Wellness Südtirol
In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken
18. November 2010
Posted in Internet News
Der britische Kultusminister Ed Vaizey tritt in Großbritannien eine neue, nationale Debatte über das Thema "Netz-Neutralität" los. Vaizey hält es für angemessen, wenn Provider frei mit neuen Kostenmodellen experimentieren können - und beispielsweise von Bandbreiten-Fressern wie Google (YouTube) oder der BBC Zusatzgebühren verlangen. Womit der Minister einem Zwei-Klassen-Netz das Wort redet, denn sollten BBC oder Google sich weigern, diese Gebühren zu zahlen, dann könnten die Provider diese Internet-Anbieter nachrangig behandeln.
Der Provider-Verband ISPA begrüßt die Stellungnahme Vaizeys, aber das ist nachvollziehbar. Nicht nur, weil es verständlich ist, dass der Interessenverband - vor dem Hintergrund der europäischen Diskussion - seinen Mitgliedern größtmögliche Handlungsfreiheit verschaffen will und neue Einnahmequellen für sie anstrebt.. Wie Vaizey richtig feststellt, setzen die Provider ohnehin heute schon Traffic Managament ein, um den Datenverkehr zu regeln. Doch der Minister verkennt zwei Dinge:
Erstens handeln die Provider damit heute schon in einer Grauzone, solange sie keine Informationen zu den Einzelheiten dieses Traffic-Managements liefern. Würde ein Zugangs-Provider seinen Kunden beispielsweise nicht transparent machen, dass VoIP-Datenverkehr von ihm blockiert wird, wäre das aus rechtlicher Sicht kritisch.
Zweitens aber unterschätzt der Minister die Ausmaße des Problems, denn es ist leicht, von bekannten Internet-Größen wie BBC oder Google Zusatzgebühren zu verlangen. Ob sie dafür zahlen würden, sei dahingestellt, schließlich sind beide finanziell gut ausgestattet. Doch eine Zwei-Klassen-Einteilung würde keineswegs bei Google und BBC enden. Und es ist durchaus die Frage, ob die zusätzlichen Einnahmen, mit denen die Provider prosperieren und die Infrastruktur ausbauen sollen, nicht zugleich das Ende weniger gut ausgestatteter Internet-Projekte bedeutet. Diese stehen vor der Wahl, zusätzliche Gebühren zu zahlen, oder ihre Interessenten durch lange Wartezeiten zu vergrätzen. Wovon insbesondere Nonprofit-Projekte betroffen sein sollten.
Dabei ist nicht einmal klar, welche Provider überhaupt von diesen Zusatzgebühren profitieren sollten. Sind alle Provider gemeint, oder nur die Zugangs-Provider, die den Kunden direkt versorgen? Allerdings wird die Aufteilung der Zusatzeinnahmen für die Provider voraussichtlich das geringste Problem darstellen. Sie sind es beispielsweise schon vom CIX-Betrieb her gewohnt, aus dem Kleinklein des Datenaustauschs zwischen den Netzen ein florierendes Geschäft zu machen. Da werden sie vermutlich auch keine Probleme haben, diese Zusatzgelder aufzuteilen.
Probleme könnte es höchstens damit geben, einen gemeinsamen Schlüssel zu finden, wie diese Einnahmen dann auch verbindlich für den Aufbau der Infrastruktur verwendet werden müssen. Wie groß das Lamento wohl wäre, würde von ihnen verlangt, diese Gelder beispielsweise in den unrentablen Ausbau der Infrastruktur in ländlichen Gebieten zu investieren?
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