Wellness Südtirol
In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken
18. Januar 2011
Posted in Internet News
"Welt online" gibt den Wikileaks-Enthüller: Man habe das "Kartell" jener Medien gebrochen, die - von Julian Assange ermächtigt und zugleich kontrolliert - bisher alleine Zugriff auf die geheimen US-Depeschen nehmen konnten. In einem Kommentar nutzt man auch gleich die sich daraus ergebenden Chancen und korrigiert die angeblichen Fehleinschätzungen Assanges. Der habe sich geirrt, wenn er in den Depeschen nur die "dreckigen Geheimnisse der USA" erkannt habe. Die von Wikileaks verbreiteten "Telegramme zeugen demnach vielmehr von einem gut funktionierenden diplomatischen Apparat".
Eine weitere Auseinandersetzung mit diesem Kommentar kann man sich allerdings sparen. Nicht, weil er wie eine Lobhudelei auf die US-Diplomatie wirkt und vielleicht sogar wie ein offener Angriff auf den Wikileaks-Sprecher. Der Kommentar ignoriert aber bewusst die von den Cables offengelegten Straftaten und fragwürdigen Winkelzüge der US-Politik. Wie etwa die Anordnung eines Lauschangriffs auf führende UN-Vertreter durch die US-Außenministerin, oder wie die erfolgreichen Bemühungen, sich durch Spionage, Drohungen und Versprechungen Vorteile in der internationalen Klimapolitik zu verschaffen. Insgesamt wirkt der Kommentar der Welt daher auch wie der bei Journalisten beliebte Versuch, "die Dinge einfach mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen". Leider wirkt der Versuch in diesem Fall mehr bemüht als gelungen.
Dennoch ist es zu begrüßen, dass nun ein weiteres deutsches Medium in den Besitz der - hoffentlich authentischen - Unterlagen gekommen ist. Das Vorhaben Assanges, nur vier beziehungsweise fünf führenden Medien weltweit Zugang zu den Cables zu geben, mag aus PR-Sicht richtig gewesen sein. Doch was die eigentliche Aufgabenstellung ("Our goal is to bring important news and information to the public"). von Wikileaks angeht, so war diese Selektion ein Fehler. Das zeigte sich spätestens, als in Spanien einige Cables nur infolge heftiger Proteste durch El País veröffentlicht wurden, obwohl sie den US-Einfluss auf die aktuelle spanische Gesetzgebung demonstrieren konnten.
Doch glücklicherweise war Assanges Plan einer selektiven Verbreitung von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die New York Times, die es sich mit dem Wikileaks-Sprecher verdorben hatte, erhielt Kopien der Cables vom britischen Guardian. Das auch, um eine Intervention der britischen Justiz zu erschweren, um ein englischsprachiges Backup-Medium zu ermöglichen. Und auch die jetzt in den Besitz der Welt gelangten Cables sind nicht wirklich der Bruch eines Kartells, wie es die Welt darstellt. Die überregionale deutsche Zeitung hat die Cables vielmehr von der norwegischen Aftenposten erhalten, die die Daten wiederum im Dezember von unbekannt erhalten haben will.
Ein Unterschied zu dem Deal, den der Guardian mit der New York Times vereinbarte, ist allerdings deutlich: Die US-Zeitung hielt sich an die gleichen Auflagen, wie sie von Wikileaks auch dem Guardian gemacht worden waren. Die Welt dagegen meint, sie könne nun "ohne jede Beschränkung" mit den Cables arbeiten. Das ist vermutlich richtig. Doch es zeigt auch, dass der Welt nicht an einer weiteren Zusammenarbeit mit Wikileaks gelegen ist.
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