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14. Januar 2011
Posted in Internet News
Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat während eines Vortrags an der Bristol University eine bemerkenswerte Feststellung getroffen. Seine persönliche Meinung ist es demnach, dass App Store-Modelle wie sie Apple eingeführt hat, möglicherweise eine größere Bedrohung für das diversifizierte und offene Ökosystem des Internet sind, als die vieldiskutierte Netzneutralität.
Hinsichtlich der Netzneutralität bezieht Wales wohl eine an die jeweilige Fragestellung angepasste, eher undogmatische Position. Im Zusammenhang mit diesem Thema seien teilweise sehr unrealistische Probleme diskutiert worden. Oft gehe es dabei um Ängste vor dem, was hypothetisch passieren könnte und nicht um tatsächliche Gegebenheiten. Doch bei solchen Modellen wie dem iTunes App Store müsse man sich die Frage stellen, welche Bedrohung mit ihnen einhergehen.
Offenbar meint er damit hauptsächlich die Rolle Apples als Filter und Kontrolleur der dort gehandelten Programme und Inhalte. Wales spricht von einem "Nadelöhr" ("Chokepoint") des App Store und er meint weiter, dass "wenn man ein Gerät gekauft hat, dann sollte man es auch kontrollieren". Seine Kritik richtet sich also in erster Linie gegen die von Apple kontrollierten Zugangsbeschränkungen für Informationsanbieter im weitesten Sinne sowie um die Monopolstellung, die Apple bei "seinen" Geräten als Informationslieferant einnimmt. Einem iPhone-Besitzer ist es de facto nicht erlaubt, bei anderen Händlern als Apple einzudecken.
Doch eigentlich wäre diese Kritik sogar noch viel weiter zu fassen. Wenn sich die Phantasien beispielsweise des Medien-Moguls Rupert Murdoch erfüllen würden, der von einer Welt der profitablen Bezahlinhalte in einem streng kontrollierten Gerätekorridor aus iPhones und iPads träumt, dann droht der Informationsverbreitung im WWW eine "Rohstoffverknappung". Denn dann würde sich ein Großteil der konventionellen Informationsanbieter (Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen) aus dem WWW zurückziehen und dort keine Informationen mehr veröffentlichen. Warum auch, wenn sich in einem App Store wie jenem von Apple wirtschaftlichere Möglichkeiten bieten?
Was das für das WWW bedeuten würde, ist schwer zu sagen. "Soziale" Inhalte würden dann jedenfalls eine viel größere Rolle spielen als bisher. Und um am Beispiel der Wikipedia zu bleiben: Es wäre dort kaum mehr möglich, Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel in Artikeln der Enzyklopädie als Beleg zu verlinken. Denn die Bezahlinhalte der App Store-Welt lassen sich nicht verlinken, sie sind nicht mehr Teil der Hypertext-Umgebung WWW.
Aus dieser Sicht sind App Store-Modelle vielleicht sogar weniger eine Bedrohung als vielmehr ein klarer technologischer Rückschritt. Aber ein Rückschritt, der Profit verspricht.
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