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13. Dezember 2006
Posted in Internet News
Der Aktienkurs Apples machte gestern zu Börsenbeginn einen Satz in die falsche Richtung, was TheStreet.com mit einem Bericht von Forrester Research erklärt. Dieser Bericht soll Tags zuvor die Information enthalten haben, dass die Verkäufe des Musik-Shops iTunes rückläufig sind. Oder, wie es bei The Register heißt , die "iTunes-Verkäufe kollabieren". Woraus dann wiederum im Spiegel online ein "iTunes im freien Fall" wird.
Der Zusammenhang zwischen der Kursentwicklung und dem Forrester-Bericht muss allerdings von vornherein in Frage gestellt werden, denn diese Analyse erschien bereits in der vergangenen Woche am Donnerstag. Und für gewöhnlich pflegt die Börse auf nachteilige Informationen etwas schneller zu reagieren, sofern diese Informationen von Belang sind.
Doch auch das darf bezweifelt werden, denn es ist seit Jahren klar, dass der Musikverkauf bei iTunes für Apple aus geschäftlicher Sicht so gut wie uninteressant ist. Gewinne erzielt Apple mit dem Verkauf der iPod-Geräte und nicht mit dem Verkauf von Musik.
Nichts anderes sagt im übrigen der Forrester-Bericht, denn dort wird sogar die Vermutung aufgestellt, dass der Verkauf von Musikstücken bei iTunes aufgrund der damit verbundenen hohen Kosten unprofitabel zu werden droht. Von daher wäre der logische Schluss, dass niedrigere Verkaufszahlen günstig für Apple und die Aktionäre sind. Doch Logik produziert keine Schlagzeilen.
Womit nun aber nicht der Eindruck entstehen soll, die Forrester-Daten seien falsch beziehungsweise uninteressant. Denn in Ermangelung besserer Informationen des Herstellers und vor allem von Zahlen haben die Analysten Schnippsel aus Pressemitteilungen, Äußerungen von Steve Jobs sowie Sekundärinformationen von Kreditkartenfirmen zusammengepuzzelt, um Aussagen über die iPod/iTunes-Entwicklung treffen zu können.
Eine dieser Aussagen ist es, dass sich die Zahl der verkauften iPods im Untersuchungszeitraum zwischen April 2004 und Juni 2006 vervierfacht hat. Aus der Analyse von knapp ca. 2.700 Kreditkartentransaktionen weiß man weiter, dass die iTunes-Umsätze zwischen 2004 und 2005 eher stetig gestiegen sind. Doch dieses Wachstum erfolgt auf niedrigem Niveau, denn die Käufer eines iPod lassen es bei durchschnittlich 20 gekauften Musikstücken bewenden. Obwohl die Geräte hunderte oder gar tausende von Stücken fassen könnten.
Der reißerisch zitierte Kollaps wird aber erst seit Januar 2006 beobachtet. Zwischen Januar und Juni sind die geschätzten Verkaufszahlen des jeweiligen Monats um 65% gefallen. Ein wirklich beträchtlicher Einbruch. Allerdings wurde laut Forrester auch schon im vergangenen Jahr ein starker Rückgang der Verkäufe festgestellt.
Eine nachvollziehbare Entwicklung, wenn man bedenkt, dass viele iPods im Weihnachtsgeschäft gekauft und in unmittelbarer Folge bei iTunes vermutlich testweise "befüllt" werden. Im Jahr 2005 erholten sich die Zahlen dann im Mai aber wieder.
Nur dieses Jahr wurde diese Trendwende bis Juni noch nicht beobachtet. Was nicht bedeutet, dass sie nicht noch kommen kann, beziehungsweise gekommen ist, denn die Studie berücksichtigt die Folgemonate nicht. Apple jedenfalls bezeichnet die aus den Forrester-Angaben abgeleiteten Aussagen schlicht als falsch.
Dabei gilt es jedoch noch etwas zu bedenken: Forrester stützt seine - übrigens neutral formulierten - Aussagen auf insgesamt 2.700 Kreditkartentransaktionen und trifft Aussagen für einzelne Monate. Also werden diese Daten vermutlich auf die 27 Monate des Untersuchungszeitraums zu verteilen sein.
Womit sich die "ausbleibende Trendwende" im Juni also mit großer Wahrscheinlichkeit auf ganze 100 iTunes-Zahlungen stützt. Angesichts von über 60 Millionen bisher verkauften iPods braucht man aber wegen ein paar ausbleibenden iTunes-Zahlungen noch keine Apple-Aktien zu verkaufen.
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