Suchmaschinen wollen Geld
Die Hinweise häufen sich, dass Suchmaschinen und Verzeichnisse zukünftig Aufnahmegebühren verlangen werden.
Der Londoner Suchmaschinenexperte Klaus Schallhorn prognostiziert für die Zukunft, dass die kommerzielle Ausrichtung der Suchmaschinen, genauer gesagt, die bezahlte Aufnahme in diese Navigationshilfen "eher zur Norm als zur Ausnahme" wird.
Viele Hinweise lassen darauf schließen, dass er mit dieser Einschätzung nicht allzuweit von der Realität entfernt ist. Sehr zum Verdruss der Site-Betreiber, die in Zukunft davon ausgehen können, dass nur eine hinreichende Bezahlung sicherstellt, über Suchmaschinen und Verzeichnisse gefunden zu werden.
Fast schon ein wenig verschämt hat beispielsweise Yahoo bereits im Sommer 1998 damit begonnen, Anträge auf Eintragung "beschleunigt" zu bearbeiten, wenn der Antragsteller bereit ist, eine Gebühr zu zahlen.
Damit nicht der Einduck entsteht, die Eintragung sei von dieser Zahlung abhängig, wurde darauf hingewiesen, dass diese Bearbeitung im Schnellverfahren keinesfalls eine Garantie für die Aufnahme darstellt. Heute ist man nicht mehr so gschamig, denn inzwischen müssen alle, die im Business-Bereich des Verzeichnisses eingetragen werden wollen, eine Gebühr von knapp 200 Dollar zahlen.
Aber das gilt nicht nur für Verzeichnisse. Die Suchmaschine GoTo.com weist sogar neben den Suchgebühren die Kosten auf, die dem Werbetreibenden für die Stellung im Ergebnis-Ranking entstehen.
Jetzt sollen aber laut Schallhorn die GoTo-Ergebnisse nicht nur bei Lycos und Hotbot, sondern auch bei Altavista eingeblendet werden. Bei Hotbot (Suchbegriff z.B. "cars") werden beispielsweise drei der bezahlten GoTo-Ergebnisse an erster Stelle als "Featured Listings" noch vor den Suchergebnissen eingeblendet. Ein weiteres wird vor dem 10. Ergebnis nachgeschoben. Bei AltaVista wird noch experimentiert, wie sich die GoTo-Ergebnisse in das Ergebnisbild einbinden lassen.
Aber auch der Suchmaschinendienstleister Inktomi setzt zukünftig auf den Service "bezahltes Spidern". Die Firma Position Technologies hat die Vermarktung dieser Dienstleistung übernommen und bietet ein "Premier Page Inclusion Program". Dieses stellt sicher, dass Sites im Inktomi-Index aufgenommen werden, dass der Inktomi-Spider die Site alle 48 Stunden besucht, und dass die Site für 12 Monate im Datenbestand verbleibt.
Die Kosten für diesen Service: Für die erste Seite werden 20 Dollar, für die zweite bis hunderste jeweils 10 und für jede weitere Seite 6 Dollar verlangt. Auch wenn sich so sehr schnell Beträge in erklecklicher Höhe aufbauen, werden viele Site-Betreiber in diesen sauren Apfel beißen, denn Inktomi versorgt ingesamt 125 Partner (z.B. AOL, Hotbot, Excite etc.) mit seinem Index.
Dass dieses Vorgehen eine Ausnahme bleibt, scheint eher ungewiss. Ein AltaVista-Sprecher erwähnte laut David Sullivan (Searchenginewatch) beispielsweise auf der Dallas Search Engine Strategies Conference, dass in naher Zukunft ein "Paid Inclusion Program" an den Start gehen soll.
So scheint Google derzeit eine der letzten verbleibenden internationalen Suchmschinen, die sich nicht für die Aufnahme in den Index bezahlen lassen will.