22.11.2002

Justiz für PR missbraucht

Die Klage eines Spam-Unternehmens gegen einen Spam-Gegner wurde nun endgültig zurückgezogen. Nach Angaben des Klägers, wurde der gewünschte Werbeeffekt erreicht.

Die Klage eines Marketing-Unternehmens gegen einen Anti-Spam-Aktivisten war im vergangenen Monat vom Gericht als spekulativ und "auf Unwahrheiten beruhend" bezeichnet worden. Jetzt zieht der Kläger selbst seine Klage zurück. Der Anlass der Klage, die Geschäftsschädigung, habe sich erübrigt. Das Verfahren habe so viel Publicity und so viele neue Kunden gebracht, dass man kaum mehr von einer Geschäftsschädigung sprechen könne.

Zur Erinnerung: Das Marketing-Unternehmen T3 hatte unerwünschte Werbung verschickt und war in den Fokus des Spam-Gegners Joseph McNicol geraten. Dieser scheut sich nicht, Ross und Reiter zu nennen. Vermutlich, weil er auch in Sachen "T3" Dampf abließ, sich dabei aber nach australischem Recht keine Vergehen zuschulde kommen ließ, entschied sich das Marketing-Unternehmen für einen anderen Weg.

Man beschuldigte McNicol, die Anti-Spam-Gruppe Spews.org auf T3 gehetzt zu haben. Tatsächlich hatte diese das Marketing-Unternehmen auf ihre Sperrliste gesetzt. Und auf dieser Grundlage konnte T3 klagen, denn solche Sperrungen wurden in den letzten Jahren in Australien häufiger als Geschäftsschädigung interpretiert.

Doch die Rechnung des Unternehmens ging zumindest in diesem Punkt nicht auf. Das Gericht wollte McNicol nicht für die Spews-Sperre verantwortlich machen. Ein Zusammenhang zwischen ihm und Spews sei nicht nachweisbar. Zumal es keine brauchbaren Adressen der Listenbetreiber gibt. Die Domain spews.org ist auf eine Postfachadresse am Baikalsee eingetragen.

Auf dieser Grundlage war die Klage ohnehin wenig aussichtsreich. Doch die jetzt gelieferte Begründung für die Einstellung der Klage lässt eine andere Erklärung zu: T3 hat die Klage nicht nur angestrengt, um einem Kritiker wackelige Knie zu verschaffen.

Man hat auch den PR-Effekt einer solchen Klage erkannt. Natürlich hat das Verfahren überwiegend Negativ-PR produziert. Schließlich sind die meisten Anwender in Sachen "Spam" Opfer und nicht Täter. Aber Unternehmen, die unerwünschte Werbe-Mails verschicken, sind Kritik gewohnt.

Ganz nebenbei - und vermutlich auch beabsichtigt - wurden dafür auch potentielle Kunden auf die australische Werbeschleuder aufmerksam. Der Gerichtsweg wurde damit zur kostengünstigen Werbemaßnahme.

Ein leider sehr häufig zu beobachtender Effekt. Nur ist selten ein Unternehmen dann auch noch so dreist, sich damit zu brüsten.

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