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Wenn Nachrichtenagenturen eine Information erhalten, wird sie nur zu schnell zur Anklage umformuliert. Ein schönes Beispiel dafür liefert eine dpa-Meldung, die aus deutschen Bundestags- und Landtagsabgeordneten "Facebook-Muffel" macht. Ganz so, also ob man es von einem MdB oder MdL erwarten kann, bei Facebook die Sozialnummer zu geben.

Die Intention der jungen Forscherin (Studentin?) der Universität Ilmenau, die den Status quo der deutschen Facebook-Politik analysierte, war das wahrscheinlich nicht. Auch sie sieht zwar "das mobilisierende Potenzial der sozialen Netzwerke größtenteils ungenutzt". Doch sie sieht auch, dass der Sprung ins kalte, soziale Wasser bei vielen Abgeordneten eine mehr oder weniger verzweifelte Nachahmungstat war.

Man hatte den erfolgreichen Einsatz von Twitter und Facebook beim US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama beobachtet und einige Politiker wollten im Superwahljahr 2009 diesen Erfolg kopieren. Doch das Superwahljahr ist vorbei und damit haben viele Wahlversprechen wie auch Facebook-Konten ihre Gültigkeit verloren. Knapp ein Viertel (23%) etwa der MdBs hat heute ein Facebook-Profil, doch auf 36% dieser Seiten wird Geisterstadtstimmung verbreitet. Die Inhalte dort wurden zum Zeitpunkt der Datenerhebung (2010) im Schnitt vor 250 Tagen zuletzt aktualisiert. Bei 11% der eher nicht interaktiven Polit-Treffs gab es gar nichts zu erneuern, denn sie wurden gar nicht erst mit Meldungen bestückt. Man hatte also eine Art Wahlplakat bei Facebook eingestellt.

Der Dialog mit dem mündigen Facebook-Bürger ist bei den meisten Profilen ebenfalls die Ausnahme. Der darf sich zwar gerne dazu eingeladen fühlen, einen Kommentar zu hinterlassen. Doch gerade ein Fünftel (22%) der so angesprochenen Politiker reagiert ab und an auf das individuelle Volksbegehren. Der verbleibende Rest aktualisiert lieber im Frontal-Stil seine eigenen Meldungen, ohne das Feedback zu beachten. Entsprechend dürftig fällt das Feedback dann eben auch aus. Am aktivsten zeigen sich Liberale und Grüne. Sie kommunizieren am häufigsten mit den Besuchern und bei ihnen findet man auch die häufigsten Aktualisierungen.

Doch ist das nun ein Grund, den Abgeordneten zwangsweise Facebook-Nachhilfe zu verordnen? Oder genügt es nicht schon, dass sie von alleine zu der Erkenntnis kamen, dem Obama-Anspruch nicht gerecht zu werden? Schließlich hatte der ein Vielfaches an Wahlkampfspenden zur Verfügung, um seine Online-Anhängerschaft zu mobilisieren und dazu auch noch dieses mysteriöse Charisma-Ding.

Hinzu kommt vielleicht auch, dass die meisten Abgeordneten sich weit jenseits des sonst üblichen Facebook-Alters befinden. Auch die eher jüngeren Liberalen (47,5) und Grünen (46,6) weichen kaum von der Bundestagsnorm des Altersdurchschnitts ab, der etwa bei 50 Jahren liegt (Wikipedia). Mit 50 Jahren zählt man bei Facebook allerdings zum alten Eisen, denn von den aktuell 15 Millionen regelmäßigen Facebook-Nutzern in Deutschland sind über 11 Millionen maximal 34 Jahre alt. Die größte Altersgruppe (4,4 Millionen) wird von den 18-24jährigen gestellt. Mit 45-54 Jahren (1,2 Millionen) gehört man bei Facebook dagegen schon zu der Randgruppe, die man mit  "ja, lebst Du auch noch?" begrüßt.

Warum also sollten die deutschen Abgeordneten dem Wahn nachhängen, sich ebenfalls bei Facebook bewähren zu müssen? Können sie nicht einfach der Demographie entsprechend Facebook-Muffel sein? Oder will man sie dazu zwingen, sich auch dort noch als etwas auszugeben, was sie gar nicht sind?

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