06. Oktober 2010
Posted in Internet News
Die geplante und inzwischen wohl auch umgesetzte Gründung einer gemeinnützigen GmbH durch den Wikimedia e:V. beschäftigt weiter die Gemüter der Wikimedia- beziehungsweise Wikipedia-Kritiker. Die Löschung eines extrem kritischen Telepolis-Beitrags (vgl.
Archiv) durch den Heise-Verlag lässt gulli.com sogar von "Zensur" sprechen. Dabei heißt es in dem Gulli-Bericht selbst, dass es sich nach Angaben des Wikimedia Vereins nicht um eine Abmahnung handelte, sondern um eine Entscheidung des Verlags, dem man die eigene Sicht der Dinge vorgetragen habe. Tatsächlich steht anstelle des fraglichen Telepolis-Artikels zu lesen, er sei aus "redaktionellen Gründen entfernt worden, "Der Artikel muss noch einmal überprüft werden, da gegen grundlegende Behauptungen Einwände erhoben wurden". Eine Überprüfung von möglicherweise sachlich falschen Angaben kann aber kaum als "Zensur" bezeichnet werden. Dennoch lamentiert man bei Gulli über eine solche und bemängelt weiter, dass "der Löschaktion 118 kritische Kommentare von Telepolis-Usern zum Opfer gefallen" sind. Wobei hinzufügen wäre, dass nicht wenige der Kommentare sich mit einem besonders kritischen weiblichen Mitglied des Vereins beschäftigten und deren Eignung für diese Kritik in Frage stellten. Gemeint ist Martina N., die im vergangenen Jahr wegen vermeintlicher Lizenz-Verletzungen ihrer bei Wikipedia eingestellten Bilder den Web-Blaster (Alvar Freude) abmahnte. Doch dieses Detail steht vermutlich dem Täter-Opfer-Schema entgegen, das sich für Medienberichte immer anbietet. Es passt dagegen eher der Hinweis Gullis, dass "seit der Gründung des Vereins im Juni 2004 noch kein einziger Cent an die Mutterorganisation in den USA überwiesen" wurde. Das klingt nach Bereicherung und Missbrauch, lässt den Verein in einem üblen Licht erscheinen. Dabei war sogar der Telepolis-Artikel in diesem Punkt noch etwas fairer und erwähnte, dass Wikimedia e.V. aufgrund der Rechtslage keine Mittel an die US-Stiftung überweisen darf, und dass anstelle dessen Spendengelder genutzt wurden, um Wikipedia-Veranstaltungen zu organisieren, und um andere Kosten zugunsten der Wikipedia zu übernehmen. Erst mit der Gründung der gGmbH können voraussichtlich Mittel in die USA direkt abgetreten werden. Eine Entscheidung, die der von den Mitgliedern gewählte Vorstand wohl in aller Stille traf, und damit einige der Mitglieder brüskierte. Eine Entscheidung, die aber gleichwohl auch bei den kritischen Mitgliedern eher auf Zustimmung als auf Ablehnung stößt. Vielleicht ist das Problem also weniger die Entscheidung des Vorstands, sondern liegt im Verein selbst begraben. Doch auch dafür gibt es eine einfache Lösung: Spendenwillige müssen ihr Geld nicht dem deutschen Wikimedia Verein als Mittler oder Treuhänder überlassen, sondern können direkt und ohne den üblichen Vereinsschwund an die Wikimedia Foundation überweisen. Dann erübrigen sich auch die Diskussionen und Hahnenkämpfe des deutschen Vereins.
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