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Das Wall Street Journal berichtet über einen Konflikt zwischen mehreren Menschenrechtsgruppen einerseits und Wikileaks andererseits. Die Menschenrechtler haben Wikileaks aufgefordert, die veröffentlichten Dokumente des US-Militärs besser zu redigieren, um darin genannte Informanten in Afghanistan vor Repressalien durch die Taliban zu schützen.

Alle Informationen, über die das Finanzblatt verfügt, stammen von namentlich nicht genannten Personen, die aber den Briefaustausch zwischen Wikileaks und den Menschenrechtsorganisationen wortwörtlich kennen. Dieser Austausch hat demnach mit einer Mail von Amnesty International begonnen, an der sich mehrere andere Organisationen beteiligten.

In der Mail teilten AI und die weiteren Unterzeichner ihre Bedenken wegen der Sicherheit afghanischer Zivilisten mit, deren Namen in den bisher veröffentlichen 76.000 Dokumenten als US-Helfer genannt werden. Auf dieses Schreiben soll Wikileaks-Sprecher Julian Assange mit der Frage geantwortet haben, ob AI denn bereit sei, Personal abzustellen, um die bereits öffentlich gemachten Dokumente zu redigieren.

Das beantwortete die Menschenrechtsorganisation mit einem Hinweis auf ihre begrenzten Ressourcen, doch man wolle die Idee nicht generell ablehnen. Wie es im Wall Street Journal weiter heißt, wurde Assange sogar der Vorschlag gemacht, eine Telefonkonferenz mit anderen Menschenrechtsorganisationen zu diesem Thema abzuhalten. Doch das habe der Wikileaks-Sprecher folgendermaßen beantwortet: "Ich bin sehr beschäftigt und habe keine Zeit, mich mit Leuten zu beschäftigen, die es vorziehen, nichts anderes zu tun als ihre eigenen Ärsche in Sicherheit zu bringen. Wenn Amnesty nichts tut, werde ich eine Pressemitteilung veröffentlichen, die diese Verweigerung in den Vordergrund stellt".

Ob sich der Dialog wirklich in dieser Form abgespielt hat, muss offen bleiben. Im Twitter-Konto von Wikileaks gibt es jedenfalls ein Posting, das Amnesty erwähnt. Dort heißt es: "Das Pentagon will uns in den Bankrott treiben, indem es sich der Überprüfung der Dokumente verweigert. Die Medien übernehmen keine Verantwortung. Amnesty auch nicht. Was tun?" Damit wird zumindest bestätigt, dass es einen Konflikt auch mit AI um die Redaktion der "Afghanistan Logs" gibt.

Schon kurz nach der Veröffentlichung der 76.000 Dokumente geriet Wikileaks in die Kritik, weil die US-Dokumenten die Namen von Zuträgern, Verhandlungspartnern und anderer Afghanen erwähnen. Diese Personen seien durch die Veröffentlichung in Lebensgefahr gebracht worden. Die NewsWeek berichtete inzwischen sogar über eine Erschießung, die in Zusammenhang mit der Wikileaks-Veröffentlichung stehen soll.

Wikileaks hat dazu die Position bezogen, man habe es dem Pentagon angeboten, die Dokumente vor, beziehungsweise auch noch nach der Veröffentlichung der Dokumente zu redigieren. Doch diese Hilfe sei abgelehnt worden. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte dazu wiederum, Wikileaks habe das Pentagon niemals "direkt" angesprochen. Die laut Wall Street Journal sehr schroff verlaufene Kommunikation mit den Menschenrechtsorganisationen rückt Wikileaks in kein besonders gutes Licht und lässt speziell Assange als ignoranten Besserwisser erscheinen.

Doch es ist schwierig, die Situation anhand des Berichtes einer Zeitung zu beurteilen, die üblicherweise eher der US-Regierung, beziehungsweise dem "Corporate America" den Rücken stärkt. Nichtsdestotrotz bleibt das Problem der Dokumente, die eine Gefahr für Leib und Leben enthalten können und die von Wikileaks zwar veröffentlicht, aber nicht redigiert werden können.

Dieses Problem bedarf der Lösung, wenn Wikileaks nicht an Glaubwürdigkeit verlieren will. Man wundert sich, warum Wikileaks für diesen Zweck noch keine Wiki-Lösung entwickelt hat. Statt um 700.000 Dollar neuer Spenden zu bitten, ließe sich doch sicher eine Möglichkeit finden, eine zuverlässige Editierungsmöglichkeit zu schaffen. Ein "Peer Review" könnte beispielsweise davor warnen, dass die Dokumente "falsch" bearbeitet werden. Und eine Teilnahme auf Basis des "Invitation only" könnte vermutlich ebenfalls verhindern, dass zu viele US-Militärs als Wikileaks-Editoren abgestellt werden.

Wenn täglich Millionen ihre Facebook-Seiten aktualisieren, müsste es doch möglich sein, ein paar tausend Helfer für die Redaktion dieser Dokumente zu finden.

 

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