne der US-Politik manipuliert wird.

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