Wellness Südtirol
In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken
03. Februar 2011
Posted in Internet News
Endlich wurde sie vorgestellt, "The Daily", die erste Zeitung nur für das Apple iPad. Eine Art Koproduktion des Zeitungsmanns Rupert Murdoch und des IT-Gurus Steve Jobs. Jetzt ist sie da, die iPad-Zeitung und nun muss sie halten, was man sich von ihr verspricht.
Was nicht ganz einfach sein dürfte, denn The Daily muss nicht nur einer ganz neu aufgestellten Zielgruppe von Lesern gefallen, sondern sich auch noch als redaktionelles Produkt wirtschaftlich rechnen. Da allerdings stellen sich die ersten Zweifel ein, denn schon die Produktion hat 30 Millionen Dollar gekostet. Der laufende Betrieb mit angeblich 100 teilweise hochkarätigen Journalisten, die täglich 100 Seiten zu füllen haben, verschlingt laut Murdoch weitere 500.000 Dollar pro Woche, also über 25 Millionen Dollar pro Jahr - was nicht zu hoch gegriffen scheint.
Die wollen erst erst einmal gestemmt sein und wie Murdoch meint, wird das aus einem Mix aus Abo-Gebühren und Werbeeinnahmen geschehen. Doch was die Abos angeht, so müssen davon ganz schön viele verkauft werden, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Denn The Daily wird im wahrsten Sinne des Wortes billig. Nur 0,99 Dollar kostet das iBlatt pro Woche, im Jahres-Abo ist es für 40 Dollar zu haben. Um nur 1 Million Dollar einzunehmen, müssten schon über 35.700 Abos verkauft werden, denn The Daily wird über iTunes verkauft und damit bleiben schon einmal 30% der Einnahmen bei Apple kleben.
Um also die laufenden Kosten zu bestreiten, müssten schon rund 900.000 Abos der englischsprachigen Zeitung mit US-Fokus an den Mann gebracht werden. Das klingt nach einer überschaubaren Größe, doch 900.000 Abos sind eine stolze Zahl. Die New York Times auf Papier wird wochentags nicht in so hoher Auflage verkauft. Gut, dafür kostet das Blatt auch ein Vielfaches der The Daily. Allerdings gibt es die New York Times auch nicht erst seit gestern.
Doch um ein weiteres Beispiel zu nennen: Als das Technophilen-Magazin Wired im Juni eine iPad-Ausgabe für die ersten Käufer der Apple-Geräte anbot, wurden 100.000 Exemplare verkauft. Im November, als schon deutlich mehr iPads in Benutzung waren, kamen noch keine 25.000 Verkäufe zustande. Auch viele andere iPad-Magazine dümpelten Ende des Jahres mit einigen tausend Einzelverkäufen dahin.
Nun sollen wie gesagt bei The Daily zusätzliche Werbeeinnahmen die Abogebühren ergänzen - wobei Apples iAds laut Adage nicht zum Zuge kommen. Doch wenn das kostenpflichtige Blatt auch noch Werbung transportiert, sollte da nicht auch der Kaufanreiz sinken? Werbefinanzierte Medienqualität findet man schließlich jetzt schon in jedem Browser. Dazu bedarf es keiner App für das iPad, mit der sich nicht einmal Links an Freunde weiterleiten lassen.
Kurz: The Daily ist ein echtes Wagnis, das - wenn es die Herzen der iPad-Benutzer in den USA im Sturm erobert - auch ein wirtschaftlicher Erfolg werden kann. Zumindest, solange weder das iPad noch The Daily nennenswerte Konkurrenten haben. Doch was bisher von The Daily zu sehen war (der Business Insider zeigt eine Fotostrecke), sieht nicht nach einem Abo-Tsunami aus. Murdochs New Corp. wird sich schwer ins Zeug legen müssen, um genügend Exemplare an den Mann zu bringen, die Abo-Gebühren oder Werbeeinnahmen in die Kassen spülen. Falls das nicht gelingt, hat das Abenteuer sicher bald ein Ende.
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