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In einem Wellnesshotel in Südtirol vom Alltag abschalten und auftanken

 

Der Berkeley-Biologe Michael Eisen beschreibt in seinem Blog eine interessante Amazon-Beobachtung. Weil für die Bibliothek seines Institutes ein weiterer Band des Standardwerks "The Making of a Fly" von Peter Lawrence angeschafft werden sollte, ließ er die Preise für diesen Drosophila-Klassiker bei Amazon in Erfahrung bringen.

Dass dieses in der Fachwelt anerkannte und häufig zitierte Werk bei Amazon selbst vergriffen ist, wunderte den Biologen nicht. Auch die bei 35,54 Dollar beginnenden Preise für die 17 gebrauchten Ausgaben verschiedener Händler waren keine Überraschung. Doch die Preise für die beiden druckfrischen Ausgaben zweier externer Händler bei Amazon gaben ihm zu denken: Das billigste der beiden Bücher sollte 1.730.045,91Dollar kosten, die zusätzlichen 3.99 Dollar Versandkosten nicht zu vergessen.

Erst hielt Eisen die Preisangaben für den Scherz eines Studenten und machte den ebenfalls (nicht wirklich unangenehm) überraschten Autor des Buchs darauf aufmerksam. Doch die beiden Verkäufer machten einen authentischen Eindruck. Der Günstigere konnte über 8.000 Bewertungen vorweisen, der zweite sogar über 125.000. Mit Anfängern hatte der Biologe es also keineswegs zu tun. Also beobachtete er den Millionen-Deal einige Tage länger und stellte dabei fest, dass die Preise immer weiter in die Höhe stiegen. Am Ende wurden für das teurere der beiden Bücher sogar 23.698.655,93 Dollar verlangt (+ 3,99 Dollar Versand).

Doch zu diesem Zeitpunkt hatte der Biologe bereits ein Muster in dieser inflationären Preisentwicklung entdeckt. Ganz offensichtlich hatten beide Händler einen Mechanismus aktiviert, der sich jeweils am Preis des anderen Händlers orientierte. Nur hatte der günstigere Händler seinen Preis mit dem Multiplikator 0,99830 bestimmt, um immer ein wenig günstiger zu sein als der andere. Der wiederum hatte erstaunlicherweise festgelegt, dass sein Preis um das 1,27059fache höher als der Preis des Wettbewerbers sein soll.

Ein Umstand, der alleine schon bemerkenswert ist, denn es widerspricht zunächst der Logik des Wettbewerbs, teurer als der Konkurrent sein zu wollen. Doch vermutlich gibt die Vielzahl der Bewertungen in Verbindung mit einigen selbstgebrauten Theorien über die Psyche des Buchkäufers dem Verkäufer die Sicherheit, dass sein Buch auch dann verkauft wird, wenn er es um ein Viertel teurer anbietet als sein Konkurrent.

Wie auch immer diese Preisgestaltung der beiden Händler sich erklärt, so haben die unterschiedlichen Multiplikatoren jedenfalls dazu geführt, dass sich die Preise beider Anbieter schnell nach oben schaukelten. Erst etliche Tage nach der Entdeckung durch den Biologen und vermutlich zwei Monate nach Beginn des sonderbaren Preiskampfs zog einer der beiden Händler die Reißleine und der Preis des günstigeren Buches sank auf 106,23 Dollar, während das andere (um rund 27% teurer) für 134,97 Dollar angeboten wurde. Möglicherweise kam es danach wieder zu einem Aufschaukeln, denn aktuell wird nur noch das Buch des teureren Händlers angeboten und zwar für 976,98 Dollar.

Nun ist diese Beobachtung nicht nur interessant, weil hier mangels Kontrolle ein monströser, nicht realisierbarer Preis entstanden ist. In einem Forum der Hackernews berichtet ein anderer, nicht gewerblicher Amazon-Verkäufer über seine eigenen Erfahrungen. Er hatte beim Verkauf von nicht mehr benötigten Lehrbüchern festgestellt, dass zwei andere Verkäufer ihre Bücher immer jeweils etwa einen oder zwei Cent günstiger als er selbst anboten. Vermutlich war also auch hier eine mathematische Regel, ein Algorithmus am Werk.

Die Reaktion dieses Verkäufers war es dann aber, den Preis für sein Verkaufsangebot mehrere Male um jeweils einige Dollar zu senken, um die beiden anderen Verkäufer stückchenweise folgen zu lassen. Als die Preise für alle Bücher dann jeweils unter 5 Dollar lagen, kaufte er den Markt auf und setzte für sein Buch wieder einen angemessenen Preis fest. Das klingt fast schon nach einem Geschäftsmodell.

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