USA verlangen Auslieferung
Der Fall eines britischen Hackers soll auf Betreiben der USA offenbar zum internationalen Präzendenzfall aufgebaut werden. Ihm drohen in den USA bis zu 70 Jahre Haft.
Der Fall des britischen Hackers, der mehrfach in Rechner des US-Militärs eingedrungen sein soll, könnte sich zu einem internationalen Präzendenzfall entwickeln. Die USA verlangen die Auslieferung des Täters. Dieser wiederum will sich mit allen rechtlichen Mitteln gegen eine solche Auslieferung zur Wehr setzen.
Der arbeitslose britische Sys-Admin soll über eine Dauer von zwölf Monaten in insgesamt 92 Netzwerke des US-Militärs, aber auch der NASA und anderer Einrichtungen, die der militärischen Verwaltung unterstehen, eingedrungen sein. Weiterhin werden ihm erfolgreiche Angriffe auf sechs Netzwerke privater Unternehmen und Organisationen vorgeworfen.
Es wird behauptet, er habe seit März 2001 mehrere zehntausend Rechner mit gängigen Tools auf Sicherheitslücken überprüft. Er soll sich dabei auf Windows NT Systeme konzentriert haben. In vielen Fällen erfolgreicher Angriffe habe er sich aufgrund leicht zu erratender Passwörter Zugriff verschafft.
Die Angriffe will das US-Militär bereits im Juni entdeckt haben. Aber erst im März 2002 wurde eine Warnung verschickt, in der die Vorgehensweise des Hackers erläutert wurde. Dies allerdings nur innerhalb der US Navy, also nicht im gesamten militärischen Komplex. Nach dieser Warnung sollen die Angriffe beendet worden sein.
Die US-Ermittler bezeichnen die Vorgänge als die bisher erfolgreichsten Angriffe gegen Netzwerke des US-Militärs. Darüber lässt sich allerdings streiten. Einige von AP zitierte Experten meinen, man könne im Grunde recht zufrieden sein. Wenn sich nach so vielen Angriffsversuchen nur so wenige Rechner als anfällig erwiesen haben, sei das ein gutes Zeichen. Andere Experten dagegen meinen, es sei eher erstaunlich, dass so viele Rechner des Militärs für derart simple Angriffe zugänglich sind.
Der gesamte Schaden wird auf 900.000 Dollar beziffert. Eine nicht allzu hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass die von einzelnen Viren ausgehenden Schäden oft mit mehreren Milliarden Dollar angegeben werden. Die genannte Schadenshöhe beinhaltet ausdrücklich die Kosten, die für die Neuinstallation des Betriebssystems entstehen.
Insgesamt könnte man auf Grundlage der bisher bekannten Informationen den Eindruck erhalten, es hier mit einer Art Schmalspur-Hacker zu tun zu haben. Seine Aktivitäten verdienen wohl nur deshalb Aufmerksamkeit, weil sie sich auf eine große Zahl von Rechnern bezogen und weil sich der Täter auf das US-Militär konzentrierte.
Über die Motivation des Täters ist allerdings nichts bekannt. Seine Anwältin erklärt, dass ihr Mandant keinesfalls ein Terrorist ist. In den USA würde sein Fall aber auf Grundlage der neuen Anti-Terrorgesetze verhandelt. Das könnte für ihn zehn Jahre Haft sowie eine Geldstrafe von bis zu zwei Millionen Dollar bedeuten. Nach anderen Angaben sind bis zu 70 Jahren Haft denkbar.
Es wird nun interessant, ob die britischen Behörden sich dem Wunsch nach Auslieferung beugen. Die Anwältin des Täters will das jedenfalls zu verhindern suchen. Sie sieht in dem Auslieferungsbegehren eine politisch motivierte Aktion. Man wolle an ihrem Mandanten ein (internationales) Exempel statuieren.