14.10.2002

Google Answers antwortet nicht

Eine Bibliotehkarin hat ihre Erfahrungen mit Google Answers veröffentlicht. Allerdings ohne Genehmigung durch Google.

Eine amerikanische Bibliothekarin dokumentiert ihre Erfahrungen mit "Google Answers". Ihre Erfahrungen lassen Zweifel sowohl am Zweck dieses Angebotes als auch am Umgang Googles mit Kritik aufkommen.

Google Answers wurde erst im vergangenen April gestartet und befindet sich noch in der Beta-Phase. Grundgedanke des Angebotes ist es, dass eingetragene "Researcher" gegen Bezahlung Fragen von Google-Besuchern beantworten. Für die Beantwortung wird jeweils eine Summe ausgelobt, die ursprünglich zwischen vier und 50 Dollar (heute 2,50 bis 200 Dollar) liegen kann. Der "Researcher" erhält im Erfolgsfall (Frage beantwortet) 75 Prozent der Summe.

Die Bibliothekarin Jessamyn West hatte sich nun als Researcher registriert und ihre Erfahrungen in einem Bericht für das Magazin "Searcher" zusammengefasst. Insgesamt 176 Dollar hat sie dabei während ihrer Testphase verdient, die nach ihren Angaben zwischen vier und sechs Wochen dauerte. Schwer verdientes Geld, wie sie meint.

Ihr Beitrag im Searcher ist dabei nicht als Verriss des Google-Angebotes anzusehen, eher als kritische Auseinandersetzung - auch mit der Erwartungshaltung eines Antwortsuchenden. Sie vergleicht den Dienst mit einem Job in beispielsweise einer öffentlichen Bücherei.

Auch dort werden Fragen an einen "Researcher", den Bibliothekar, herangetragen. Aber der Bibliothekar wird es eher selten erleben, dass sich aus seiner Antwort ein Streitgespräch ergibt. Auch dann nicht, wenn seine Antwort darin besteht, dass es keine Antwort auf die spezielle Frage gibt.

Andere Erfahrungen machte die Bibliothekarin dagegen bei Google Answers, wo sich ihrer Einschätzung nach selbst bei vier Dollar-Fragen zeitintensive Diskussionen ergeben können. Diese und einige andere Erfahrungen beschreibt die Autorin in ruhigen Worten, ohne ein Wort der Anklage und ohne Emotionen.

Daher wunderte sie sich schon, im nächsten Newsletter für die Google Researcher einen Hinweis auf die Vertragsbedingungen zu finden. Demnach ist es den Teilnehmern verboten, Berichte über Google Answers ohne Prüfung und Zustimmung durch Google zu veröffentlichen. Der Hinweis galt vermutlich ihr, denn wie sie feststellen musste, hatte man ihr Konto schon gesperrt.

Sie überprüfte daraufhin ihren Artikel, ob dieser irgendwelche Details enthielt, die nicht auch einem Außenstehenden zugänglich sind. Das war aber nicht der Fall. Daher schrieb sie einen freundlichen Brief an die Redaktion von Google Answers, in dem sie ihr Ausscheiden auch freiwillig anbot. Sie wollte aber weiterhin die Diskussion suchen und gab ihre Beweggründe für den Beitrag bekannt.

Als Antwort erhielt sie ein recht kurz gehaltenes Schreiben, wonach man ihren Gedanken interessant finde. Man habe aber die Erfahrung gemacht, dass Bibliothekare selbst den Dienst nutzten.

Die Bibliothekarin empfindet diese ganze Begebenheit nun als ein wenig surreal. Sowohl das Verbot, über ihre Erfahrungen mit dem Dienst zu berichten, als auch die Reaktion Googles auf die - ihrer Meinung nach konstruktive und substantielle - Kritik.

Das Verbot als auch der Umgang mit Kritik wollen ihrer Meinung nach einfach nicht zum Image der Suchmaschine passen.

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