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America online kündigt die Streichung von bis zu 900 Stellen - was etwa 15% der Mitarbeiterschaft entspricht - und erklärt das mit der Integration der gerade übernommenen Website Huffington Post. Eine Erklärung, die gerne von den Medien akzeptiert wird, obwohl das aus einem Blog hervorgegangene Nachrichtenangebot bestenfalls 60 feste Mitarbeiter zählt.

Tatsächlich dürfte die Mehrzahl der AOL-Kündigungen nichts mit der Übernahme zu tun haben. Etwa 700 der Jobs sollen beispielsweise in Indien wegfallen, wobei es sich bei diesen Kräften kaum um Redaktionsmitglieder handelt. Von den indischen Mitarbeitern werden überwiegend Aufgaben im Backend-Bereich der verschiedenen Websites übernommen. Dass es hier um die weitere Verschlankung und um Umstrukturierungsmaßnahmen geht, wird auch daran deutlich, dass 300 der betroffenen Jobs in Indien künftig bei "Outsourcing-Partnern" angesiedelt sein werden. Das heißt, die entlassenen Mitarbeiter wechseln den Arbeitgeber, arbeiten aber im gleichen Job weiter.

Unterm Strich dürfte das bedeuten, dass die vom einst größten Online-Dienst der Welt übrig gebliebene Hülle noch weiter ausgedünnt wird. Künftig will sich AOL darauf spezialisieren, hochwertigen Content zu produzieren, wobei das links-liberale Inhaltsangebot der Huffington Post als Vorbild dienen soll.

Dass sich hier ein logischer Bruch auftut, scheinen die Verantwortlichen nicht wahrhaben zu wollen. Wie das Magazin "New Yorker" vor Wochen berichtete, erzielt AOL nach wie vor 80% seiner Einnahmen von Kunden, die AOL als Online-Dienst gar nicht benötigen. Es sind demnach überwiegend ältere Menschen, die aus Gewohnheit oder aus der ungegründeten Furcht heraus, ihre Mail-Adresse zu verlieren, weiterhin an AOL bezahlen.

Diesen "Kundenstamm" wird AOL durch seine neue inhaltliche Ausrichtung vermutlich eher abstoßen - sofern sie von der Neuorientierung am Kompass der Huffington Post überhaupt erfahren. Doch AOL steht unter Zugzwang, die noch existierende Kundschaft ist eine aussterbende Spezies. Neue Gewinnmöglichkeiten sieht man dagegen in jenem politischen Spektrum, mit dem sich die jungen, aufgeschlossenen Zielgruppen identifizieren. Das macht zwangsläufig einen Spagat erforderlich - und den beherrscht nicht jeder.

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