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Neu ist sie nicht, die Erkenntnis des Wall Street Journal, dass Google an einem eigenen sozialen Netzwerk arbeitet. Schon seit Wochen wird kolportiert, dass Google Me bald an den Start gehen wird. Und die Hinweise häufen sich, dass die Vermutung sich bestätigt. Doch die Spannung bleibt, wie man sich diese soziale Google-Anwendung vorzustellen hat.

Eric Schmidt als Chef der Suchmaschine gibt sich jedenfalls bedeckt. In einem Interview mit dem Finanzblatt wollte Schmidt die Entwicklung eines sozialen Netzwerks mit sozialen Spielen nicht bestätigen und die noch direktere Frage, ob denn der geplante Dienst Ähnlichkeiten zu Facebook aufweisen wird, führt zu der Antwort "die Welt braucht keine Kopie einer Sache" ("the world doesn't need a copy of the same thing").

Solche Sätze sind selbstverständlich nicht dazu gedacht, die Klarheit zu erhöhen. Klar ist allerdings, dass Google gerade erst 100 Millionen Dollar in Zynga investiert hat, den Spielehersteller, der unter anderem für Farmville verantwortlich ist, ein von 60 Millionen Menschen genutztes Facebook-Spiel. Auch mit anderen Spieleherstellern soll Google bereits Gespräche geführt haben, was als Teil einer breiteren "social-networking Initiative"gedeutet wird.

Doch das heißt noch nicht, dass Google tatsächlich eine eigene Variante eines solchen Dienstes aufbaut. Es spricht sogar im Gegenteil Einiges dagegen, denn mit dem sozialen Netzwerkeln hat Google bisher kein allzu glückliches Händchen gezeigt. Googles Orkut mag in Brasilien und auch in Indien erfolgreich sein, doch dieses gewachsene Projekt ist vermutlich kein Vorbild für ein geplantes Google Me. Sonst würde Google einfach Orkut an die Bedürfnisse anpassen.

Der Testlauf mit Google Buzz erwies sich wiederum als Fiasko und viele andere Ansätze in dieser Richtung wie etwa Google Profile oder auch iGoogle wollen nicht recht vom Fleck kommen. Warum also sollte Google nach diesen Episoden und angesichts einer zunehmend von Facebook dominierten Welt der sozialen Netzwerke versuchen, mit einem eigenen Netzwerk in Konkurrenz zu dieser Massenerscheinung zu treten?

Wo doch klar ist, dass Facebooks Attraktivität in erster Linie durch seine Größe bedingt ist. Die Chancen, dort Freunde wiederzufinden ist enorm groß und wächst immer mehr. Google mag zwar ebenfalls eine große Zahl von Menschen durch einen authentifizierten Zugang an sich gebunden haben. Doch das bedeutet noch nicht, dass diese Menschen mit Google auch ihre Freizeitbedürfnisse befriedigen und ihre sozialen Kontakte pflegen wollen.

Etwas anderes wäre es jedoch, wenn Google den Zugang über die Spielehersteller nutzen könnte, um seinen eigenen Einflussbereich bei den Netzwerken zu vergrößern. Ein Netzwerk-Zugang durch die Hintertür gewissermaßen. Hier könnte zwar beispielsweise Facebook die Daumenschrauben anziehen und den Zugang zur eigenen Klientel nur selektiv oder gar nicht gewähren.

Aber auch Facebook muss die Wünsche seiner Mitglieder berücksichtigen und es wird schwer sein, einem Millionenpublikum wie etwa den Farmville-Spielern einen Wunsch abzuschlagen. Man sollte also abwarten, ob Google Me sich tatsächlich als Facebook-Kopie erweisen wird. Vielleicht ist Google Me vielmehr ein soziales Brecheisen, um in das geschlossene Facebook-Biotop oder auch in andere Netzwerke einzudringen.

Schließlich ist das Aggregieren von Daten eine der Leidenschaften Googles. Und mit Einem hat Schmidt sicher recht, eine Facebook-Kopie braucht wirklich niemand. 

 

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