Sperrverfügungen auch in den USA
Der Bundesstaat Pennsylvania setzt nun auch auf Sperrmaßnahmen. Da es um Kinderporno-Sites geht, dürfte sich die Kritik in Grenzen halten. Ob allerdings die Einrichtung von Sperren der richtige Weg ist?
WorldCom wurde per richterlichem Beschluss dazu aufgefordert, den Zugang zu fünf Sites zu sperren, auf denen Kinderpornos zu finden waren. Diese Anordnung gilt allerdings nur für Pennsylvania, denn der Beschluss bezieht sich auf ein Gesetz des Bundesstaates. Weitere 200 Sites sollen bereits ohne richterlichen Beschluss gesperrt worden sein.
Der im Insolvenzverfahren befindliche Netzwerkbetreiber wurde laut Reuters bereits im Juli darauf aufmerksam gemacht, dass er Zugang zu Kinderpornographie bietet. Da in diesem Fall offenbar keine Reaktion erfolgte, beantragte der Staatsanwalt den richterlichen Beschluss. Jetzt will WorldCom umgehend die Sperrung realisieren.
Da von der Sperre kriminelle Inhalte betroffen sind, dürfte kaum Kritik an der Maßnahme erfolgen. Dennoch lohnt es sich, über diesen Vorgang nachzudenken. Denn Eingriffe in das DNS sind nicht unproblematisch. Und vor allem sind sie selten effizient, denn sie lassen sich umgehen.
Generell ist das Vorgehen fragwürdig, den Provider für transportierte Inhalte in die Verantwortung zu nehmen. Die von ihm bereitgestellte Infrastruktur kann weiterhin für den Transport verbotener Inhalte genutzt werden, wenn der Anwender über das notwendige Basiswissen zum Thema "Internet" verfügt. Da man zumindest bei Teilen der "Zielgruppe" solcher Inhalte von einem hohen Maß an krimineller Energie ausgehen kann, ist es wahrscheinlich, dass gerade sie die Sperren leicht umgehen können.
Weiter stellt sich die Frage, wie mit den einmal eingerichteten Sperren verfahren wird. Aus der Szene der Nazi-Sites ist bekannt, dass sie regelmäßig Domain-Namen und IP-Adressen wechseln und so mit den Strafverfolgern Katz und Maus spielen. Was passiert nun mit den "abgelegten" Domains und IP-Adressen? Werden sie regelmäßig kontrolliert und die Sperren ggf. wieder aufgehoben?
Falls dies nicht geschieht, kann es zu Problemen kommen. Das zeigte zuletzt das Beispiel der Anti-Spam-Organisation SPEW.org, die mutmaßliche Spam-Versender mit IP-Sperren für den Mail-Versand belegt. Die IPs wurden aber nicht genügend kontrolliert und zwischenzeitlich von der australischen Telstra an neue Kunden vergeben. Die Folge: 50 Telstra-Kunden, darunter ein Sportverband, ein Museum und das israelische Generalkonsulat, konnten keine Mails austauschen.
Gerade IP-Sperren können also zu einem Wildwuchs führen und so Teile des Internet unbrauchbar machen. Zumal man bei den Providern davon ausgehen kann, dass sie regionale Sperranordnungen "der Einfachheit halber" und zur Vermeidung rechtlicher Probleme auf ihr gesamtes Netzwerk ausweiten.
Ähnliches scheint im übrigen bei den Sperranordnungen in Nordrhein-Westfalen der Fall. Mindestens ein Provider, hat die in NRW angeordneten Sperren auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet. Wenn derart leichtfertig in die Infrastruktur eingegriffen wird, kann man da damit rechnen, dass die spätere Kontrolle gewissenhafter erfolgt?
Vemutlich wird sich auf dieser Grundlage eine ähnliche Entwicklung einstellen, wie man sie aus dem Usenet kennt. Jeder Betreiber eines Servers entscheidet selbst, welche Gruppen er zugänglich macht und welche nicht.
In Analogie dazu werden die Provider weltweit für sich entscheiden, welchen Sperrmaßnahmen sie sich mehr oder weniger willfährig beugen. Das Internet als globales Netzwerk bleibe bei einer solchen Entwicklung auf der Strecke.