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In den Niederlanden wurden in den letzten Tagen nochmals zwei Personen verhaftet, die an Denial-of-Service Angriffen von Anonymous beteiligt gewesen sollen. Ein zuletzt verhafteter 19jähriger soll neben seiner Beteiligung bei Angriffen auf Mastercard, Visa und Moneybookers auch an einem Angriff auf die Website der niederländischen Staatsanwaltschaft teilgenommen haben.

Derweil wirft Anonymous der Westboro Baptist Church aus Kansas vor, sich durch einen getürkten Anonymous-Angriff mehr Popularität und damit mehr Geld im Klingelbeutel erhofft zu haben. Die WBC und ihre Anführer sehen sich von Anonymous angegriffen.

Beiden Meldungen ist es etwas gemeinsam. In beiden Fällen versuchen mehr oder wenige öffentliche Instanzen, Anoymous zu etwas zu machen, was es eigentlich nicht ist, zu einer Organisation mit fester Mitgliederstruktur. Im Fall der Verhaftungen in den Niederlanden - bisher dürften es vier gewesen sein - ist das vielleicht weniger klar erkennbar. Doch Meldungen dieser Art gelungen üblicherweise in Folge der polizeilichen Pressearbeit an die Öffentlichkeit. Und von deren Seite hat man es augenscheinlich für notwendig gehalten, auch die letzten beiden Verhaftungen mit Anonymous in Verbindung zu bringen. Vermutlich will man dadurch Nachahmungstäter abschrecken.

Im Fall der Westboro Baptist Church, die unter dem Motto "Gott hasst Schwule" ("God hates fags") auftritt und im Grunde nichts anderes als eine Art religiös-motivierte Hass-Gruppe ist, liegt der Fall dagegen ein wenig anders. Dort hat man ein - möglicherweise selbst veröffentlichtes Pamphlet - als Kriegserklärung gegen die eigene Kirche interpretiert und den "pickligen Mädchen" von Anonymous ebenfalls den Fehdehandschuh hingeworfen.

Eine Botschaft, die von Anonymous zu einer im Grunde erstaunlich vernünftigen Reaktion führt, denn in einer von immerhin zwanzig Anonymen getragenen Pressemitteilung wird von Maßnahmen gegen die WBC abgeraten. "Man" hält es für eine potentielle Falle, in der IP-Adressen von Anonymous gesammelt werden sollen.

Das Paradoxe an dieser Situation ist, dass solche Pressemitteilungen zusätzlich den Eindruck erwecken, bei Anyomous bilde sich allmählich eine Art Struktur heraus. Doch davon kann wohl nicht die Rede sein, denn eine Struktur oder gar Hierarchie würde Anonymous als bewusst multi-direktionale "Bewegung" ihres wichtigsten Merkmals berauben, der Anonymität. Und um zu erkennen, dass der Verzicht auf Anonymität ein klarer Fehler wäre, genügt ein kleines Gedankenexperiment: Man muss sich nur vorstellen, was ein Julian Assange als Anführer von Anonymous für Anonymous bedeuten würde.

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